„Ich kündige!“ Warum PR-Profis flüchten

Insight - 15. Jan 20

Fragt man die Beschäftigten in Kommunikationsabteilungen und in PR-Agenturen, weshalb sie ihre Jobs hinschmeißen würden, dann erhält man als häufigste Antwort: Wegen attraktiverer Angebote, mickrigen Gehältern oder allgemeiner Ödnis im Job. Das zeigt unser Trendmonitor, für den die Befragten ihre drei wahrscheinlichsten Kündigungsgründe genannt haben. Erstaunlich: Überstunden und Stress spielen kaum eine Rolle. Die Analyse.

In der PR arbeiten anscheinend viele treue Seelen. Auch bei besseren Angeboten wird der Job nur selten gewechselt. Fast zwei Drittel der Beschäftigten in Pressestellen und PR-Agenturen scheint eine attraktive Offerte nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen zu können. Das Idealbild der rührigen und agilen PR-Leute hat mit der Realität also nicht allzu viel zu tun – zumindest bezogen auf die eigene Job-Situation. Ob sich aus diesen Zahlen Rückschlüsse auf das persönliche Mindset ziehen lassen, muss jeder PR-Schaffende für sich selbst entscheiden.

Bezogen auf die Unternehmensgröße gibt es aber auch signifikante Unterschiede im Treue-Verhalten. Während in Firmen mit weniger als 50 Beschäftigten nur ein Viertel wegen eines besseren Angebotes kündigen würden, sind es in größeren Betrieben mit bis zu 5.000 Angestellten immerhin 43 Prozent. Die Karriereorientierung scheint also dort wesentlich stärker ausgeprägt zu sein. Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder zwischen den Beschäftigten in Pressestellen und PR-Agenturen sind übrigens nicht festzustellen.

Das ist beim Faktor Gehalt anders. Für Frauen ist eine schlechte Bezahlung spürbar eher ein Kündigungsgrund. Das sehen im Vergleich 29 Prozent der Frauen so, gegenüber nur 19 Prozent der Männer. Grund: Wahrscheinlich machen viele Frauen die Erfahrung, grundsätzlich schlechter bezahlt zu werden als ihre männlichen Kollegen. Gender-Pay-Gap ist auch in der PR kein Fremdwort.

Überhaupt scheinen Männer im PR-Job auf den ersten Blick genügsamer zu sein als Frauen. So würde jede fünfte Frau (21 Prozent) wegen schlechter Karriereperspektiven kündigen – aber nur jeder zehnte Mann (11 Prozent). Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Work-Life-Balance (Frauen 18 Prozent, Männer 13 Prozent). Auch hier werden die insgesamt schwierigeren Arbeitsbedingungen für Frauen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen. Stichworte: Baby-Pause, Rollenverständnis bei der Kinderbetreuung, "Old-Boys-Networks"...

Wenn der Job anödet, dann ist das insgesamt für ein Viertel der PR-Schaffenden ein Kündigungsgrund – egal ob Mann oder Frau. Anders sehen die Zahlen aus, wenn man den Beschäftigungsort unter die Lupe nimmt. PR-Profis in Unternehmen mit einer Größe von bis zu 250 Beschäftigten scheint eine spannende und ausfüllende Tätigkeit nicht allzu wichtig zu sein. Nur 17 Prozent sehen das Fehlen als einen Kündigungsgrund an. Anders in Großbetrieben mit über 5.000 Mitarbeitern. Hier würde jeder Dritte (33 Prozent) den Hut nehmen, wenn der Job langweilt.

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf jene Bereiche, die gerne zitiert werden, wenn es um die allgemeine Zufriedenheit im PR-Job geht. Nur acht Prozent würden demnach kündigen bei zu viel Druck, sechs Prozent bei zu wenig Familienfreundlichkeit und fünf Prozent bei zu vielen Überstunden. Warum ist das so? Wahrscheinlich ganz einfach: Stress, Probleme mit der Kinderbetreuung und Überstunden sind unangenehm und nerven im Alltag – Tag für Tag. Einen wirklichen Kündigungsgrund stellen sie jedoch nicht dar. Die Wahrscheinlichkeit ist wohl einfach zu groß, dass man diese Quälgeister auch beim nächsten Job regelmäßig wieder trifft.

Quelle: PR-Trendmonitor 2019 von news aktuell und Faktenkontor
Teilnehmer: 510 Fach- und Führungskräfte aus der PR
Umfragezeitraum: Februar und März 2019
Frage im Wortlaut: "Wenn Sie an Ihren aktuellen Arbeitsplatz denken: Was sind die drei wahrscheinlichsten Gründe, warum Sie kündigen?"

Autor: Jens Petersen


 

Kommentare (1)

  • Von Claudia Dolle-Gschweng, 30.01.20 10:06 Uhr

    Na ja, ich bin seit etwa 30 Jahren in der PR unterwegs. Ich habe in einigen namhaften Agenturen gearbeitet und kenne also entsprechend viele Kolleg*innen. Und der Workload ist bei allen, die ich kenne, enorm, so dass das eher gering ausfallende Gehalt in krassem Gegensatz steht zu den geleisteten Stunden. Zu wenige Leute für zu viele Etats, die in den letzten Jahren immer kleiner ausfallen. Deshalb setzen Agenturen auf eine Minderbesetzung, damit halt für die Agentur auch etwas hängenbleibt. Aus kaufmännischer Sicht verständlich. Die meisten PRler, die ich kenne, hatten die Schnauze voll von der Arbeitsdichte, Beziehungsverlusten und zu wenig Geld. deshalb kann ich das Ergebnis nicht ganz nachvollziehen.

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