Interviews richtig geben Tipps

Klare Kante zeigen

Pressesprecherinnen wie Pressesprecher fürchten und lieben sie: Interviews sind die Königsdisziplin der Unternehmenskommunikation. Auf was kommt es bei der Gesprächsführung an? Welche „Fallschirme“ helfen in brenzligen Situationen? Wir haben die wichtigsten Dos and Don`ts für erfolgreiche Interviews zusammengetragen – inklusiv 5 Tipps für digitale Video-Interviews.

Gründlich vorbereiten ist ein Muss

Ob Statement, Interview oder Talkrunde: Eine gute Vorbereitung ist schon die halbe Miete. Man sollte sich keinesfalls unter Zeitdruck setzen lassen und nur Interviews geben, wenn man sich vorbereiten kann. Diese Fragen gilt es vorab zu klären: Wer wird mich interviewen und wer ist die Zielgruppe des Mediums? Was ist der Anlass für das Interview, was möchte der Journalist oder die Journalistin von mir? Wie ist der Stil und die Tonalität des Mediums?

Erst wenn das geklärt ist, geht es um die eigene Positionierung: Was will ich überhaupt vermitteln? Das A und O hierbei: Kenne deine Kernbotschaften! Am besten ist eine schriftliche Vorbereitung – und zwar in kurzen und nachvollziehbaren Sätzen. Bitte keine Bandwürmer und möglichst wenig Anglizismen oder Fachbegriffe. Fakten und Zahlen sollten verinnerlicht werden, denn sie untermauern die Aussagen. Und konkrete Beispiele und Vergleiche machen sie anschaulich.

Üben, üben, üben

Frei und präzise zu sprechen, bedarf viel Übung. Es empfiehlt sich, die Interviewsituation im Vorfeld zu simulieren – auch die unangenehmen Fragen. Welche kritischen Themen könnten aufpoppen? Was ist unsere Position? Wichtig: Klare Haltung beziehen und auf Allgemeinplätze verzichten.

Beim Interview möglichst nur das sagen, was man wirklich meint. Dann passen auch Inhalt, Mimik und Körpersprache zusammen.Klicken, um zu twittern

Es klingt selbstverständlich, ist aber nicht leicht: Während des Interviews das Atmen nicht vergessen und langsam sprechen. Tipp: Kleine Pausen zwischen den Sätzen machen. Das strahlt Souveränität aus. Am allerwichtigsten aber: Authentisch bleiben. Also möglichst nur das sagen, was man wirklich meint. Dann passen auch Inhalt, Mimik und Körpersprache zusammen.

Fallschirme einsetzen

In schwierigen Gesprächssituationen ist es hilfreich, ein paar „Fallschirme“ zu kennen:

  • Persönliche Wertschätzung und Verständnis signalisieren.
  • „Böse Wörter“ aus Fragen oder Vorwürfen nicht aufgreifen.
  • Selbst Impulse setzen, indem man die Frage umdefiniert („Für uns ist jetzt die spannende Frage…“).
  • Gedanken zu Ende bringen und nicht auf jede Unterbrechung reagieren.
  • „Koalitionen“ benennen (andere Unternehmer, Verbände, Parteien…).
  • Weniger über das sprechen, was nicht ist, sondern über das, was ist.
  • Das eigene Unternehmen als „Kümmerer“ darstellen und Erfahrung einbringen (natürlich nur, falls zutreffend!).
  • Blick hinter die Kulissen geben: Was passiert im Team? Welche Gedanken macht man sich? Was wurde schon heftig diskutiert?
  • Nicht 100 Prozent Schönfärberei! Schwächen kurz eingestehen, dann darüber sprechen, was man tut, was gut läuft, welche Perspektiven man hat.
  • Konkrete Beispiele oder Erlebnisse einbringen.
  • Kernbotschaften wiederholen.

5 Tipps für digitale Video-Interviews

 
  1. Immer genügend Zeit für die Technik einplanen. Ist der Rechner am Strom bzw. die Batterie aufgeladen? Funktioniert die Kamera, das Mikrofon und das Internet? Kann man gut auch intern mit Kolleginnen oder Kollegen testen. 
  2. Führt man das Interview von zu Hause, sollten vorab mögliche akustische Störfaktoren ausgeschlossen werden (z.B. Telefone, Handwerker, Hausklingel oder Familienmitglieder).
  3. Für Video-Interviews eignet sich am besten ein ruhiger, eher heller Hintergrund, der nicht ablenkt. Er sollte aber zur interviewten Person passen – sowohl zur Kleidung als auch zur individuellen Persönlichkeit. Viele Programme bieten eine Funktion an, bei der sich der Hintergrund (z.B. das Zimmer) anpassen lässt, beispielsweise mit einem Filter, Weichzeichen oder Motiven. Hier sollte auf unruhige oder gar bewegte Motive verzichtet werden. 
  4. Beim Licht muss es nicht immer die Profiausstattung sein. Auch mit wenig Budget kann man für eine gute Ausleuchtung sorgen: Tageslicht nutzen – und zwar von vorne auf das Gesicht. Optimalerweise noch eine zweite natürliche Lichtquelle von der Seite. Schlecht: Von hinten oder oben. Falls kein oder zu wenig Tageslicht vorhanden ist: mit zwei (nicht zu grellen) Schreibtischlampen arbeiten. Eine gute Lösung ist alternativ eine am oberen Monitorrand angebrachte Ringleuchte, die gleichmäßig ausleuchtet.
  5. Der Bildausschnitt sollte so gewählt werden, dass man selbst möglichst frontal aufgenommen wird. Idealerweise steht die Kamera daher leicht erhöht auf Augenhöhe – dann sind die Augen ungefähr im oberen Drittel des Bildes. Wenn man die integrierte Laptop-Kamera nutzt, kann man den Rechner z.B. auf ein paar dicke Bücher stellen, um die optimale Perspektive zu erhalten.

Autorin: Janina von Jhering

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