Behind the scenes Paralympisches Dorf Tokyo 2020 Foto: jezael melgoza / unsplash

Leben im Paralympischen Dorf

Road to Tokyo - 20. Feb 20

Die Teilnehmer der Paralympischen Spiele leben oft für mehrere Wochen, wie auch die Teilnehmer der Olympischen Spiele, abgeschottet von der Öffentlichkeit in einem eigenen Dorf. Nur selten gibt es Einblicke in diese Übergangsheimat der Athleten: Wie leben die Sportler im Paralympischen Dorf und wie sieht ihr Alltag aus? Ein Blick hinter die Kulissen von und mit Mareike Miller.

Mareike Miller Account Manager news aktuell
Mareike Miller, Account Managerin bei news aktuell

Ein Blick zurück auf die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro: Bereits nach der Landung erwartete uns die erste Herausforderung. Unser Flug bestand nur aus Mitgliedern der Deutschen Paralympischen Mannschaft – und jeder hatte den gleichen Koffer dabei. Es war ein sehr amüsantes Bild mit hunderten identischen Taschen am Flughafen. Einige Stunden später hatten dann aber alle ihren Koffer wiedergefunden und wir konnten schließlich weiterreisen zum Paralympischen Dorf.

Paralymische Spiele. Koffersuche am Flughafen in Rio de Janeiro. Foto: Mareike Miller
Gar nicht so einfach: Koffersuche am Flughafen in Rio de Janeiro. Foto: Mareike Miller

Das Paralympische Athletendorf, bis drei Wochen zuvor noch das Olympische Dorf, ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Athleten und Betreuer wohnen hier meist bis zu einem Monat. Die Lage des Dorfes kann stark variieren: Bei den Spielen in London 2012 lag es direkt in der Stadt, vier Jahre später in Rio de Janeiro etwas außerhalb. Die Athleten freuen sich vor allem über ein gemütliches Apartment, eine große Speisehalle und diverse Freizeitangebote. Die Lage spielt lediglich bei der Anfahrt zu Wettkampf- und Trainingsstätten eine Rolle. Sightseeing ist kaum möglich, denn die Teilnahme an den Spielen nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch. Im Rollstuhlbasketball zum Beispiel finden oft acht Spiele in neun Tagen statt. Tägliches Training, Physiotherapie, Videoanalysen, Mahlzeiten, Schlaf sowie Fahrtwege von und zu den Sportstätten sorgen dafür, dass Athleten kaum Zeit für sonstige Aktivitäten haben.

Die Apartments sind meist nach den regionalen Standards gebaut und können – von modernen Hochhäusern in Tokio (mit sehr kleinen Räumen) zu 3-stöckigen Häusern mit etwas verbauten Wohnungen in London – sehr variieren. Die Einrichtung beschränkt sich meist auf das Nötigste: ein Schrank, ein Bett und im Idealfall ein Nachttisch. Das Wohnzimmer hat meist noch ein Sofa. Die Größe des Wohn- und Gemeinschaftszimmers variiert jedoch stark: Während in London und Rio Meetings und Spieleabende mit ganzer Mannschaft (bei uns z.B. ca. 17 Personen) möglich waren, müssen in Tokio voraussichtlich zusätzliche Räume angemietet werden. 

Paralympische Spiele: Die Unterkünfte sind für die Sportler mit den wichtigsten Dingen eingerichtet: Bett, Schrank und Nachttisch. Foto: Mareike Miller
Die Unterkünfte sind für die Sportler mit den wichtigsten Dingen eingerichtet: Bett, Schrank und Nachttisch. Foto: Mareike Miller

Grundsätzlich bietet das Dorf aber viele Extras, die den Aufenthalt verschönern. Die Anlage ist im Grunde wie eine eigene kleine Stadt: Ein Café, Services wie eine Post oder kleine Läden decken auch spontane Bedürfnisse. Eigentlich müssten sich Athleten durch die gute Ausstattung gar nicht mehr aus dem Dorf begeben (einmal abgesehen von Treffen mit Freunden und Familie oder den Wettkämpfen). Auf der einen Seite ist dies komfortabel, weil sich die Athleten fokussieren können und Ablenkungen bewusst vor oder nach dem Wettkampf steuern können. Andererseits sorgt es aber dafür, dass man als Athlet oft nicht die tolle Atmosphäre der verschiedenen Wettkampfstätten miterleben kann.

Das Paralympische Dorf und seine Speisehalle bieten viel Raum für gute Gespräche, Freizeitaktivitäten und interkulturellen Austausch. Foto: Mareike Miller
Das Paralympische Dorf und seine Speisehalle bieten viel Raum für gute Gespräche, Freizeitaktivitäten und interkulturellen Austausch. Foto: Mareike Miller

Dank der vielen Gemeinschaftsräume kommen Athleten aus allen Ländern in den Austausch. Wie sehr die Gespräche vertieft werden, hängt von Tageszeit, Zeitpunkt im Wettbewerb und von den unterschiedlichen Persönlichkeiten an. Über mehrere Wochen Tür an Tür mit den anderen Athleten führt aber dazu, dass es quasi unmöglich ist, sich gar nicht auszutauschen. In London 2012 hat unser Team einige Abende Karaoke gesungen. Dadurch kamen unsere Nachbarn ab und zu vorbei oder beschwerten sich, wenn wir zu schief sangen. Seitdem sind einige von uns in Kontakt geblieben und in Rio hatten wir sogar die Gelegenheit, uns gegenseitig in Wettbewerben anzufeuern – ein toller Austausch, durch den wir auch über andere Sportarten und Athleten mehr erfahren und voneinander lernen: Man spürt die Paralympische Verbindung.

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