PR Bild Award Interview Juryvorsitzende PR-Bild Award 2021

#prba21: Alles rund! Vom Reifen zum Fußball

Events - 31. Mär 21

Heute starten wir in eine neue PR-Bild Award Saison. Ab sofort heißt es also: Bilder einreichen. Wir sprachen mit Mirjam Berle, Direktorin „Öffentlichkeit und Fans“ beim DFB, die in diesem Jahr den Vorsitz der PR-Bild-Award-Jury übernimmt. Ein Gespräch über Bild-PR im Fußball, ihren Wechsel von Reifen zum Fußball und das Fußball-Foto, das sie am meisten beeindruckt hat.

Mirjam Berle, Direktorin "Öffentlichkeit und Fans".
Mirjam Berle, Direktorin "Öffentlichkeit und Fans". Foto: privat

news aktuell: Als wir uns das letzte Mal in einem Interview unterhielten, waren Sie verantwortlich für die Kommunikation beim Reifenhersteller Goodyear. Seit letztem Oktober sind Sie die Chefin der Direktion “Öffentlichkeit und Fans” beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Ziemlich unterschiedliche Branchen, oder? Wie groß war Ihr Respekt vor dem “Neuland-Betreten”?

Mirjam Berle: Dass sich beide Branchen ums Runde drehen, ist eine der wenige Gemeinsamkeiten – Unterschiede gibt es in der Tat mehr. Daher hatte ich ordentlich Respekt vor dem kalten Wasser, in das ich gesprungen bin. Geholfen hat mir das Vertrauen in meine Stärken und die Bereitschaft, in die neue Welt einzutauchen und sie kennenzulernen. Wer nicht wagt, kann nichts gewinnen, und wer sich selbst nicht bewegt, kann nichts bewegen.

news aktuell: Sie haben beim DFB mitten in der Pandemie gestartet und in so einer Position gibt es keine Schonfrist, in der man sich erstmal in Ruhe wochenlang einarbeiten kann. Wie sind Sie damit umgegangen, wie haben Sie sich schnell in die Themen und die Organisation eingearbeitet und sich intern vernetzt? 

Mirjam Berle: Der Einstieg war wahnsinnig turbulent und die Pandemie nur einer von vielen Faktoren, die das kalte Wasser zu einer stürmischen See machten. Die wichtigste Stütze ist mein Team, das sich vom ersten Tag an auf mich als Person und auf meine Impulse eingelassen hat. Das rechne ich ihnen hoch an in einem so schwierigen Jahr wie 2020, das auch ihnen bereits viel Veränderung abverlangt hat. 
Gerade in einer Branche, die von Begegnungen lebt, machte der Mangel an Möglichkeiten für persönlichen Austausch das Vernetzen schwierig – insbesondere mit Blick auf externe Stakeholder wie die Medien. Aber weil Jammern über die Dinge, die nicht gehen, nichts bringt, konzentriere ich mich lieber auf das, was geht. Neben den virtuellen Treffen wurde daher der ein oder andere Spaziergang im Freien für ein Kennenlernen zur erfrischenden Alternative. Und auch ein Länderspiel live war inzwischen drin – unter Einhaltung strenger Hygienevorgaben natürlich.
 
news aktuell: Sie sind in diesem Jahr Jury-Vorsitzende unseres PR-Bild Award. Was glauben Sie: Werden die Bildeinreichungen dieses Jahr ernster sein oder gerade anders herum, eher “eskapistischer”? Welche Auswirkungen wird das vergangene Krisenjahr auf die Einreichungen haben?

Mirjam Berle: Die Pandemie hat viele Facetten unserer Gesellschaft und des Miteinanders sichtbarer gemacht – schöne und weniger schöne. Diese Vielfalt werden wir bestimmt in den Einreichungen wiederfinden und einmal mehr begeistert sein davon, was die Kraft der Bildsprache offenlegt.

news aktuell: Stichwort Bild-PR beim DFB: Fußball und die Menschen, also die Sportler, die ihn ausüben, eignen sich geradezu perfekt für visuelles Storytelling. Im Gegensatz zu – sagen wir einem Produkt wie Reifen – sind Bilder von Menschen und noch dazu Menschen in Aktion allerdings viel schwerer zu planen. Spontanität, Zufall und Glück spielen hier wahrscheinlich eine viel größere Rolle, “den richtigen Moment einzufangen”. Was sind die größten Herausforderungen bei der Bild-PR eines Fußballverbands?

Mirjam Berle: Die Bild-PR eines Fußballverbands unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von generellen bildjournalistischen Herausforderungen. Bei der fotojournalistischen Arbeit im Fußball ist die Fotografie stark vom Glück und Zufall abhängig und lässt sich kaum im Voraus planen – berichtete mir unser Fotograf im Team. Umso wichtiger sei bei der dokumentarischen Arbeit die inhaltliche Vorbereitung. Gleichermaßen relevant: das aufmerksame Beobachten von Situationen, gepaart mit einem guten Gespür für Menschen und einer ordentlichen Portion Improvisationsgabe. Wer all dies mitbringt, hat eine hohe Chance, den magischen Moment einzufangen, der ein Bild zur Geschichte macht.

news aktuell: Sie sind auch für die direkte Kommunikation mit den Fans verantwortlich. Fußball lebt sehr stark vom engen Kontakt und der Interaktion mit den Fans, Fußballspiele von den Emotionen der Zuschauer. Hier entstehen mitunter die wirkungsstärksten Bilder. Doch Corona-bedingt gab und gibt es schon seit einem Jahr “Geisterspiele” und Kontakt zu Fans fanden und finden nicht statt. Wie sind Sie mit dieser Herausforderung umgegangen?

Mirjam Berle: Fans sind ein integraler Teil des Fußballs – umso schmerzlicher fehlen sie in den Stadien. Auch die Fanarbeit vor Ort leidet sehr unter dem Mangel an persönlicher Nähe, denn die Arbeit mit Fans ist Beziehungsarbeit und lebt von Kommunikation und Interaktion. Gerade zu Beginn der Pandemie, als der Spielbetrieb ausgesetzt wurde, gab es starken Informationsbedarf seitens Fans und Vereinen. Die Begegnung bei den Spielen brach von heute auf morgen weg und machte Austausch und Fanarbeit schwieriger. Daher bieten wir, neben unseren Austauschformaten mit Fanorganisationen, auch den Fanbeauftragten und Fanprojekten regelmäßig Angebote zum Austausch über digitale Möglichkeiten, wenngleich wir damit an die positive Kraft der persönlichen Begegnung bei weitem nicht herankommen. Umso mehr hoffen wir mit den Fans, dass sie bald in die Stadien und zur persönlichen Fanarbeit vor Ort zurückkehren können.

news aktuell: Abschließend noch eine persönliche Frage: Welches “Fußball-Foto” hat Sie bisher am meisten beeindruckt bzw. ist Ihnen bis heute im Kopf hängengeblieben?

Mirjam Berle: Es war Wolfgang Rattays Fußballmotiv „Selfie mit Papp-Fans“, weil es auf besondere Weise verdeutlicht, wie schmerzlich die Fans in den Stadien fehlen. 

Noch bis zum 11. Juni 2021 könnt Ihr euch beim PR-Bild Award bewerben. Habt Ihr tolle Motive, die einen Preis verdient hätten? Dann könnt Ihr hier Eure Bilder hochladen.

Wolfgang Rattay Selfie Pappfans
Selfie Pappfans Foto: Wolfgang Rattay

Interview: Beatrix Ta

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