Dos and Donts bei der Kommunikation in der Schweiz

Dos and Don'ts bei der Kommunikation mit der Schweiz

Public Relations - 09. Jan 20

Schon mal gehört von "eine Faust im Sack machen" oder "ein Vorhaben bachab schicken"? Wer in der Schweiz kommunizieren will, sollte die sprachlichen Eigenheiten unserer Nachbarn verstehen und seine Kommunikation an die Besonderheiten der Schweizer Medien anpassen. Wir haben die wichtigsten Dos and Don'ts für die hiesige PR-Zunft zusammengetragen. 

Um die Wahrscheinlichkeit einer Weiterverwendung von Pressetexten zu erhöhen, ist es wichtig, die Inhalte von Pressemeldungen möglichst passend für die Schweizer Leser zu formulieren. Primär heißt das, nicht nur das "Eszett" zu ersetzen, sondern auch die entsprechenden "Helvetismen" (sprachliche Besonderheiten im Schweizer Hochdeutsch) zu beachten. In der Schweiz und Liechtenstein gibt es kein ß (Eszett), stattdessen schreibt man dort immer ss. Helvetismen gibt es eine Vielzahl, etwa wird im Schweizerischen aus Pressemitteilung Medienmitteilung oder aus Redakteur Redaktor. Unter folgenden Links gibt es eine Liste von Helvetismen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Helvetismen

http://mediawiki.ids-mannheim.de/VarGra/index.php/Alle_Artikel

Pressemitteilungen auf Deutsch und Französisch

Die in der Schweiz am weitesten verbreitete Sprache ist Schweizerdeutsch. Diese wird von einer großen Mehrheit der Bevölkerung (66 Prozent) im deutschsprachigen Teil des Landes gesprochen aber nicht geschrieben. Als geschriebene Sprache verwenden die Schweizer das Schweizer Hochdeutsch. Daneben wird in der Westschweiz Französisch gesprochen (23 Prozent) und im Tessin sowie einzelnen Graubündner Gemeinden Italienisch (8,5 Prozent). Rätoromanisch sprechen nur noch 0,5 Prozent der Schweizer Bevölkerung. Daher sollten die Pressemeldungen, die an die Schweizer Medienlandschaft gehen, möglichst in mindestens Deutsch und Französisch gesendet werden.

Eine Studie meint sogar, dass Schweizerdeutsch die beste Geheimsprache für das digitale Zeitalter ist. Wer sich also vor digitaler Überwachung schützen möchte, sollte  Walliser-Deutsch, einen Dialekt mit besonderen Akzenten, lernen.

Von Punkten und Strichen

Auch in der Punktation und Satzzeichensetzung gibt es ein paar kleine, aber feine Unterschiede, die man als Deutscher kennen sollte, wenn man für die Schweizer Medien schreibt. So setzen die Schweizer nach der persönlichen Ansprache kein Satzzeichen und starten den anschließenden Text direkt mit Großbuchstaben:

Lieber Herr Müller

Das neue Jahr kann kommen!

Als Anführungsstriche in Schweizer Texten sollte man die sogenannten Guillemets («...») verwenden, die hierzulande verwendeten Gänsefüßchen (") sind weniger üblich, jedoch mit der steigenden Benutzung von Schreibsoftware auch immer wieder anzutreffen. Ab vierstelligen Zahlen setzen die Schweizer zur leichteren Lesbarkeit einen hochgestellten Strich: 2'000 , in Deutschland wird vielmehr der Punkt verwendet (2.000). Bei Zahlen, die Komata beinhalten, setzen Schweizer wiederum statt einem Komma wie bei uns in Deutschland üblich einen Punkt: 2.5. 

Uhren ticken anders

Abgesehen von der Sprache ist auch die Zeit ein wichtiger Faktor für erfolgreiche Kommunikation in der Schweiz. Die Uhren in Helvetien ticken aber etwas anders als in Deutschland. Folgende Zeiten sind bei der Kommunikation mit Medienschaffenden zu beachten:

Für Investor Relations:

  • Börsenzeiten: 9 - 17:30 Uhr
  • 7:30 Uhr: Bis zu diesem Zeitpunkt müssen alle börsennotierten Firmen kommuniziert haben. Danach ist "Funkstille" angesagt, außer es gibt etwas mit der Börse im Voraus Besprochenes oder Kurzfristiges und wiederum von der Börse Genehmigtes zu kommunizieren.
  • 17:30 Uhr: Ab diesem Zeitpunkt können die börsennotierten Unternehmen wieder ohne Absprache mit der Börse öffentlich kommunizieren.
  • Einhaltung der Gleichzeitigkeit: Alle Medien und alle weiteren Stakeholder müssen gleichzeitig mit den Informationen beliefert werden.
  • Es müssen mindestens zwei nationale Tageszeitungen und zwei Nachrichtenagenturen mitbedient werden.
  • Alle Veröffentlichungen müssen zeitgleich auch auf der eigenen Webseite archiviert und allen Interessierten zugesendet werden.

Für Media Relations:

  • 9 -10 Uhr: in der Regel Redaktionssitzungen der Tageszeitungen
  • 11:45-13:45 Uhr: Mittagspause (meistens eine Stunde in diesem Zeitraum)
  • 17 Uhr: in der Regel Redaktionsschluss der Tageszeitungen, danach können es nur noch "Notfälle" in die Printausgaben schaffen.

An diesen Tagen besser nichts kommunizieren

Zudem gibt es über das Jahr verteilt wichtige Tage, an denen andere Themen Priorität genießen:

Nationaler Feiertag

1. August

Eidgenössische Abstimmungstage 2020

9. Februar 2020
17. Mai 2020
27. September 2020
29. November 2020

Man sollte Presseaussendungen an diesen Tagen vermeiden, sofern sie nicht zu den Themen passen, die in den eidgenössischen Abstimmungstagen besprochen werden.

Schoggi, Gipfeli und Rösti

Neben der besonderen Sprache wird das Alpenland oft mit seinen Köstlichkeiten in Verbindung gebracht. Dabei gibt es gerade im Kulinarischen speziell Schweizer Fachtermini, die gerne mit einem herzigen "li" enden. Aber Vorsicht: Diese Silbe nicht wild drauflos bei jedem Lebensmittel dranhängen, das geht garantiert nach hinten los.

Wer mehr über das Alpenland und die Schweizer Sprache lernen möchte, findet in diesem Handbuch für Deutsche noch weitere nützliche Informationen. Und wer glaubt, dass er schon alles weiß, der kann sein Wissen bei diesem kleinen Sprachkurs noch perfektionieren. Oder sich nochmal systematisch an der Sprache unserer Nachbarn abarbeiten.

Übrigens hier noch die Auflösung von oben:  "eine Faust im Sack machen" bedeutet soviel wie "sich im Stillen über etwas ärgern". Unter der Redewendung "ein Vorhaben bachab schicken" versteht man "etwas ablehnen bzw. verwerfen."

Autor: Beatrix Ta

Kommentare (1)

  • Von Sven Kamerar, 10.01.20 01:30 Uhr

    Einer der ungewohntesten Helvetismen, der in den Übersichten unerwähnt bleibt, ist das Wort "Kotierung" anstatt "Notierung" in Zusammenhang mit Aktien börsennotierter Unternehmen.

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