#prba20 – Ein Gespräch über das Elternsein

Bild, Radio, Video - 21. Aug 20

Das Gefühl von Versagen, das uns durch idealisierte Bilder im Social Web oder der Werbung befällt, kennen viele. Besonders frischgebackene Eltern werden oftmals in eine Rolle gedrängt, die sie so gar nicht einnehmen möchten. Um dem etwas entgegenzusetzen, hat das Unternehmen WaterWipes Elternpaare im ersten Jahr ihrer Elternschaft begleitet und das Elternsein nah und ungeschönt dokumentiert. Ein Bild der Kampagne, eingereicht durch die PR-Agentur Golin, hat es auf die Shortlist des PR-Bild Award 2020 geschafft. Wir haben mit Uta Schwaner, Managing Director von Golin Germany, über die Kampagne #Elternsein und darüber wie Fotograf*innen mit einer so besonderen Situation umgehen, gesprochen.

Uta Schwaner, Managing Director von Golin Germany.

news aktuell: Das Bild "#This is parenthood/ #Elternsein" hat es auf die Shortlist des diesjährigen PR-Bild Award geschafft. Wie ist das Bild bzw. die Idee zu diesem Bild entstanden? Welche Geschichte erzählt das Bild? 

Schwaner: Wir zeigen mit der Kampagne #Elternsein die vollkommen unvollkommene Welt der Elternschaft – mit allen Freuden, Glücksgefühlen, Anstrengungen, Überforderungen und Überraschungen. Das Bild zeigt diese Offenheit gegenüber allen möglichen Gefühlen als Eltern, ohne Bewertung und auch ohne Beschönigung. 

Ziel ist es, idealisierten Bildern in den sozialen Medien und der Werbung sowie Unehrlichkeit im Austausch mit anderen Eltern oder auch einseitigen Kindererziehungsratgebern etwas entgegenzustellen. Denn wir wissen aus einer eigenen weltweiten Studie, dass diese Formen der Idealisierung dazu beitragen, dass mehr als die Hälfte aller befragten Eltern das Gefühl haben, im ersten Jahr mit ihrem Baby zu versagen (55 Prozent). In Deutschland teilt jede zweite Mutter dieses Gefühl (52 Prozent) weitaus mehr als die Väter (35 Prozent). Deshalb dokumentiert WaterWipes echte Eltern aus aller Welt während ihres ersten Jahres der Elternschaft – mit allen Höhen und Tiefen. 

news aktuell: Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Produktion des Bildes? 

Schwaner: Mit dem dokumentarischen Ansatz im Film und der Fotografie der #Elternsein-Kampagne zeigen wir die Elternschaft ungefiltert, und so war die Besetzung mit realen Eltern entscheidend. Wir suchten Eltern, die sich dabei wohlfühlen, sich offen und in allen Momenten ehrlich zu zeigen und diese durchaus intime Erfahrung zu teilen. Wir nutzten Streetcastings und soziale Medien und fanden insgesamt 86 Eltern. Wir zeigen Familien aus der ganzen Welt, um eine vielfältige Mischung von Erfahrungen, Kulturen, Familienformen und Perspektiven zu repräsentieren. 

Jeder Fotograf fotografierte ausschließlich mit Umgebungslicht. Es gab kein Licht Set-up, keine Fotoassistenten, Stylisten, Friseure oder Make-up-Teams – so konnten ungestellte Momente einfangen werden, die wirklich authentisch und echte Situationen des täglichen Lebens waren. Eine natürliche Farbbalance wurde für den Zusammenhalt aller Bilder angewandt. Minimale Nachbearbeitungen wurden nur bei einigen Bildern vorgenommen, wenn dies rechtlich notwendig war. 

news aktuell: Wo haben Sie das Bild veröffentlicht und welche Resonanz hat es gegeben? Wie haben die Medien reagiert, wie die Öffentlichkeit? 

Schwaner: Die Kampagne lief weltweit in Großbritannien, Irland, den USA, Kanada, Frankreich, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Australien & Neuseeland und eben auch in Deutschland. Die Kampagnenbilder wurden erstmals im April 2019 auf Facebook, Instagram & YouTube veröffentlicht und auch in der Medienarbeit eingesetzt. 

Über diese Bilder das Thema der Versagensängste zu kommunizieren, war ein sehr wichtiger Start für viele Diskussionen direkt mit Eltern auf unseren eigenen Social-Media-Kanälen, mit vielen Stakeholdern und Medienpartnern. Die Resonanz war überwältigend, denn mit dem Thema haben wir eine sehr wichtige Diskussion angestoßen und konnten dafür sorgen, dass Eltern diesen Druck von Perfektionismus abschütteln können und sich mit ihren Zweifeln und Fragen weniger alleingelassen fühlen. 

Quantitativ können wir sagen, dass wir weltweit im ersten Jahr 1,7 Milliarden Eltern erreicht haben und sich die Bekanntheit der Marke mit ihrer Mission bei Eltern nachweisbar erhöht hat. 

news aktuell: Sie nutzen das Social Web für Ihre Bild-PR. Welche Kanäle bedienen Sie denn mit welchem Content? 

Schwaner: WaterWipes zeigt authentisch das Leben von Eltern auf allen Kanälen gleich. Auf unseren Social Media-Kanälen Facebook und Instagram und in der gesamten PR-Arbeit. 

news aktuell: Was würden Sie anderen Unternehmern bei der Umsetzung und Konzeption von PR-Bildern empfehlen? Was sollten sie unbedingt beachten, was vermeiden? 

Schwaner: Bilder sind mächtig – sie sind nicht nur beschreibend, sie prägen auch Einstellungen, das, was ich als „normal“ einschätze. Wenn wir uns zum Beispiel für mehr Diversität einsetzen wollen, dann müssen wir sie auch zeigen. Wenn wir Stereotype aufbrechen wollen, dann müssen wir diese Ambition auch entsprechend bebildern und z.B. nicht weiterhin ausschließlich weiße Männer in Anzügen als Symbol für Führung nutzen.

Interview: Nicola Wohlert

Haben Sie schon für die besten PR-Bilder des Jahres abgestimmt? Falls nicht, dann unbedingt noch voten. Noch bis zum 02. Oktober ist das Voting geöffnet: https://www.pr-bild-award.de/voting/

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