Über die DNA von guten Bildern

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Studierter Germanist und Historiker, diplomierter PR-Berater (DAPR) und Jurymitglied beim diesjährigen PR-Bild Award: Klaus Küpper, Mitglied der Geschäftsleitung der Jeschenko MedienAgentur, lebt für Kommunikationsthemen und außergewöhnliche Produkt-PR. Ein Gespräch über Kreativität, Digital Natives und Leuchtturmprojekte.

Klaus Küpper, Mitglied der Geschäftsleitung der Jeschenko MedienAgentur. Foto: Klaus Küpper

news aktuell: Sie sind seit rund 25 Jahren in der Kommunikationsbranche tätig. Wie hat sich die Bildsprache in dieser Zeit gewandelt?

Küpper: Ich glaube, dass sich grundsätzlich nicht so viel in der Bildsprache verändert hat. Ein gutes Bild muss immer noch eine Story erzählen und bedarf keiner ausschweifend und erklärenden Erläuterungen: Es steht für sich und fesselt auf den ersten Blick. Sicherlich verändern sich Bildstile, Themen und Machart – doch die DNA eines herausragenden (Presse-)Bildes bleibt unberührt.    

news aktuell: Sie unterrichten als Gastdozent an verschiedenen Universitäten: Gehen die „Digital Natives“ von heute Ihrer Meinung nach bewusst genug mit ihren Daten und Bildern um? 

Küpper: Ich weise immer wieder darauf hin, dass Bilder und vermehrt auch Bewegtbilder der visuelle Türöffner für Botschaften sind. Dies gilt sowohl für die klassischen Medien, Print wie Online, als auch im weitgefassten Bereich Social Media, der besonders auf kurzweilige, visuelle Wahrnehmung setzt. Hier ist das schnelle und dennoch professionelle Vorgehen die größte Herausforderung. Oft agieren „Digital Natives“ meines Erachtens hierbei zu spontan. Es sind meist die Bild-Basics wie Licht, Ambiente, Inszenierung, die man hier vermitteln kann. On top ist natürlich Kreativität, gepaart mit handwerklichem Können, die Messlatte für gute visuelle Botschaften.

Klaus Küpper über ein gutes Bild: Es steht für sich, fesselt auf den ersten Blick.Klicken, um zu twittern

news aktuell: 2014 waren Sie mit dem PR-Bild des Jahres „Lebendige Tapete“ vom Deutsches Tapeten-Institut erster Preisträger des PR-Bild Awards. Ein sehr kreatives Bild. Lässt sich Kreativität „kultivieren“? 

Küpper: Kreativ kann nur sein, wer Freiräume entfalten kann. Von daher sollte der Kreativität zunächst keine Grenzen vorgegeben werden. Dies gilt für Bilder wie auch im Allgemeinen für Brainstormings und Kreativmeetings. Was man unter „kultivieren“ verstehen könnte, ist vielleicht eine durch die Erfahrung gegebene behutsame Führung, die neue Perspektiven und Ideen anregt.    

news aktuell: Stichwort Tapete: Die Jeschenko MedienAgentur betreibt auch Kommunikation für Alltagsprodukte mit vermeintlich geringer „Strahlkraft“. Wie lässt sich für solche Kunden am besten Medieninteresse generieren? 

Küpper: Was Sie mit „Strahlkraft“ bezeichnen sind bei uns sogenannte „Leuchtturmprojekte“, die eine besondere mediale Aufmerksamkeit generieren. Ein Beispiel: Wir arbeiten für den Toilettenpapierhersteller „Hakle“ - ein Alltagsprodukt. Im Rahmen der Brexit-Diskussion äußerte sich ein britischer EU-Politiker im „Spiegel“ dahingehend, dass den Briten als einem der größten Toilettenpapier-Importeure bereits nach wenigen Tagen selbiges ausgehen werde. Kurzfristig entwickelte unser Projekt-Team gemeinsam mit dem Kunden ein Hilfsmaßnahme-Konzept, natürlich auch mit dem Ziel der redaktionellen Berichterstattung: Wir schickten eine Palette Hakle Toilettenpapier als ungewöhnliche Hilfslieferung direkt an den Buckingham Palast. Schnell verständliche Pressefotos und nachrichtlich getextete Presseinformationen begleiteten die Maßnahme und die Aktion wurde gleich für mehrere Tage zum „Talk of the day“ auf allen Medienkanälen – selbst britische Zeitungen griffen die Hakle Toilettenpapier-Spende an die Queen auf. Auch hier gilt: Eine professionelle Umsetzung, ein hohes Maß an Kreativität und natürlich die spontane Umsetzungsbereitschaft und das Vertrauen unserer Kunden.          

news aktuell: Sie arbeiten unter anderem auch mit Influencern zusammen. Für wen eignen sich Influencer-Kampagnen besonders gut? 

Küpper: Influencer sind heute ein wichtiger Multiplikator. Unser Social-Media-Team ist hier maßgeblich involviert, wenn es darum geht, für unsere Kunden den richtigen Kommunikationsfit zu finden. Ein Kernkriterium ist sicherlich das thematische Umfeld: Wie gut passt ein Influencer zum jeweiligen Produkt oder der Brand? Besonders junge und hippe Produkte, die verstärkt Digital Natives ansprechen, können hier sinnvoll vernetzt werden. Ein Beispiel aus der Praxis: Zur gamescom 2018 haben wir durch eine Aftershowparty mit einem eigenem Format „C‘MON & CRUNCH“ im angesagtesten Club Deutschlands für unseren Kunden „Lorenz Snack-World“ und das Produkt „Crunchips“ neue Impulse in der jungen Produkt-Zielgruppe setzen können. Meet&Greets mit ihren Lieblings-Influencern oder ein Crunchips-Drink gegen Instagram Fotos sorgten für ein hohes User-Involvement und eine enorme virale Reichweite. Da wurde ganz nach dem Markenclaim „Wo Crunchchips ist, ist Party“, so richtig abgefeiert – analog und digital.  

news aktuell: Welches Presse- oder PR-Bild des letzten Jahres hat Sie besonders beeindruckt und warum?

Küpper: Sicherlich gibt es viele Motive, die hier in die in engere Wahl kämen. Beindruckt hat mich ein Motiv, das einfach und nicht besonders spektakulär erscheint, aber in seiner visuellen Aussagekraft sehr komplex und doch verständlich ist: Das Siegerfoto in der Kategorie "Natur" des World Press Photo Award 2018. Wenn ein stolzes Tier wie ein Adler, ein Symbol eines Staates, zum Aasfresser in einem mit Plastik gefüllten Müllcontainer wird, bedarf es keiner Worte, um die Botschaft zu erfassen. Für mich zu Recht ein preisgekröntes Foto!


Falls nicht schon geschehen:  Noch bis zum 14. Juni können ihr euch beim PR-Bild Award bewerben. Habt Ihr tolle Motive, die einen Preis verdient hätten? Dann hier lang.

 

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