Bürohunde: Who let the dogs out? Foto: news aktuell

Who Let The Dogs Out?

Work Life - 11. Feb 20

Nach Tischkickern, flexiblen Arbeitszeiten und Home-Office ziehen in mutigen Unternehmen jetzt auch Hunde in die Büros mit ein. Aber warum sind die Vierbeiner so beliebt? Welche Benefits bringen sie für Arbeitnehmer und Arbeitgeber?

Ein leises Tapsen zwischen klingelnden Telefonen und Tastengeklapper wird langsam lauter, bis mir eine kleine Schnauze gegen das Bein stupst und Mischlingshündin Mayla an mir hochguckt. Ich streichele sie kurz, dann zieht sie weiter zum nächsten Schreibtisch.

Kleine Besuche wie diese von Mayla sind nicht selten, und sorgen seit ihrem Einzug in das news aktuell-Büro für Begeisterung und ein Lächeln im Gesicht von allen Mitarbeitern. Mal sieht man Mayla seelenruhig beim Schlafen in ihrem Körbchen, mal spielend mit ihrem Bürohund-Kumpel Spencer an der Alster in der Mittagspause. Beide sind mittlerweile feste Teammitglieder und bereichert den Arbeitsalltag aller Anwesenden mit ihrem ruhigen Gemüt und ihrer guten Laune beträchtlich.

Bei news aktuell sind Hunde seit nunmehr drei Jahren gestattet. news aktuell war damit schon recht früh so mutig, Hunde mit in die Büros einziehen zu lassen. Anfänglich nur einmal die Woche, begleitet auch Jack Russell Luna ihr Frauchen Jenny mittlerweile jeden Tag mit ins Büro, und alle sind von ihr begeistert: „Mit ihren spontanen Besuchen beschert uns Luna immer eine kleine Freude. Manchmal bringt sie das gesamte Team zum Lachen und relativiert dadurch die ein oder andere stressige Situation.“ 

Inzwischen haben sich Bürohunde zum Trend entwickelt und finden sich immer öfter in modernen Arbeitskulturen; nicht zuletzt, weil inzwischen diverse Studien gezeigt haben, was für positive Auswirkungen Hunde auf ihr Umfeld haben. Auch das Thema „New Work“ spielt dabei eine Rolle: Menschen wollen flexibler und selbstbestimmter in einem entspannten Umfeld arbeiten, da gehört auch dazu, den eigenen Hund mit zur Arbeit bringen zu können.

Bürohunde bieten sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber viele Vorteile. Für Mitarbeiter seien dies vor allem gesundheitliche Aspekte, so Markus Beyer, Vorsitzender des Bundesverband Bürohunde e.V.: „Wenn Mensch und Hund Kontakt haben, setzen sie das Hormon Oxytocin frei, was dazu führt, dass die Stresshormone Insulin und Cortisol linear runtergefahren werden. Die Konsequenz: Man ist weniger Burnout-gefährdet“. Ein weiterer Vorteil, so Beyer, sei die Bewegung, die der Mensch durch einen Hund erfährt: „Sitzen ist das neue Rauchen, durch mehr Bewegung sinken ganz einfach die Risiken für einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt und Fettleibigkeit.“

Eine Runde Oxytocin geht immer: Bürohund Juni sorgt dafür, dass seine menschlichen Kollegen regelmäßig Glückshormone ausschütten. Foto: Lauren Mackintosh
Eine Runde Oxytocin geht immer: Bürohund Juni sorgt dafür, dass seine menschlichen Kollegen regelmäßig Glückshormone ausschütten. Foto: Lauren Mackintosh

Tierische Kollegen nutzen aber nicht nur der Belegschaft, sondern auch die Arbeitgeber profitieren von ihnen: „Viele Unternehmen konkurrieren um wenige digitale Talente, die man mit materiellen Anreizen gar nicht mehr so gut locken kann“, erklärt Markus Beyer. Das unterstreicht eine Studie von kununu, nach der potenzielle Arbeitnehmer neben Home-Office und flexiblen Arbeitszeiten insbesondere die Mitnahme von Hunden am Arbeitsplatz wertschätzten.

Auch die HundehalterInnen bei news aktuell empfinden die Mitnahme ihrer Hunde als wichtigen Benefit: „Kleine Streicheleinheiten zwischendurch und Spaziergänge an der Alster sind eine tolle Abwechslung. Es wäre schade, wenn ich meinen Hund den ganzen Tag nicht sehen könnte. Außerdem merkt man den Kollegen an, wie gut es ihnen tut, wenn Spencer ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert“, sagt Marlena aus dem Finance-Team von news aktuell.

Das Lächeln entlockt der kleine Spencer nicht nur seiner Bürogemeinschaft, sondern inzwischen auch vielen Menschen am anderen Ende eines Smartphones. Denn er ist nicht nur ein beliebter Arbeitskollege, sondern auch ein regelrechter Social-Media-Booster. Ob auf Twitter, Instagram oder Facebook: Tier-Content ist ein Dauerbrenner, denn er ist authentisch und weckt Emotionen.

Warum sind wir Menschen aber so „Hunde-Verrückt“? Für Markus Beyer ist das ganz klar: „In unserer instabilen VUCA-Welt ist ein Hund ein beständiger und sicherer Begleiter, vor dem man sich nicht verstellen braucht. Wir holen uns Applaus für unsere tollen Leben, unsere unglaublichen Reiseziele und unsere makellose Haut auf Instagram, aber eigentlich sind wir doch alles nur Menschen, auf der Suche nach echten Beziehungen. Die kann ein Hund uns geben.“

Die Zahlen zu Bürohunden bekräftigen dies: Der Bürohunde-Index 2019 ermittelte beispielsweise, dass über 90 Prozent der Arbeitnehmer durch die Einführung von Bürohunden eine Verbesserung des Arbeitsklimas und eine bessere persönliche Work-Life Balance erleben. Zudem zeigt die Studie, dass die Bereitschaft, über einen Arbeitgeberwechsel nachzudenken, bei Unternehmen mit Bürohunden um 41 Prozent niedriger ist als in Unternehmen ohne Bürohunde. Der Index hat auch bestätigt, dass man durchaus in Erwägung ziehen sollte, die Mitnahme von Bürohunden bereits in einer Stellenbeschreibung zu erwähnen: 20 Prozent aller Unternehmen der Umfrage machen dies bereits.

Jenseits von makelloser Haut und gefilterten Bergen: Die tierischen Social-Media-Booster bestechen durch Authentizität und wecken echte Emotionen. 

Aber nicht jeder ist ein Hundefreund. Was tun, wenn es Kollegen gibt, die Angst haben oder allergisch auf Tierhaare reagieren? „Wichtig ist, die Einstellung aller Mitarbeiter in Bezug zu Hunden zu respektieren. Es muss im Vorfeld Regeln geben, und der Arbeitgeber sollte einen Rahmen festlegen, in dem Hunde zu halten sind“, so Beyer. Dies könnte beispielsweise beinhalten, dass nur eine bestimmte Anzahl an Hunden zugelassen sind und Hunde in öffentlichen Bereichen (Fluren, Aufgänge, Küche) immer an der Leine geführt werden müssen. Für Allergiker sollten Hunde-freie Zonen geschaffen werden. Wichtig sei bei dem Festsetzen von Regeln immer ein offener Diskurs und ausreichend Kommunikation, erklärt Beyer. Nur dann fühlen sich alle Mitarbeiter abgeholt.

Bei news aktuell hat das geklappt. Auch „Hunde-ängstliche“ Menschen sehen die vierbeinigen Mitarbeiter inzwischen als Bereicherung: „Auf der Straße gehe ich Hunden fast immer aus dem Weg – aber im Büro stören sie mich komischerweise gar nicht. Ich habe gelernt, mit meiner Angst umzugehen, und freue mich immer, einem gutgelaunten Hund auf dem Flur zu begegnen. Ich glaube, unsere Bürohunde tun hier allen wirklich gut“, so eine eher Hunde-skeptische Mitarbeiterin.

Wieso eigentlich Hunde, aber keine Katzen, Papageien oder Hamster? Markus Beyer erklärt es folgendermaßen: „Haustiere sind nicht alle gleich. Hunde sind Rudeltiere und daher bestens geeignet für das Zusammensein in einer Gruppe. Katzen hingegen haben lieber ihre Ruhe und möchten sich ihren Aufenthaltsort selbst aussuchen. Vögel und Kleintiere würden bei der täglichen Fahrt gestresst werden, Hunden macht das wiederum nichts aus.“

Und was braucht es, damit sich auch die Hunde in unseren Büros wohlfühlen? Wichtig ist zuerst einmal Bewegung. Abhängig von Alter und Gesundheitszustand sollte es die Möglichkeit geben, die Pausen etwas flexibler zu gestalten, um mit dem Hund an die frische Luft zu gehen. Ebenfalls wichtig ist ein Rückzugsort, damit der Hund zur Ruhe kommen und schlafen kann, ohne ständig gestört zu werden. Auch für Wasser sollte immer gesorgt werden. Am wichtigsten sei aber die psychologische Komponente, erläutert Beyer. „Das Hund-Halter-Verhältnis muss an einem Ort wie dem Büro unbedingt stimmen. Der Hund darf nicht denken, dass er auf seinen Halter aufpassen muss, sonst fängt er an, sein Frauchen oder Herrchen vor vermeintlichen Feinden zu beschützen, indem er bellt.“

Unternehmen, die das Experiment Bürohund starten wollen, empfiehlt Beyer eine sukzessive Einführung, beispielsweise über ein Pilotprojekt in einer Abteilung. Mit klaren Regeln (etwa Hunden in Gängen an der Leine zu halten) und offenen Gesprächen mit den Mitarbeitern kann man einen Rahmen schaffen, der auch ängstliche Menschen oder Allergiker abholt. Nach einer solchen Pilotphase hat das Unternehmen konkrete Praxiserfahrung gesammelt und kann die weitere Handhabung besser abwägen. Bei aller Hundeeuphorie sollten sich die Beteiligten jedoch bewusst sein, dass ein Hund nicht alle Probleme löst, so Beyer: „Hunde können aber ein Baustein sein in einer Strategie für mehr Wertschätzung, mehr Menschlichkeit und mehr Gesundheit; und in diesem Kontext leisten sie einen großen Beitrag.“

Text: Lauren Mackintosh und Beatrix Ta

Kommentare (1)

  • Von Christiane Wittig, 30.03.20 03:14 Uhr

    Ein - oder mehrere - Hunde im Büro sind nicht nur "mutig" sondern ausnahmslos bereichernd. Natürlich muss auf Kollegen Rücksicht genommen werden und nicht immer können alle Wünsche erfüllt werden. Aber wer seinen Hund mit ins Büro bringen darf, arbeitet entspannter, weil er sich nicht um seinen Vierbeiner sorgen muss. Außerdem stärkt es die Bindung an das Unternehmen, denn noch ist es ein Privileg und nicht immer eine Selbstverständlichkeit. In meinem Buch "Kollege Hund" findet man viele Tipps wie der Arbeitsalltag mit Hund stressfrei gelingt.
    Ich wünsche allen Herrchen und Frauchen sowie ihren Fellnasen einen entspannten und produktiven Tag. Bleiben Sie gesund.

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