Impuls des Monats: Megatrend Emotionale Konnektivität in der BANI-Welt

Work Life - 15. Nov 21

Viele von uns empfinden in diesen Tagen wieder eine zunehmende Überforderung. War die Welt bereits vor der globalen Pandemie komplex, erleben wir seit einiger Zeit ein gestiegenes Maß an Chaos um uns herum. Im Impuls des Monats geht der Philosoph und Autor Jörg Bernardy den Symptomen dieser neuen BANI-Welt nach und erklärt, warum es gerade jetzt um so mehr emotionale Konnektivität braucht. 

Jörg Bernardy Impuls des Monats
Dr. Jörg Bernardy, Autor, Philosoph und Dozent. Foto: Max Baier

Im April 2019 habe ich an dieser Stelle noch über den Siegeszug der Emotionen in der VUCA-Welt und den Megatrend „Emotionale Intelligenz“ geschrieben. Das war vor Corona. Seitdem scheint sich ein neues Paradigma abzuzeichnen. Keine Sorge, unsere Welt ist noch immer komplex, flüchtig, unsicher und mehrdeutig. Dieses Konzept begleitet uns seit den 1980er Jahren und beinhaltet wichtige Leitplanken für die digitale Gesellschaft. Nun aber kommt BANI hinzu, das für diese vier Eigenschaften steht: 

  • B:rittle (brüchig), 
  • A:nxious (ängstlich, besorgt), 
  • N:on-linear (nicht-linear) und 
  • I:ncomprehensible (unbegreiflich) 


Exponentielles Wachstum ist nicht-linear und unbegreiflich

Inwieweit sich BANI als neues Sensemaking Model am Himmel der Zukunftsforschung tatsächlich auch langfristig durchsetzt, sei hier einmal mit einem Fragezeichen versehen. Nichtsdestotrotz reagiert BANI auf das beträchtliche Maß an Chaos, das uns seit der globalen Pandemie mit zunehmender Komplexität überfrachtet. Ob unerwartete Risse in der Gesellschaft, beängstigende Entwicklungen in unseren politischen Systemen, unberechenbare Klimakatastrophen oder die spürbaren Folgen der sich verändernden und brüchigen Kommunikation seit dem Beginn der Pandemie. 

Wir wissen nicht, worin der nächste schwarze Schwan bestehen wird, wir müssen aber davon ausgehen, dass er eintritt. Denn eine wesentliche Erkenntnis in der BANI-Welt lautet: Ein sprödes und brüchiges System kann die ganze Zeit signalisieren, dass es gut und stark ist, auch wenn es am Abgrund oder kurz vor dem Zusammenbruch steht. Exponentielles Wachstum zum Beispiel ist ein Phänomen, das die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Es ist nicht-linear und unbegreiflich. Ebenso wenig sind wir imstande uns realistisch auszumalen, was passiert, wenn bestimmte ökologische Kipppunkte erreicht werden, sei es das komplette Erliegen des Golfstroms oder ein globaler Temperaturanstieg der Meere.

Ökologische und technologische Kipppunkte sind schwarze Schwäne

Dasselbe gilt für technologische Kipppunkte. Ob wir uns den Augenblick der „Singularität“ vorstellen, also den Moment, in dem künstliche Intelligenz autonom wird und die Kontrolle übernimmt, oder aber eine rein virtuelle Welt, in der Menschen tatsächlich zusammen leben: Zwangsläufig schwanken wir zwischen utopischen und dystopischen Bildern. In diesem Sinne hat Mark Zuckerberg der Öffentlichkeit vor kurzem seine Ideen zum neuen „Metaverse“ vorgestellt, das Facebook ablösen und in vielerlei Hinsicht überflügeln soll. 

Neben den Megatrends Digitalisierung, KI, Individualisierung, Gesundheit und New Work geht es hier vor allem um einen Megatrend, der in Zukunft in vielerlei Hinsicht entscheidend sein wird: Emotionale Verbundenheit und Verbindung mit anderen. Zukunfts- und Trendforscher:innen sprechen hierbei auch vom Megatrend „Konnektivität“. Wie aber sieht die Konnektivität der Zukunft in einer chaotischen BANI-Welt aus? 

Die Netzwerkgesellschaft ist eine Emotionsgesellschaft

Seien wir ehrlich, wir wissen es nicht. Was wir jedoch dringend brauchen, ist ein neues emotionales Mindset für den Umgang mit nicht-linearer, brüchiger und unbegreiflicher Konnektivität in einer chaotischen Welt. Integrative Kommunikation und emotionale Verbundenheit sind unverzichtbare Fähigkeiten in einer Welt, in der Angst und Chaos exponentiell zunehmen. „New Work“ und „New Leadership“ sind vor allem Symptome und Werkzeuge für eine größere Zukunft, die wir uns heute einfach noch nicht vorstellen können.

Natürlich können aktuelle Entwicklungen Angst, Erschöpfung, Sorge, Verzweiflung und Wut in uns auslösen. Mit diesen Emotionen kommen wir aber nicht nur in direkten Kontakt mit uns selbst, mit ihnen beginnt auch die größte kollektive und emotionale Wachstumskurve, die uns aus unserer brüchigen Gegenwart in die nicht-lineare und unbegreifliche Zukunft katapultiert oder, besser gesagt, in die emotionale Konnektivität der Zukunft beamt. Probieren Sie es lieber heute als morgen aus.

„Es ist weder die intelligenteste Spezies, die überlebt, noch die stärkste. Es überlebt diejenige, die sich dem Wandel am besten anpasst.“ (Leon C. Megginson)

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