Impuls des Monats: Hey Generation Z, wie geht Zukunft?

Work Life - 13. Dez 21

Was ist schon sicher? Mit diesem Gefühl leben zur Zeit vermutlich viele. Nicht erst seit Corona nehmen wir unsere Welt in einem Krisenzustand wahr. Doch wie empfindet das eigentlich die Generation Z? Im Impuls des Monats geht der Philosoph und Autor Jörg Bernardy dieser Frage nach und zeigt auf, inwiefern wir möglicherweise gerade in der Widersprüchlichkeit und Vielfalt dieser Generation genau die richtigen Antworten auf die Krisen unserer Zeit finden. 

Dr. Jörg Bernardy, Autor, Philosoph und Dozent. Foto: Max Baier

Im Jahr 2010 Jahren war ich Vortragender auf einer wissenschaftlichen Konferenz mit dem Titel "Biopolitik, Bioökonomie und Biopoetik im Zeitalter der Krise“. Ich erinnere mich noch gut, wie kritisch ich damals war und nicht wusste, ob ich diesen Titel angemessen oder komplett übertrieben fand. Selbstverständlich hatte sich 2008 eine der größten Finanzkrisen seit dem 2. Weltkrieg ereignet, aber musste man daraus wirklich gleich ein ganzes „Zeitalter der Krise“ machen?

Irgendwie geht es doch immer weiter

Die letzten 12 Jahre haben mich in dieser Frage Demut und Bescheidenheit gelehrt. Zumindest aus meiner heutigen (zugegebenermaßen sehr subjektiven) Sicht hat sich das Potenzial für ein Zeitalter ökonomischer, politischer und ökologischer Krisen noch einmal erhöht. Wobei sich auch dieser Gedanke wieder relativieren lässt, wenn man die gesamte Geschichte der Menschheit als eine Geschichte von Krisen auffasst. Irgendwie ging es doch immer weiter. 

Seit der Corona-Pandemie denke ich nicht nur manchmal an die Konferenz mit dem verheißungsvollen Titel zurück. Häufig frage ich mich auch, wie wohl die jüngeren Generationen das letzte Jahrzehnt wahrgenommen haben. Über die sogenannte Generation Z wird ja viel geschrieben. Seit der Bundestagswahl und aufgrund aktueller Studien wissen wir ein paar Dinge: Sie wählt mehrheitlich gelb und grün, ist also an einer nachhaltigen Zukunft genauso interessiert wie an wirtschaftlicher Sicherheit und individueller Freiheit.

Zwischen Hyper-Beschleunigung, Nachhaltigkeit und Einsamkeit

Die Gen Z tendiert zu einem gesunden, nachhaltigen Lebensstil und ist gleichzeitig politisch so sensibel wie zuletzt die 68er. Trotz aller Widersprüche ist sie mehr als jede Generation vor ihr dazu bereit, ihren Fleischkonsum und die CO2-Bilanz einzuschränken. Auch mit dem Thema psychische Gesundheit geht sie offener um als vorherige Generationen. Was sehr wahrscheinlich und nicht zuletzt auch daran liegt, dass Internetsucht, neue Einsamkeit, Verunsicherung und Depression zu einer besonderen Angelegenheit ihrer Generation geworden ist. 

Als Digital Natives sind sie extreme Gewinner und Opfer der Digitalisierung. „Offline- und Onlineleben sind kaum noch trennbar. In der Cloud sind wir nicht komplett wir, aber irgendwie auch schon“, schreibt die Journalistin und Podcasterin Valentina Vapaux in ihrem Buch „Generation Z“. Das Lebensgefühl ihrer Generation beschreibt sie darin unter anderem so: „Die Beschleunigung ist vor allem ein Gefühl. Unser ganzes Leben - alles ist hyper, crazy, fast.“ 

Mut zur Unsicherheit und offenen Zukunft

Zurück zur politischen Tagesordnung: Das Wahlalter ab 16 Jahre wird sehr wahrscheinlich Realität. Bei der nächsten Bundestagswahl werden mehr Vertreter:innen dieser „hyper, crazy, fast - Generation“ abstimmen als jemals zuvor. Diese neue Generation ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung und Zumutung für unsere Gesellschaft. In ihrer Sensibilität, in ihren Widersprüchen und vielfältigen Interessen hat sie aber vielleicht genau die richtigen Antworten auf die Krisen unserer Zeit.

Wie hieß es noch gleich im Ankündigungstext der besagten Tagung? „In der Krise geraten Selbstverständlichkeiten und bewährte Paradigmen ins Wanken. Die politische, gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Ordnung entlarvt sich dabei als relativ. Das produziert Unsicherheit, aber auch die Chance, neue Wege zu gehen“, kommentiert die Initiatorin. Und „diese Unsicherheit heißt auch, dass die Zukunft wieder offen ist: Für die Politik, die Wirtschaft und die Kultur, die nun stärker denn je zusammenarbeiten müssen.“

Zusammen im Zeitalter des Anthropozän

Ob Baby Boomer oder Generation Z, Generation X, Y oder Alpha, wir alle müssen stärker zusammenrücken. So wie in der Ampelkoalition nun drei Parteien aufeinander zugegangen und zusammengerückt sind, genauso müssen wir nun gesellschaftlich zusammenrücken. „Mehr Fortschritt wagen“ heißt nicht, dass alles besser wird. Fortschritt setzt voraus, dass wir bereit sind, gemeinsam zu handeln und uns zu entwickeln.

Die Geschichte der Menschheit ist nicht nur eine Geschichte der Krisen, sondern auch eine des Fortschritts und großer Errungenschaften, wozu nicht zuletzt das Impfen und die Demokratie gehören. Im Zeitalter des Anthropozän, in dem der Mensch zum dominanten Antriebsfaktor globaler Umweltveränderungen geworden ist, geht Zukunft nur noch zusammen. 

„Wenn wir nicht mehr nach der Zukunft greifen, dann weil es eher die Zukunft selbst ist, die nach uns greift.“ (Marc Augé, französischer Ethnologe und Anthropologe)

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