Impuls des Monats: Für einen gesunden Egoismus

Work Life - 20. Aug 20

In unserem Blogformat "Impuls des Monats" beleuchtet der Philosoph Jörg Bernardy einmal im Monat Themen, die uns zum Nachdenken und Innehalten anregen. Dieses Mal dreht sich alles um einen "gesunden Egoismus", den Sinn des Lebens und intrinsische Motivation. 

Dr. Jörg Bernardy, Autor, Philosoph und Dozent. Foto: Martina Klein

Sind Sie egoistisch genug?

In einer ARTE-Doku erklärt der 2019 verstorbene Karl Lagerfeld auf gewohnt eloquente und unverblümte Weise sein Lebensmotto: „Erstens bin ich unsterblich. Und zweitens ist meine Devise im Leben: Es fängt mit mir an und es hört mit mir wieder auf. Bums.“ Damit bringt er zum Ausdruck, was wir längst alle wussten. Wer im Leben etwas erreichen will, braucht Selbstvertrauen, Fokus, Ausdauer und ein klares Wertebewusstsein. 

Als extravaganter Perfektionist arbeitete Karl Lagerfeld nicht nur unermüdlich an seinem Lebenswerk. Mit preußischer Strenge und beharrlicher Selbstdisziplin hat „Kaiser Karl“ vor allem traditionelle Markenhäuser wie Chanel in die Moderne überführt. Ganz nebenbei, für die deutsch-französische Freundschaft hat er dabei mehr getan als so mancher Politiker.

Warum man Sinn nicht kaufen kann – und Glück sowieso nicht 

„You can't buy happiness“, sagt die Schwester vom Dalai Lama, Jetsun Pema, in But Beautiful (2019), einem Film des österreichischen Regisseurs Erwin Wagenhofer. Wir können nicht in ein Einkaufszentrum gehen und uns dort eine Portion Glück oder Zufriedenheit kaufen. Nicht viel anders verhält es sich mit Sinn. Wir finden ihn nicht einfach auf der Straße oder im Supermarktregal und packen ihn dann in unseren Rucksack. 

Die erfolgreiche Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT hat zuletzt in einer Abo-Marketing-Kampagne zwei Dinge für künftige Abonnent*innen verlost: Goldbarren im Wert von 10.000 Euro und eine Autobiografie verfasst von renommierten ZEIT-Autoren. Während das erste auf unser Bedürfnis nach finanzieller Absicherung zielt, spricht das zweite Geschenk unser Streben nach Sinn an.

Sinn ist kein Produkt wie Geld, Status, Vermögen oder Erfolg. Womit wir gleich zur wichtigsten Bedeutung von Sinn kommen: Die Erfahrung von Sinn und Sinnerfüllung ist individuell und übersteigt gleichzeitig unseren persönlichen Horizont. Die meisten Menschen wollen nicht nur Zufriedenheit und Glück, das Leben soll sich für sie in irgendeiner Weise auch bedeutsam und sinnvoll anfühlen. 

Wir wollen einen positiven Impact erleben: Über die Kunst des gesunden Egoismus

Der direkteste Weg zu mehr Lebenssinn läuft über intrinsische Motivation. Der Autor und Wissenschaftsjournalist Daniel Pink unterscheidet dafür drei wesentliche Aspekte: Selbstbestimmung, Perfektionierung und Sinnerfüllung. Der Antrieb für unser Tun beruht dann nicht auf äußeren Anreizen wie Geld, Macht, Ansehen oder Erfolg. Vielmehr sehen wir in dem, was wir machen, auch einen Nutzen für andere. 

Tatsächlich ist für die Sinnerfüllung entscheidend, dass wir nicht nur unsere eigenen Interessen befriedigen, sondern auch anderen Menschen helfen. Seien es Kunden, Mitarbeiter, Kollegen, Vorgesetzte, Kinder, Jugendliche, Tiere, Pflanzen, die eigene Familie oder das Klima. Menschen wollen nützlich sein und Gutes tun. Das behauptet auch der Philosoph Richard David Precht in seinem Buch "Die Kunst, kein Egoist zu sein". Allerdings sollten wir unseren Egoismus für das intrinsische Streben nach Sinn nicht komplett aufgeben. Im Gegenteil, es geht darum, den eigenen Werten und Zielen die richtige Priorität einzuräumen. 

Erleben Sie Ihren persönlichen ‚Bums-Moment'

Statt auf Egoismus zu verzichten, brauchen wir einen gesunden Egoismus, der konsequent und beharrlich eine größere Sache im Blick behält - und nicht nur die Befriedigung eigener Interessen. Im Prinzip müssen wir dafür bloß ein menschliches Grundbedürfnis in uns ernst nehmen: Unsere Sehnsucht nach Verbindung mit anderen Menschen und unser Wunsch, eine positive Wirkung auf andere zu haben. Heißt konkret: Wir sind sinnerfüllt, wenn wir aktiv erleben, dass sich ein kleines Stück der Welt durch unser Zutun verbessert.

In diesem Sinne wird Karl Lagerfelds Lebensmotto zu einer hilfreichen Maxime für mehr Lebenssinn. Daher meine abschließende Frage an Sie, liebe Leser*innen: Was fängt mit Ihnen an und hört auch wieder mit Ihnen auf? Wer das täglich für sich definiert, erlebt seinen ganz persönlichen ‚Bums-Moment'.  

Der römische Kaiser und Philosoph Marc Aurel dazu: „Niemand ermüdet, wenn er seinen Nutzen sucht; Nutzen aber gewährt eine Tätigkeit im Einklang mit der Natur. Werde drum nie müde, deinen Nutzen zu suchen, indem du andern nützest!“ 

Herzliche Grüße
Ihr Jörg Bernardy
 

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