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#RoadToTokyo: Mareike Miller über die Ehrung zur Para-Mannschaft des Jahrzehnts

Road to Tokyo - 04. Dez 20

Die Nationalmannschaft der Rollstuhl-Basketballerinnen ist vergangenes Wochenende zur Para-Mannschaft des Jahrzehnts gewählt worden. An der Abstimmung des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) beteiligten sich im November über 10.000 Menschen. Mareike Miller hat sich ein paar Gedanken über die Ehrung gemacht. Die Account-Managerin bei news aktuell spielt seit 2010 in der deutschen Nationalmannschaft der Rollstuhlbasketballerinnen.

Mareike Miller news aktuell Acount-Managerin und Rollstuhlbasketballerin
Mareike Miller, Account-Managerin bei news aktuell

Ausgerechnet in diesem schwierigen Jahr 2020, in dem auch der Sport sehr viel zurückstecken musste und muss, die Wettkämpfe größtenteils ausfallen oder verschoben werden, ist nun die Zeit wie nie zuvor dafür da, zurückzublicken. Denn nur weil es 2020 weniger Wettkämpfe und somit weniger erbrachte Erfolge in diesem Jahr gibt, heißt es ja nicht, dass der Sport keine erfolgreichen Sportler hat. 

So oder so ähnlich dachten es sich wohl auch die Mehrheit der Sportverbände und Medien, als sie kurzerhand entschieden, anstatt der diesjährigen erfolgreichsten Sportler, die Sportler, Sportlerin und Mannschaft des Jahrzehnts zu küren. Das ist gerade jetzt auch deshalb ein wichtiges Zeichen, weil es nun einmal keine Absage, sondern vielmehr ein besonderes Highlight zu vermelden gibt. Es ermöglicht den Sportlern, über den Tellerrand des frustrierenden Heimtrainings hinauszublicken und sorgt für zusätzliche Motivation, entsprechende Erfolge erneut oder bald erstmals zu erleben. Dieser Schimmer Hoffnung und Vorfreude kann Berge versetzen für die Leistungsfähigkeit.

Was sind schon zehn Jahre?!

Ein Jahrzehnt hört sich nach einer halben Ewigkeit an. Letztendlich ist es im Durchschnitt gerade einmal ein knappes Achtel der Lebenszeit. Für eine Sportlerkarriere ist es meistens jedoch viel mehr. Aufgrund der enormen körperlichen Belastungen im Leistungssport gibt es sehr viele Ausnahmetalente, die Mitte 20 oder allerspätestens Mitte 30 ihre Karriere beenden. Meist haben sie zuvor wenige Jahre an der Weltspitze konkurrieren können.

Michael Phelps, der überragende Schwimmer aus den USA, der es bereits mit 15 Jahren zu seinen ersten olympischen Spielen schaffte, beendete so zum Beispiel zunächst mit 27 Jahren nach den Olympischen Spielen 2012 seine Karriere. Nach zwei Jahren Pause nahm er 2014 diese zwar noch einmal für zwei Jahre auf, am Ende kommt er so jedoch immer noch „nur“ auf knapp eineinhalb Jahrzehnte. 

Wenn man sich aber diesen Zeitraum in der Jahresbetrachtung anschaut, können diese 14 einzelnen Jahre mit ihren jeweiligen sportlichen Höhepunkten wirklich lang sein. Gerade Sportler, die jedes Jahr von Wettkampf zu Wettkampf oder Spiel zu Spiel denken sollen, nehmen diese Jahre sehr intensiv wahr. Zudem steht immer das Nächste wieder an, sodass sich viele kaum Zeit nehmen, zurückzublicken. Zwar genießt natürlich jeder eine Goldmedaille bei den Olympischen oder Paralympischen Spielen mit Freunden und Familie oder gönnt sich auch einmal eine kurze Auszeit. Dennoch ist nie genug Zeit, um so richtig zu begreifen und zu verstehen, was der ein oder andere Erfolg eigentlich bedeutet. 

Im Rückblick geben Niederlagen Sinn

Bei den Erinnerungen, gerade über diese längere Zeit hinweg, tauchen natürlich nicht nur Erfolge, sondern auch einige Niederlagen auf. Allerdings wird einem im Rückblick erst bewusst, dass man es geschafft hat, z.B. aus einer äußerst knappen WM-Niederlage 2010, die Kraft für eine EM- und Paralympics-Goldmedaille 2011 und 2012 zu ziehen – und das ist dann besonders schön. Das Zurückschauen auf einen längeren Zeitraum macht einem erst klar, welchen Ehrgeiz und welche Energie es gefordert hat, um gerade auch als Team über sich hinauszuwachsen. Die Überzeugung und Motivation, sich gegenseitig zu besonderen Leistungen zu beflügeln, ist eine einzigartige Erfahrung, die auch in vielen anderen Bereichen des Lebens über das Jahrzehnt hinaus helfen kann. 

Für mich persönlich ist es dabei etwas ganz Besonderes, dass ich das Jahrzehnt und mein Debüt bei der Weltmeisterschaft 2010 mit einer bereits sehr erfolgreichen Mannschaft beginnen durfte. Bis heute mit der leider vertagten Vorbereitung auf Tokio 2020 ein Teil der Para-Mannschaft des Jahrzehnts geworden zu sein, ist eine außergewöhnliche Ehre, die es mir und meiner Teamkameradin Maya ermöglicht, viele schöne Momente noch einmal in diesem Interview Revue passieren zu lassen:

Das Jahr 2021, der Anbruch eines neuen Jahrzehnts, starten wir nun voller neuer Energie und mit der Hoffnung auf die Paralympischen Spiele 2021 in Tokio. Der Sommer ist noch lang hin und viel kann passieren. Ich hoffe aber sehr, dass die #RoadtoTokyo nun entsprechend verzögert endlich wieder in vollen Zügen Fahrt aufnehmen kann, sodass wir sehr bald wieder auf der größten Bühne der Welt für den paralympischen Sport um die 15. Medaille in Folge der Rollstuhlbasketball Damen kämpfen können.

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