Fair first: Neues Social-Media-Netzwerk SUBS aus Deutschland

Social Media - 04. Nov 20

Sie beschreiben sich selbst als "Spagat zwischen YouTube und Instagram". Das Münchner Startup SUBS will die europäische Alternative zu den großen US-Social-Media-Platzhirschen werden. Kevin Gallas Mayer und seine Verlobte Jessica haben das neue soziale Netzwerk in diesem Frühjahr gelauncht. Ihr Ziel ist ein hehres, denn sie wollen ganz ohne Werbung und Nutzerdaten erfolgreich werden. Und darüber hinaus etwas für die Umwelt tun. Inzwischen haben sie bereits rund 12.500 Nutzer. Wir sprachen mit Kevin über ihre Motivation, ihr Geschäftsmodell und die aktuellen Herausforderungen. 

SUBS-Gründer Kevin Gallas Mayer und Jessica Matijévic. Foto: SUBS.TV 

news aktuell: Wie seid ihr auf die Idee von SUBS gekommen? Was war eure Motivation, euer "Why"? Nicht nur, "zuckerfrei" zu sein, oder?

Kevin: Danke für die Fragen, Beatrix. Es fällt immer leichter über Innovation zu sprechen, wenn man das Problem im Voraus genauer erläutert. 3,6 Milliarden Menschen nutzen soziale Netzwerke durchschnittlich 2,5 Stunden täglich. Und als wir realisierten, dass Social-Media-Dienste auch in Zukunft noch eine relevante Rolle spielen werden, mussten wir uns auch eingestehen, dass der Status quo nicht in Ordnung ist: 

- das Geschäft mit "Targeted Ads“ und personalisierter Werbung setzt einen gläsernen Kunden voraus, was Nutzern weltweit ihre Privatsphäre im Web kostet. 
- das Monetisieren von Reichweite stellt Content Creators in Konkurrenz zu den eigenen Plattformen, was zu einem Interessenkonflikt und der Reduzierung organischer Reichweite führt
- das Phänomen unendlicher Fake Profile, Social Bots und Click Farms verursacht Milliarden Verluste für Werbetreibende durch Click-Fraud. Und das damit verbundene Potential zur Massenmanipulation durch Fake News stellt eine potentielle Bedrohung unserer Demokratie dar, wie bereits häufiger berichtet wurde.

Mit SUBS möchten wir ein faires soziales Netzwerk schaffen und eine europäische Alternative zu den US-Monopolen etablieren. Hierbei richten wir uns perfekt auf die Bedürfnisse von Content Creators aus und können die Privatsphäre der Nutzer langfristig schützen. Dafür lösen wir den Interessenkonflikt und die Notwendigkeit eines gläsernen Kunden auf, indem wir ein innovatives Geschäftsmodell verfolgen. Der Vergleich des „Spagats zwischen YouTube und Instagram“ kommt aus unserer Philosophie heraus, auf SUBS die Inhalte und ihre Creators stets in den Vordergrund zu stellen. Niemand geht auf soziale Netzwerke, um Werbung zu sehen. Man möchte die nutzergenerierten Inhalte von Freunden, Familie und liebsten Creators betrachten. Deshalb ist SUBS sowohl für Bilder als auch Videos, in Hoch- & Querformat designed, als Posts & Stories.

news aktuell: Könnt ihr euer Geschäftsmodell bisschen genauer erklären, am besten anhand von konkreten Beispielen?

Kevin: Wir werden Creators helfen, ihre Inhalte und Reichweite zu monetarisieren. Wie genau das passieren wird, ist noch ein Betriebsgeheimnis. Denn damit es funktioniert, muss unsere Community erst eine gewisse Größe erreicht haben. Deshalb fokussieren wir uns zur Zeit vor allem auf das Wachstum einer verifizierten Community. Die freiwillige Verifizierung löst andere anonymitäts-bedingte Probleme über die bereits häufiger berichtet wurde, wie z.B. illegale sexuelle Belästigung (zumeist gegenüber Frauen im Chat), illegale Hate Speech (zumeist gegenüber Minderheiten) oder illegale Morddrohungen (zumeist gegenüber Politikern). Das alles eliminieren wir auf SUBS, indem wir verifizierten Mitgliedern ermöglichen, bestimmte Kontaktschnittstellen auf andere verifizierte Mitglieder zu beschränken, wie z.B. Direktnachrichten und Kommentare.

news aktuell: Wie ist eure Entwicklung seit Launch im März, was Inhalte, User, etc. betrifft? Könnt ihr da ein paar Zahlen/Daten erzählen?

Kevin: Seit Anfang des Jahres ist unsere Community auf mehr als 12,5 Tausend Mitglieder gewachsen. Täglich werden hunderte Inhalte geteilt, welche tausende Male betrachtet werden. Über 1200 Mitglieder haben sich auf SUBS verifiziert und damit über 1200 Bäume für eine CO2-neutrale Nutzung von SUBS gespendet. Wir sind sehr glücklich und stolz über die bisherige Entwicklung. 

news aktuell: Welche Features gibt es bisher und welche sind in der nächsten Zukunft geplant? Wollt ihr uns dazu bisschen was verraten?

Kevin: Wir waren in unserem bisherigen Vorgehen recht wissenschaftlich und haben versucht, anhand minimaler Produkte und Tests die wichtigsten Features für den Start herauszufiltern. Jedoch ist die Zielgruppe durch die vorhandenen jahrzehntealten Social-Media-Giganten recht verwöhnt was Features angeht. Ein MVP bedarf hier mehr Features als in manch anderer Branche. Vor allem weil wir nicht nur „ein Feature“ sein wollen, welches schnell von den Tausenden Entwicklern Facebooks kopiert werden kann wie bei den Snapchat Stories, sondern eine Alternative bieten möchten. Unser bisheriges Featureset beschränkt sich vor allem auf die wichtigsten Inhalte-basierenden und Community-aufbauenden Funktionen. Wir haben aber bereits dutzende Features in der Pipeline, welche Kommunikation und Austausch noch weiter stärken werden. 

news aktuell: So ein Start ist ja oft mit vielen Herausforderungen - nicht nur technischer Natur - verbunden. Was waren denn bei euch bisher die größten und welche sind es momentan?

Kevin: Tatsächlich haben wir die Plattform parallel zum Ausbruch der Corona Krise gelauncht. Das hat natürlich auch uns viele Probleme bereitet, und wir mussten mit dem Team gemeinsam eine Überlebensstrategie aufstellen. Aber das hat auch ungeahnte Möglichkeiten geschaffen, so haben wir mehrmals wöchentlich „virtuelle Community Meet-ups“ veranstaltet, um zwischenmenschliche Interaktionen während der Zeit des Social Distancing zu fördern. 

news aktuell: Was macht ihr, um bekannter zu werden? Wie schaut euer Marketing und eure Kommunikation bisher aus?

Kevin: Wir haben noch keinen Cent für Werbung ausgegeben. Unsere gesamte Community ist bisher allein von Mund zu Mund zufriedener Mitglieder gewachsen. So wurde SUBS bereits über 1700 mal durch Mitglieder in anderen sozialen Netzwerken geteilt und beworben. Wir glauben, das kommt aus dem Wunsch für eine faire europäische Social-Media-Alternative und unserer innigen Kommunikation mit unseren Mitgliedern hervor. Jeder kann uns in SUBS direkt anschreiben unter @jessi oder @kev.

news aktuell: Bisher sind vor allem (Profi wie Hobby)-Fotografen und Models auf SUBS. Für wen ist euer Netzwerk außerdem gedacht? Wäre es etwa auch für Unternehmen und ihre Inhalte interessant?

Kevin: Die Fotografen und Models Community hat sich aus einem einzigen Fotografen heraus gebildet. Über Mund zu Mund, total ungeplant. Aber wir hätten uns keine besseren Early Adopters wünschen können. Sie erstellen wöchentlich wundervolle Inhalte, sind miteinander gut vernetzt und bauen gerne ihr eigenes Netzwerk aus. Außerdem ist die Foto Community mit allen anderen Content Communities verbunden, eben mit allem was man fotografieren kann. Wir erinnern an dieser Stelle gerne daran, dass Instagram anfangs nur aus Katzen- & Essen-Fotos bestand.

Wir haben SUBS aber natürlich für alle Content Creators gemacht und für alle anderen, die gerne deren Inhalte betrachten. Und es sind bereits vereinzelt Sänger, Tänzer, Künstler und ganz viele normale Mitglieder drauf, diese teilen aber weniger und konsumieren stattdessen mehr (im Vergleich: Lediglich 1 Prozent der YouTube-Nutzer veröffentlichen Videos). SUBS ist für alle gedacht. Nur so werden wir eine echte Alternative schaffen können.

Interview: Beatrix Ta 

Ihr Kommentar

Newsletter abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und erhalten immer die neuesten Updates rund um das Thema Kommunikation (max. 2/Monat).

Sicherheitsfrage