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Impuls des Monats: Humor als Überlebensvorteil

Work Life - 02. Mai 21

Lachen ist gesund, so sagt man. Aber es macht auch glücklich und schenkt uns im besten Falle ein paar zusätzliche Lebensjahre. Nicht zuletzt kann es uns dabei helfen, uns von Angst und Negativität zu befreien. Grund genug für den Philosophen Jörg Bernardy, sich den Zusammenhang von Humor und Optimismus im Impuls des Monats einmal genauer anzuschauen.

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Dr. Jörg Bernardy, Autor, Philosoph und Dozent. Foto: Max Baier

Humor als Überlebensvorteil

Vielleicht haben Sie es auch bemerkt, an sich selbst und an anderen, dass Sie seit der Pandemie dünnhäutiger geworden sind. Dass Sie hier und da empfindlicher reagieren als sonst und durchlässiger sind für negative Nachrichten. Kein Wunder, spricht doch jede Krise zunächst einmal zwei Dinge in uns an: den Instinkt der Angst und den der Negativität.  

Von Angst und Negativität zum Megatrugschluss

Mit Angstinstinkt ist unsere Neigung gemeint, beängstigenden Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Der Negativitätsinstinkt wiederum bezeichnet unsere Neigung, das Schlechte mehr als das Gute wahrzunehmen. Beide Instinkte beeinträchtigen unser kritisches Denken und führen letztlich zu dem, was der Wissenschaftler Hans Rosling einmal „Megatrugschluss“ genannt hat. „Die meisten Menschen glauben, dass die Verhältnisse auf der Welt immer schlimmer werden. Kein Wunder, dass wir uns alle so gestresst fühlen“, schreibt Rosling in seinem Buch "Factfulness". 

Die Welt ist schlecht und wird besser

„Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen, man kann auch nichts erreichen, wenn man immer nur das Negative sieht“, sagte Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung vom 25. März 2021. Damit will sie weder die Schwächen ihrer Regierung schönreden noch über die Fehler hinwegtäuschen, die hierzulande und auf europäischer Ebene gemacht wurden. Vielmehr fordert sie dazu, sich vom Instinkt der Negativität nicht täuschen zu lassen und zu lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist. Laut Hans Rosling ist sie beides: schlecht und besser. Wer die Statistiken und Fakten der letzten Jahrzehnte ernst nimmt, wird feststellen: Die Welt ist schlecht und wird zugleich besser. Mit dieser paradoxen Formel lässt sich Roslings durchdringender Optimismus am besten zusammenfassen. Für ihn ist Statistik eine Therapie gegen Schlechtmacherei und negative Nachrichten.

Die Geschichte vom weinenden und lachenden Philosophen

Wem dieser Weg über die Statistik zu kompliziert ist, kann sich stattdessen von einer Geschichte inspirieren lassen, die man sich im antiken Griechenland und Rom gerne erzählte. Es geht um die zwei Philosophen Heraklit und Demokrit, die sehr unterschiedlich auf das Leid dieser Welt reagiert haben sollen. So schreibt der bekannte Schriftsteller und Stoiker Seneca im 1. Jahrhundert n. Chr.: "Heraklit vergoss Tränen, wann immer er in der Öffentlichkeit war, Demokrit dagegen lachte. Der eine sah nur eine Parade des Elends, der andere sah nur Torheit. Auch wir sollten leichtherziger an die Dinge herangehen und sie mit frohem Mute ertragen, denn es ist menschlicher, über das Leben zu lachen als stets zu wehklagen."

Humor ist eine besondere Form von Optimismus

Für die Stoiker ist Lachen eine wichtige Übung für mehr Resilienz im Umgang mit schwierigen Situationen und Krisen. Martha C. Nussbaum, eine der wirkmächtigsten und wichtigsten Philosophinnen unserer Gegenwart, ist übrigens der gleichen Ansicht wie Seneca. In ihrem Buch "Zorn und Vergebung" vertritt sie die Meinung, dass Lachen eine gute Medizin gegen Zorn und gegen ein Zuviel an Negativität ist - und dass es ansonsten besser ist, traurig statt zornig oder wehleidig zu sein. Wer hätte es gedacht: Humor ist und bleibt damals wie heute eine besondere Form von Optimismus. 

Humor als Wunderwaffe

Auch in Medizin und Wissenschaft gilt Lachen als regelrechte Wunderwaffe. Lachen löst Glücksgefühle aus, setzt also Endorphine frei, was zu einer besseren Stimmung führt und sogar Schmerzen lindern kann. Gemeinsames Lachen wirkt verbindend und kann bei Konflikten die angespannte Stimmung auflockern. Nicht ohne Grund schwören viele Therapeuten auf das Lachen. Es schafft eine heilsame Distanz und kann uns dabei helfen, uns zumindest kurzfristig von Angst, Stress und Negativität zu befreien.

Ein Lachen am Tag für mehr Leichtigkeit

Es gibt sogar eine eigene Yoga-Art, bei der man gemeinsam lacht. Vielleicht sollten wir alle gelegentlich einfach mal Lachyoga machen und lernen, mindestens einmal am Tag tief aus dem Bauch heraus zu lachen. Wenn Humor eine bewährte Form von Optimismus ist, dann ist jedes Lachen ein Schritt auf dem Weg zu einem spielerischen und besseren Umgang mit Krisensituationen. Übrigens ein sehr menschlicher, wie Seneca ergänzen würde.

„Wenn es regnet, freue ich mich. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ (Karl Valentin)


PS: Was uns die Stoiker über Gelassenheit und Lebensglück heute noch zu sagen haben, erfahren Sie im neuen Buch von Dr. Jörg Bernardy: Der kleine Alltagsstoiker - 10 Gelassenheitsregeln fürs Lebensglück

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