How to - moderne Verbandsarbeit

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Verbandsarbeit besitzt noch immer ein recht staubiges Image. Dass die Verbandswelt durchaus dynamisch und längst in der Moderne angekommen ist, zeigt Susan Saß. Die Leitern der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bundesverband E-Commerce und Versandhandel e.V. (behv) ist in diesem Jahr Teil der PR-Bild Award-Jury. Wir sprachen mit ihr über Regeln für einen erfolgreichen Verbandsauftritt, Social Media und bewegende Fotos.

news aktuell: Was macht einen erfolgreichen Verbandsauftritt aus? 

PR-Bild Award, Susan Saß behv. e.V.
Susan Saß, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit behv e.V., ist in diesem Jahr Jurymitglied des PR-Bild Award.

Saß: Einen erfolgreichen Verbandsauftritt erreicht man, wenn man zum richtigen Zeitpunkt mit einer prägnanten und nachhaltigen Botschaft aufwartet. Dem ordnen sich die Mittel unter. Wenn es eine gute Visualisierung durch eine Grafik oder ein Foto gibt, kann das die Aufmerksamkeit der Medien deutlich erhöhen. Häufig hat die richtige Headline aber mehr Impact. Wichtig ist dabei, dass gerade bei zeitkritischen Themen alle an einem Strang ziehen. Das heißt: der Präsident, die Geschäftsführung sowie der Kommunikationsverantwortliche. Nicht zu vergessen sind natürlich die Mitgliedsunternehmen und Kollegen - denn diese sind auch tagtäglich das Aushängeschild des Verbands und haben maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg.

news aktuell: Wie lassen sich Bilder und Fotos am wirksamsten einsetzen?

Saß: Generell lassen sie sich in der Verbandswelt gut einsetzen. Die Frage ist nur, was die Adressaten wirklich sehen wollen. Zuallererst sollte man sich immer fragen: Mit welchem Ziel setze ich Bilder oder Fotos ein? Geht es um die grafische Umsetzung der Jahreszahlen oder eher um Auftritte auf Veranstaltungen? Erzählt das Bild selbst eine Geschichte oder ist es "blutarm" wie Stock-Fotografie? Wir beim bevh sind eher zurückhaltender, was Bilder und Fotos angeht.

news aktuell: Wie gehen moderne Verbände mit vermeintlich schematischen Printformaten wie Geschäfts- oder Jahresberichten um? 

Saß: Bilder können hier hervorragend zur Auflockerung beitragen. Allerdings wissen wir auch, dass sich heutzutage Medien im Allgemeinen komplett verändern. Und eventuell macht es deshalb für einen Verband mehr Sinn, diese Auflockerung nicht in gedruckte, sondern in digitale Angebote aufzunehmen. Wir selbst haben „nur noch“ den Jahresbericht, den wir aber selbstverständlich auch immer bisschen mit Bildern „aufpimpen“.

news aktuell: Als Onlinehändler sind Ihre Mitglieder auf gute (Produkt-) Fotos angewiesen. Welche Herausforderungen können dabei entstehen?

Saß: Bei der Verwendung von Fotos im Onlineshop gilt es in Bezug auf die mit dem Bild zusammenhängenden Rechte besonders aufmerksam zu sein. Herausforderungen können entstehen, wenn die selbst erstellten Bilder keine gute Qualität haben, wenn die Pixelzahl für eine einwandfreie Qualität nicht stimmt oder Urheber-, Marken- oder Designschutz-Verletzungen vorliegen. Zwischen Mitgliedsunternehmen kann es auch durchaus zu Lizenzstreitigkeiten kommen. Hier steht der behv selbstverständlich beratend und vermittelnd zur Seite. Da das Thema Bildverwendung gerade für unsere Branche einen hohen Stellenwert hat, war es uns besonders wichtig, das Thema in allen Facetten in den von uns initiierten Beruf „Kauffrau/Kaufmann im E-Commerce“ einzubringen. Von Anfang an sollte der richtige Umgang mit Fotos, speziell mit Produktfotos, gelernt werden - von der rechtlichen Absicherung bis zur conversion-optimierenden Verwendung.

Das wichtigste ist, dass man sich mit Social Media beschäftigt und daran Spaß hat. Sonst sollte man eher die Finger davon lassen.Klicken, um zu twittern

news aktuell: Verbandsarbeit bedeutet auch immer Abstimmung und Kompromiss. Inwieweit wirkt sich das auf die Kommunikation in den schnelllebigen Socia-Media-Kanälen aus? 

Saß: Dass Verbandsarbeit immer Abstimmung und Kompromiss bedeutet, kann ich so nicht bestätigen. Wir sind in unserer täglichen Arbeit sehr frei. Gerade auf Twitter äußern wir uns durchaus mit Kante. Entscheidend ist für diese Arbeitsweise, dass bei den Mitarbeitern nicht nur inhaltliche Kompetenz, sondern auch politische Übersicht vorhanden ist. Wir kennzeichnen dort den einzelnen Autor, der immer auch den Verband repräsentiert. Es gilt: 280 Zeichen können ein toller „Bait“ sein, aber dahinter muss eine – durchaus streitbare – fundierte Position stehen. Wir stimmen gewisse Dinge mit Mitgliedsunternehmen ab, zum Beispiel welches Foto wir zu einem Text hinzunehmen können. Sollte es vorkommen, dass man Dinge besser im Vorfeld abgestimmt hätte und falsch kommuniziert wurde, dann kann man sich nur entschuldigen und es richtigstellen. Auch auf Social Media.

news aktuell: In Ihrer Funktion als Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit besuchen Sie viele Veranstaltungen – und twittern dabei kräftig. Welche Momente oder Bilder eignen sich besonders gut für Twitter?

Saß: Es kommt immer darauf an, was man mit dem Tweet erreichen möchte. Geht es darum, ein Event zu „pushen“, kann ich ein lustiges Zeitraffer-Video mit den Worten „On my way…“ twittern und den Hashtag der Veranstaltung dafür einsetzen. So entsteht auch Content - wenn auch leichter (schmunzelt). Habe ich starke Reden oder Diskussionen gehört, werde ich dies rein textlich twittern. Brauche ich Platz für Text, möchte aber noch jemanden nennen, nutze ich Fotos, damit ich dort die Personen adden kann. So oder so: Ausprobieren macht schlau(er) und professionell(er). Das wichtigste ist, dass man sich mit Social Media beschäftigt und daran Spaß hat. Sonst sollte man eher die Finger davon lassen.

news aktuell: Wie gelingt der Spagat zwischen privaten und beruflichen Tweets?

Saß: Bei mir persönlich ist es kein wirklicher Spagat. Was privat ist, ist privat und was beruflich ist, ist beruflich. Dennoch kann ich natürlich die Reichweite des Verbandes nutzen, wenn es darum geht, sozialpolitische Aussagen zu verbreiten oder zu bekräftigen. Aber auch nur, wenn ich ganz genau weiß, dass dies im Sinne des Verbandes ist. Und andersherum ist es genauso. Da habe ich das absolute Vertrauen der Geschäftsführer und das ist großartig.

news aktuell: Welches Presse- oder PR-Bild des letzten Jahres hat Sie besonders beeindruckt und warum?

Saß: Als Mama lassen mich die Kinder dieser Welt nicht los. Das hört sich jetzt etwas theatralisch an, soll es aber gar nicht sein. Besonders beeindrucken mich deswegen oft Fotos, auf denen Kinder zu sehen sind. Insbesondere Bilder von Kindern, denen es nicht so gut geht wie uns in Europa. Bilder sollen ja Emotionen wecken. Das Foto der zehnjährigen Rugiatu im PR-Bild Award Kalender 2019 hat dies letzten Monat bei mir ausgelöst. Rugiatu hat einen Wunsch: Sie möchte Lehrerin werden - und nur das zählt. Das Bild finde ich wahnsinnig ausdrucksstark. In ihren Augen sieht man: Sie lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Ich bin davon überzeugt, dass Rugiatu auch irgendwann als Lehrerin arbeiten wird. Beeindruckend, wenn ich überlege, wie leichtfertig wir manchmal hier in Deutschland mit dem Gut Bildung umgehen.

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Ein beeindruckendes Bild, das 2018 von Caritas international für den PR-Bild Award eingereicht wurde und mit vielen weiteren Motiven den PR-Bild Award Kalender 2019 ziert. Eines ist klar: Welchen Traumberuf Rugiatu anstrebt, daraus macht sie kein Geheimnis. Foto: Mark Stedman

 

Noch bis zum 14. Juni könnt ihr euch beim PR-Bild Award bewerben. Habt Ihr tolle Motive, die einen Preis verdient hätten? Dann hier lang.

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