PR-Bild Award 2021 Auf Reisen im Suedsudan Shortlist Kategorie Reisen KPRN Network Voice4Africa

#prba21: Reisen ist mehr als Strand und Pool

Events - 27. Sep 21

Reisen kann den eigenen Horizont erweitern, das gegenseitige Verständnis der Kulturen fördern und maßgeblich zu Bildung und Wohlstand in den Drittländern beitragen. Davon ist Hanna Kleber, Geschäftsführerin von KPRN Network, überzeugt. Mit dem Bild "Auf Reisen im Südsudan" hat es die von ihr gegründete Initiative VOICE4AFRICA auf die Shortlist des diesjährigen PR-Bild Award geschafft. Wir sprachen mit ihr über die Entstehungsgeschichte des Bildes, den Tourismus in Afrika und die Herausforderungen von Tourismus-Kommunikation in aktuellen Zeiten. 

Hanna Kleber KPRN Network Voice4Africa
Hanna Kleber, Initiatorin von VOICE4AFRICA und Geschäftsführerin von KPRN Network. Foto: KPRN Network

news aktuell: Wow, was für gewaltige Hörner, was für eine Kraft, was für eine Natur, was für eine stimmungsvolle Atmosphäre: Das geht einem auf dem ersten Blick bei diesem Bild durch den Kopf. Wie und wo ist das Bild entstanden und welche Geschichte erzählt es?

Kleber: Das Bild ist auf einer Inspektionsreise des Fotografen Thomas Kimmel unseres Partners DIAMIR in den Südsudan entstanden. Er ist mit seinem Team früh morgens in der Hauptstadt Juba gestartet und in ein circa 80 Kilometer entferntes Cattle Camp des Mundari-Volkes gefahren. Hier verbrachten sie den ganzen Tag, um den Alltag mitzuerleben. Es herrschte eine gespenstische Stimmung, da überall Feuer schwelten, welche traditionell mit getrocknetem Dung genährt werden. Das vertreibt Blutsauger und hält nachts warm. 

news aktuell: Was waren die besonderen Herausforderungen für den Fotografen bei der Produktion dieses Bildes?

Kleber: Durch die allgegenwärtigen Rauchsäulen fällt das Atmen schwer und die Lichtverhältnisse ändern sich ständig. Zudem benötigt man gute Kontaktpersonen, um das Camp überhaupt besuchen zu dürfen.

news aktuell: Können Sie uns ein wenig über die aktuelle Situation im Südsudan berichten? Welche Konflikte bestimmen derzeit das Land und wie meistert die Bevölkerung die Pandemie?

Kleber: Der Südsudan befindet sich gerade in einem konfliktreichen Nationalstaatsbildungsprozess, der von der UN begleitet wird. Eine große Herausforderung ist die noch sehr einfache, touristische Infrastruktur. Der überwiegende Teil des jungen Landes ist nicht erschlossen, aber dort wo Sicherheit herrscht (z.B. in Central & Eastern Equatoria), hat sich in den letzten Jahren neben anderen aufkeimenden Geschäftsfeldern auch eine Art Proto-Tourismus entwickelt.

Der Südsudan verfügt über riesige, kaum erschlossene Naturräume (Boma National Park, Badingilo National Park, Imatong-Gebirge), aber sein wahrer Schatz sind die Menschen und ihre kulturelle Vielfalt. Die Mundari am Weißen Nil nördlich von Juba sind nur eine der ethnischen Gruppen, die man schon heute besuchen kann. Die touristische Erfahrung im Südsudan gehört zu den ursprünglichsten in Afrika. Wir hoffen, dass das Land zu dauerhafter Stabilität findet und zukünftig ganz regulär bereist werden kann.

Es ist schwierig, die aktuelle Pandemielage im Südsudan zu beurteilen. Die Regierung informiert die Bürger und ordnet Hygiene-Maßnahmen an. Für Reisende ist erfreulich, dass es zwei verlässliche Kliniken in Juba gibt, die PCR-Tests durchführen. Wir können nur mit Nachdruck fordern, dass der Westen mehr Impfstoff für die ärmsten Regionen der Welt bereitstellt.

news aktuell: Der Tourismus war und ist eine der am stärksten von der Pandemie betroffene Branche. Wie hat Ihre Initiative VOICE4AFRICA die letzten 1,5 Jahre erlebt? Was waren die Dinge, die bei Ihnen am eindringlichsten - negativ wie positiv - im Gedächtnis haften geblieben sind?

Kleber: Der Tourismus ist bis dato ja das Stiefkind der Politik. Da wir kein richtiges Ministerium für Tourismus haben, sind die Forderungen immer nur splitterhaft von einzelnen Verbänden an die Politik herangetragen worden. Immerhin sind weltweit 120 Millionen Arbeitsplätze betroffen und Tourismus in Deutschland allein hat eine Wertschöpfung von über 100 Milliarden Euro.

Wir von VOICE4AFRICA haben gesehen, dass bei all den verhängten Lockdowns und Einschränkungen, Reisen nach Afrika fast unmöglich gemacht wurden. Das bedeutet nicht nur den Verlust des Reisens und Erlebens, sondern der nachhaltige Effekt auf die dortige Bevölkerung, die sich nicht gemütlich unter einen Schutzschirm wie in Deutschland setzen kann, fällt komplett weg. Dort sind die Arbeitsplätze verloren gegangen - wie wir wissen, schafft ein Tourist acht Arbeitsplätze in Afrika. Außerdem fehlt das Geld für den Naturschutz und den Schutz der Wildtiere vor Wilderei. Letztendlich führt das zu Hungersnöten und Gewalt.

Wir wollen durch unsere Initiative VOICE4AFRICA dem gesamten Kontinent eine Stimme geben, beim Verbraucher aber auch in der Politik. Es reicht nicht, sich für Hilfen auszusprechen, sie müssen auch direkt bei den Menschen vor Ort ankommen und nicht auf dem Weg dorthin verpuffen. Der Tourismus bringt die Einnahmen direkt zu den Menschen in den Zielgebieten. Wir haben einige Spezial-Reiseveranstalter, die Afrika mit Herzblut verkaufen, in unsere VOICE4AFRICA-Initiative aufgenommen, um Verbrauchern wieder Vertrauen und die richtige Beratung zu geben. Die klassischen Reiseländer wie Südafrika, Namibia und Kenia sind sicher zu bereisen und die touristischen Partner setzen vor Ort effektive Hygienekonzepte um.

news aktuell: KPRN hat seit mehr als 25 Jahren Expertise in der Tourismus-Kommunikation. Vor welchen großen Herausforderungen steht die Branche bzw. entsprechend Tourismus-PR in Hinblick auf die aktuellen Debatten rund um den Klimawandel und Umweltschutz?

Kleber: KPRN Network ist in der Tat seit 27 Jahren die Agentur, die für die professionelle Beratung von Ländern, Hotels, Airlines und Kreuzfahrt steht. Wir haben schon viele Herausforderungen wie Tsunamis, Brände, Terror, Vulkanausbrüche, Flugzeugabstürze uvm. erlebt und auch kommunikativ begleitet. Die Covid-Pandemie ist nur das Vorspiel zur aktuellen Klimakatastrophe.

Viele haben die Zeit genutzt, um das Thema Umweltschutz schon in den letzten Jahren zu überdenken – der Overtourism diente dabei als gutes Lernmodell. Viele Regierungen haben sich damit auseinandergesetzt und versucht, neue Pfade zu beschreiten und die Ballungsräume zu entzerren. Die aktuelle Bedrohung mit Vorboten wie Überschwemmungen, Feuer und Erwärmung der Meere, werfen ihre Schatten voraus und fordern zum Handeln auf!

Die Politik hat sich das Thema nach langem Zögern parteiübergreifend auf die Fahne geschrieben. Wir müssen nur aufpassen, dass das Reisen nicht in einem Strudel der Verbote aufgesogen wird. Es gilt hier für Aufklärung zu sorgen, z.B. wie bei den Kompensationszahlungen fürs Fliegen die Gelder eingesetzt werden. Die Bevölkerung muss hier stark sensibilisiert werden. Die Innovation neuer Antriebsmittel für das Flugzeug, das Begrünen von Hotels, Wasser- und Abfall-Management sind dabei einige gute Ansätze.

Wir dürfen bei alledem auch nicht vergessen, dass das Reisen zur Völkerverständigung und zum Wohlstand und zur Bildung in den Drittländern beiträgt. Wie arm wäre die Welt, wenn wir nicht mehr fremde Kulturen entdecken dürften…

news aktuell: Was wünschen Sie sich für den Tourismus der Zukunft? Wieder alles wie vor der Pandemie vermutlich auch nicht, oder?

Kleber: Wir von VOICE4AFRICA und auch KPRN wünschen uns, dass Reisen wieder ohne Grenzen und einschränkende Kontrollen möglich ist. Wir haben alle gelernt, dass wir nur eine Erde haben – auch wenn die Idee, den Weltraum zu besiedeln, herumgeistert. Wir müssen auf einen nachhaltigen Tourismus mit wohl überlegten Reiseformen achten. Die neue Achtsamkeit sollte in allen Formen des Lebens besser bedacht werden.

Interview: Beatrix Ta

Last Chance: Noch bis zum 1. Oktober für die besten PR-Bilder des Jahres abstimmen. Hier geht es zum Voting für den PR-Bild Award 2021!

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