#prba20: Ein Augenblick von Kindheit im Krieg

Bild, Radio, Video - 18. Sep 20

Ein Bild, das Aufwachsen im Krieg als Normalität zeigt und trotzdem Hoffnung macht: Die SOS-Kinderdörfer haben es damit beim PR-Bild Award 2020 auf die Shortlist geschafft. Eingereicht hat es Katharina Ebel, Leitung Content/Editor in Chief bei den SOS-Kinderdörfern. Mit ihr sprachen wir über Kindheit in Kriegsgebieten, die Widerstandskraft aber auch Verwundbarkeit von Kindern, die unter solchen Bedingungen aufwachsen müssen, und wie schmal der Grat ist bei Bildern mit Kindern im NGO-Bereich. 

news aktuell: Ein trauriges Bild, das aber auch Hoffnung macht. Wo ist das Bild entstanden und was genau ist darauf zu sehen? 

Katharina Ebel: Das Bild ist in Aleppo entstanden auf einer Projektreise 2019. Als wir durch den zerstörten Ostteil der Stadt fuhren, waren da die Kinder, die abends inmitten der Zerstörung spielten, als würden die Trümmer sie nicht weiter stören oder interessieren. Für sie war es Normalität. Was nicht normal war für sie, war Fremde zu sehen. Denn Aleppo wird seit vielen Jahren selten von Ausländern besucht. 

Foto: SOS-Kinderdörfer weltweit / Alea Horst

news aktuell: Welche Geschichte erzählt das Bild? 

Katharina Ebel: Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Das Bild erzählt aus meiner Sicht eine Geschichte vom Aufwachsen im Krieg. Es erzählt von der Unbefangenheit von Kindern, die solche Szenen um sie herum auch einfach vergessen können oder als ihre Normalität annehmen. Ich denke, der Knirps auf dem Bild macht deutlich wie widerstandsfähig Kinder sein können, aber auch wie verwundbar angesichts eines solchen Ausmaßes an Zerstörung und Gewalt. Das Bild gibt wahrscheinlich auch eine Ahnung, wie die Zukunft eines Kindes unter solchen Umständen aussehen wird und wie stark jemand sein muss, um dort aufzuwachsen.  

news aktuell: Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Produktion des Bildes? 

Katharina Ebel: Das Bild ist spontan entstanden. Während ich mit den Kindern gespielt habe, hat die Fotografin den Augenblick festgehalten.

Foto: SOS-Kinderdörfer weltweit / Alea Horst

news aktuell: Fotos von Kinder im NGO-Bereich stehen nicht selten in der Kritik, das Elend für Spendenzwecke zu instrumentalisieren. Wie schafft man es, auf Missstände hinzuweisen, ohne die Betroffenen zu entwürdigen, aber gleichzeitig die Brisanz ihrer Situation zu verdeutlichen? 

Katharina Ebel: Ich denke nicht, dass dieses Bild die Zurschaustellung von Elend ist. Aber es zeigt deutlich die Zerstörung und die Realität, in der die Kinder in Syrien aufwachsen. Der Grat ist schmal, aber hier waren die Kinder in ihrem Element. Sie haben gespielt und gingen zum Schluss nach Hause. Es ist keine Überdramatisierung der Lage, bei der solange gewartet wird, bis alle Elendsfaktoren zusammenkommen. Ich denke, hier hat man einfach einen Augenblick von Kindheit im Krieg eingefangen. 

Interview: Nicola Wohlert

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