Ohne Wenn und Aber

Kommunikation

Der drohende EU-Austritt Großbritanniens, offene Handelskonflikte zwischen den USA und China und eine sich anbahnende Rezession: Die Zeiten für internationale Handelsbeziehungen sind recht turbulent. Umso wichtiger ist eine klare und transparente Positionierung der hiesigen Industrie über die deutschen Grenzen hinweg. Inwiefern internationale Kommunikation dabei eine entscheidende Rolle spielt, erfahren wir von Jobst-Hinrich Wiskow. Er leitet die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI).

Dr. Jobst-Hinrich Wiskow, Leiter der BDI-Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Foto: Christian Kruppa

news aktuell: Sie sind als Bundesverband der Deutschen Industrie das Sprachrohr vieler heterogener Industrien und stehen zwischen Mitgliedern, Politik und Öffentlichkeit/Medien. Was sind die besonderen Herausforderungen für den BDI?

Wiskow: Es braucht eine starke Stimme, die für die gesamte deutsche Industrie spricht. Der Bedarf ist groß, was kein Wunder ist angesichts des ausgezeichneten Rufs der weltweit erfolgreichen deutschen Industrie. Unsere Stärke ist es, als Plattform aus durchaus differierenden Positionen möglichst klare Botschaften zu entwickeln. Das macht die Kommunikation auch schon mal herausfordernd, aber immer unglaublich spannend. Denn der BDI handelt nur dann im Interesse seiner Mitglieder, wenn er aus individuellen Positionen einen Standpunkt für das Ganze formuliert und offensiv vertritt.

news aktuell: Die USA, China, aber auch Großbritannien sind bedeutende Absatzmärkte für die deutsche Industrie. Gleichzeitig bieten die politischen Lagen aus unterschiedlichen Gründen derzeit großes Konfliktpotenzial für den Handel. Was bedeutet das für die internationale Kommunikation? 

Wiskow: Fest steht, dass die eskalierenden Handels- und Währungskonflikte die Unsicherheit in der Wirtschaft vergrößern. Gerade in diesen weltwirtschaftlich stürmischen Zeiten muss der BDI in der Öffentlichkeit klare Kante zeigen. Und das tun wir auch – indem sich der BDI ohne Wenn und Aber gegen Protektionismus und für freien Handel einsetzt. Nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern auch in der Öffentlichkeit. Hier senden wir ganz gezielt unsere Statements in das jeweilige Empfängerland.

news aktuell: Hat sich die Bedeutung internationaler Kommunikation aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert? Welche Trends sehen Sie?

Wiskow: Der BDI hat ganz bewusst in den vergangenen Jahren die Internationalisierung der Pressearbeit ausgebaut. Es gibt seit einigen Jahren in unserer Abteilung eine Pressesprecherin, die sich besonders intensiv um die internationale Kommunikation kümmert. Gerade in unserer Brexit-Kommunikation hat sich der der BDI im Vereinigten Königreich als gefragter Gesprächspartner etabliert. Das sehen wir an zahlreichen Anfragen britischer Medien, etwa der BBC oder der Financial Times. 

news aktuell: Was bringt dem BDI internationale Kommunikation bzw. welchen Nutzen sehen Sie darin?

Wiskow: Die deutsche Wirtschaft ist international so eng verflochten wie kaum eine andere Volkswirtschaft. Politische Entscheidungen in anderen Ländern betreffen schnell, oft sogar sofort, unsere heimischen Unternehmen. Umso wichtiger ist es, dass der BDI im Ausland seine Interessen transparent vertritt und öffentlich wahrgenommen wird. Es geht auch an internationalen Standorten darum, Wohlstand und Arbeitsplätze zu sichern.

news aktuell: Was sind die Kommunikationsanlässe für Ihre internationalen Verarbeitungen? Oder anders gefragt: Welche Themen setzen Sie international? 

Wiskow: Unsere internationale Kommunikation richten wir in erster Linie auf wichtige politische Ereignisse. Nehmen Sie den Brexit oder die America-first-Politik, die unmittelbar das Interesse unserer Unternehmen berühren. Aber wir flankieren auch Auftritte unseres Präsidenten Dieter Kempf und unseres Hauptgeschäftsführers Joachim Lang im Ausland, führen internationale Interviews und laden zu Medienterminen vor Ort.

news aktuell: Wie messen Sie den Erfolg? Welche Kennzahlen ziehen Sie heran?

Wiskow: Das ist leider nicht ganz einfach, weil ein internationales Monitoring kostspielig ist. Was wir aber spüren: Unsere stärkere Präsenz im Ausland führt zu deutlich mehr Anfragen internationaler Medien in der Pressestelle. Uns erreichen mehr Mails und Telefonate, weil Journalisten aus Europa, Amerika und Asien wissen wollen, wie wir in der deutschen Industrie eine neue Nachrichtenlage oder einen aktuellen Trend bewerten. Das Wachstum ausländischer Medienanfragen lag zuletzt immer höher als die Zunahme heimischer Kontakte.

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