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Schweizer PR-Branche und «heikle» Schweizer

Schweiz - 07. Apr 21

Alberto Stival ist seit vergangenem Jahr Präsident des Schweizerischen Public Relations Verbandes pr suisse. Mit ihm haben wir über Verbandsarbeit in der Schweiz in Zeiten von Corona gesprochen, vor welchen Herausforderungen die PR-Branche ganz abseits der Pandemie steht, was die Kooperation von pr suisse mit news aktuell (Schweiz) AG für ihn bedeutet. Nicht zuletzt gibt uns der geborene Berner auch Antwort auf die Frage, ob die Schweizer wirklich «heikel» sind.

news aktuell: Seit einem Jahr hat sich unser Arbeitsalltag drastisch verändert. Wie war das Jahr bei Ihnen? Speziell in der Verbandsführung? Sie sind ja mitten in der Pandemie neuer Präsident von pr suisse geworden.

Alberto Stival, Präsident pr suisse
Alberto Stival, Präsident von pr suisse. Foto: CYP

Alberto Stival: Ja, so ist es. Schon die Generalversammlung von pr suisse, an der ich Ende Juni gewählt wurde, fand online statt und die Sitzungen vom Zentralvorstand werden in der Regel per Video durchgeführt. Schlimmer ist es aber für unsere sieben Regionalgesellschaften, weil deren Anlässe weiterhin nur virtuell stattfinden können. Wie wir in der Zwischenzeit alle gelernt haben, kann dies auch Vorteile haben. Doch langsam ist es auch ein wenig mühsam. Unser Verband lebt vom Networking, die Mitglieder wollen sich wieder persönlich treffen können, sich austauschen. Kommt dazu, dass ein Teil der Mitglieder von pr suisse auch beruflich im Bereich der Organisation von Events und Konferenzen aktiv ist; Corona macht es wirtschaftlich gar nicht einfach für sie. 
 
news aktuell:  Ihr Verband hat eine ausgesprochen heterogene Mitgliederstruktur. Darunter sind Vertreterinnen und Vertreter von Agenturen, Unternehmen, Organisationen und Verwaltung. Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Mitgliedern? Welche Angebote können Sie verbandsseitig machen?
 
Alberto Stival: Unsere Regionalgesellschaften sind sehr aktiv; jährlich finden schweizweit etwa hundert Anlässe statt. Als gesamtschweizerischer Berufsverband der PR-Branche haben wir andere Prioritäten, wie zum Beispiel im Bereich Bildung. Als sogenannte Organisation der Arbeitswelt (OdA) sind wir, mit unserer Prüfungskommission, unter anderem für das Berufsbild «PR-Fachfrau/PR-Fachmann mit eidgenössischem Fachausweis» verantwortlich. Weiter unterstützen wir unsere Regionen mit der Bereitstellung eines einheitlichen Webportals oder auch mit der Führung eines Berufsregisters.   

news aktuell:  Was beschäftigt die Schweizer PR-Branche zurzeit (also abseits von Corona), vor welchen Herausforderungen steht sie? 

Alberto Stival: Vereine und Verbände haben historisch in der Schweiz eine grosse Tradition. Der Komiker Massimo Rocchi hat dies eher amüsant ausgedrückt: «Was tun drei Schweizer, wenn sie glücklich, so richtig glücklich sind? Sie gründen einen Verein!». Ich bin selber auch in verschiedenen Vereinen tätig und habe einen Sportverein gegründet. Nun wackelt diese Tradition vermehrt bei uns. Einerseits fragen sich einige Unternehmen und Mitglieder, ob Mitgliedschaften aus Kostengründen oder aufgrund der Pandemie noch sinnvoll sind. Andererseits nutzen vor allem jüngere Menschen andere Möglichkeiten, um ihr Netzwerk zu pflegen. Dies ist wiederum ein Effekt der Digitalisierung, der durch die Pandemie zusätzlich verstärkt wurde. Hier sehe ich also eine grosse Herausforderung für pr suisse und generell für alle Verbände: neue Mitglieder zu finden und zu halten, und ihnen einen Mehrwert bieten zu können. 

news aktuell: pr suisse hat seit 2018 eine Kooperation mit news aktuell (Schweiz) AG. Was genau macht diese Kooperation für Sie so wichtig? 

Alberto Stival: Die Dienstleistungen von news aktuell sind für PR-Profis sehr wertvoll, zudem bietet ihr ein breites und modernes Angebot von Lösungen an. Zu unseren Mitgliedern zählen Agenturen aber auch Kommunikationsexperten, von Start-ups über KMU’s bis zu börsenkotierten Unternehmen. Für sie alle kann news aktuell ein idealer Businesspartner sein. Deshalb ist diese Kooperation für pr suisse absolut sinnvoll. Zudem schätzen wir die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Team, unter der Leitung von Eljub Ramic, sehr. 
 
news aktuell: Sie sprachen gerade mit einem Redaktionsmitglied eines deutschen PR-Blogs. In Vorbereitung auf dieses Interview stiess ich auf einem Beitrag von Marc Heinrich, Berater bei Jenni Kommunikation aus Zürich. Dort las ich «Doch aufgepasst, wir Schweizer sind heikel.» Stimmt das? Und wenn ja, warum und was genau unterscheidet die Schweizer von den Deutschen?

Alberto Stival: Ich kannte diesen Artikel nicht, finde ihn aber witzig und zutreffend. Der Autor unterstreicht dabei, wie wichtig es ist, sich in der Schweiz «helvetisch» auszudrücken, denn nur so vermitteln wir gerade auch in der professionellen Kommunikation «Verbundenheit, Nähe und somit Kompetenz.» Ich kann dieser Aussage nur zustimmen. Es betrifft nicht nur die Deutschschweiz, sondern auch die Romandie (so nennen wir die französischsprachige Schweiz), wo ich dies während meines Studiums erlebt habe. Es trifft auch auf das Tessin zu, wo ich seit über zwanzig Jahren lebe. 

Im Artikel hat es mehrere, zum Teil auch lustige Beispiele, die klar die Unterschiede zwischen einer hochdeutsch und einer schweizerdeutsch sprechenden Person zeigen, obwohl es theoretisch die «gleiche» Sprache ist. In der Romandie, ausser in Genf (genau, das ist eben auch nicht wirklich dasselbe wie in der restlichen französischsprachigen Schweiz…), erkennt man Personen aus Frankreich sofort an der Zahl 80: sie sagen «quatre-vingts» und nicht «huitante». Im Tessin gibt es zusätzlich regionale Sprachunterschiede und das Dialekt ist ziemlich stark verbreitet. Wenn man nicht hier aufgewachsen ist, kann es schnell passieren, dass man sich in einem Gespräch befindet und kaum ein Wort versteht. 

Aber es geht natürlich nicht nur um die Sprache an sich, sondern auch um die ganze Kultur. Schweizer*innen tendieren zum Beispiel generell eher zur Bescheidenheit (ausser die Zürcher*innen - das ist ein kleiner Scherz, den ich mir als Berner erlaube …) und das zeigt sich auch in der professionellen Kommunikation. Insofern kommen pompöse und sehr selbstsichere Auftritte oder Aussagen in der Schweiz kaum gut an. Auch diesbezüglich kommen mir viele lustige Beispiele von Massimo Rocchi in den Sinn, weil er als Komiker ganz intelligent mit diesen kulturellen Unterschieden innerhalb der Schweiz und zu unseren Nachbarländern zu spielen versteht. Ich empfehle allen, die diesen Blog lesen, ihn im Internet aufzusuchen. Lacher sind garantiert!   

Noch mehr Erhellendes über Dos and Don'ts in bei der Kommunikation in der Schweiz gibt es in diesem Blogpost.

Interview: Nicola Wohlert

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