#prba19 - Die letzte gelbe Telefonzelle oder das Ende einer Ära

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Die Jüngeren unter uns können sich zwar an die gelben Telefonhäuschen erinnern, wirklich genutzt haben sie jedoch nur noch die wenigsten. Mit dem Foto „Die letzte gelbe Telefonzelle“ schaffte es die Deutsche Telekom auf die diesjährige Shortlist des PR-Bild Award. Das Foto dokumentiert auf anschauliche Weise das Ende einer Ära. Im Gespräch mit Fotograf Markus Jodl erfahren wir, was den Abbau der letzten gelben Telefonzelle so besonders macht und warum die Telekom damit eine "Sack-zu-Geschichte" erzählen wollte. 

Markus Jodl, Leiter Kommunikation Integrierte Netzstrategie. Foto: Telekom

news aktuell: Wo ist dieses außergewöhnliche Bild entstanden und welche Geschichte verbirgt sich dahinter?

Jodl: Das Bild ist beim Abtransport einer „TelH78“, der legendären gelben Telefonzelle, auf dem Königsee entstanden. Es war das letzte gelbe Telefonhäuschen dieses Typs in unserem Netz. Die meisten Deutschen haben, wenn sie von einer Telefonzelle sprechen, diesen speziellen Telefonzellen-Typ vor ihrem geistigen Auge. Deshalb war der Abbau etwas ganz Besonderes.

news aktuell: Wie kommt es, dass viele Telefonzellen in Deutschland lange Zeit gelb waren? Wann und warum hat sich das geändert?

Jodl: Ab 1932 war die Gestaltung normiert, aber erst ab 1946 waren die Telefonzellen alle gelb. Die ersten gelben Kunststoffhäuschen wurden 1978 aufgestellt. 50 Jahre später, etwa ab Mitte der 1990er-Jahre, wurden die Telefonzellen nach und nach in den Telekomfarben weiß-grau-magenta gestaltet.

Eine Traumkulisse auf dem letzten Transport. Foto: Markus Jodl

news aktuell: Warum wurde die letzte gelbe Telefonzelle gerade jetzt abgebaut?

Jodl: Die Bedeutung der Telefonzelle hat mit dem Hausanschluss und dem Siegeszug des Handys abgenommen. Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens einen Hausanschluss und ein Handy. Die Notwendigkeit für öffentliche Telefonzellen hat dementsprechend abgenommen. Der Abbau läuft schon seit Jahren. Es war deshalb nur eine logische Konsequenz, dass irgendwann die letzte TelH78 an der Reihe ist. Ich habe auf diesen Augenblick gewartet. Schon seit zwei Jahren.

news aktuell: Was passiert nun mit dem Telefonhäuschen? Wird es zur Erinnerung ausgestellt?

Jodl: Früher wurden ausgemusterte Telefonhäuschen als Ersatzteillager genutzt. Die Notwendigkeit entfällt, weil der Typ nicht mehr gebraucht wird. Das Telefonhäuschen wurde fachgerecht entsorgt. Kommunikationsmuseen haben allerdings, wo Bedarf bestand, solche gelben Telefonhäuschen schon als Ausstellungsstück im Bestand.

Das gelbe Telefonhäuschen wird ausgebaut und abtransportiert. Foto: Markus Jodl

news aktuell: Sie haben die Geschichte der letzten gelben Telefonzelle in einem Video und auf Bildern dokumentiert und begleitet. Woher kam die Idee zum Storytelling und wie waren die Reaktionen in den Medien?

Jodl: Das Verschwinden von Telefonzellen ist ein Lieblingsthema von Lokaljournalisten. Früher wurde in der Saurengurkenzeit das Blatt mit einem Lamento über das Sterben der Tante-Emma-Läden gefüllt. Heute ist die Telefonzelle an diese Stelle getreten. Für die Telekom hat das Thema keine strategische Bedeutung. Telefonzellen-Anfragen sind Zeitfresser, die von der eigentlichen Arbeit abhalten. Der Journalist weiß, dass, wenn er Telefonzelle schreibt, im Kopf des Lesers sofort eine gelbe Telefonzelle erscheint. Eine TelH78. Ohne die gelbe Telefonzelle funktioniert die Geschichte nicht gut.

Wir wollten den "letzten Abbau" PR-mäßig begleiten, um einer weiteren Berichterstattung über das Telefonzellen-Sterben das Wasser abzugraben. Wir wollten eine „Sack -zu-Geschichte" erzählen. Und das ist auch gelungen. Die Geschichte tauchte in fast allen wichtigen Medien auf. TV-Sender wie ZDF, RTL und Bayerischer Rundfunk griffen auf das Video-Material zurück. Online-Plattformen wie Spiegel Online banden das Video auf ihren Seiten ein, Tageszeitungen wie FAZ und SZ nutzten die bereitgestellten Bilder und den Blog-Text. Die Anfragen zu Telefonzellen hat sich seitdem deutlich reduziert.

Eine "Sack-zu-Geschichte": Die letzte gelbe Telefonzelle wird per Fähre abtransportiert. Foto: Markus Jodl

news aktuell: Viele jüngere Menschen kennen Telefonzellen vor allem aus stimmungsvollen Erzählungen oder alten Filmen. Was verbinden Sie persönlich mit dieser besonderen Art der Kommunikation?

Jodl: Ich bin mit den gelben Telefonhäuschen aufgewachsen. Ich vermisse sie nicht. Mir ist mein Smartphone lieber. Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie es wäre, auf Dienstreisen auf Telefonzellen angewiesen zu sein.

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