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Hippie 2.0: Viral for future

Kommunikation - 25. Jun 20

Die Geschichte der Menschheit dreht sich sicherlich nicht im Kreis, scheint aber zumindest wellenförmig geprägt. Sie spült gesellschaftliche Themen immer wieder in etwas neuer Form an die Oberfläche. Manche Dinge wiederholen sich eben doch.

Nachwachsende Generationen rebellieren per Default gegen die Elterngesellschaft und nehmen so alternierend Gegenpositionen ein: Die bürgerliche Nachkriegsgesellschaft (sogenannte „Ok Boomer“) bringt eine Generation von Freigeistern hervor, die sich gegen Umweltverschmutzung, Krieg und gesellschaftliche Stigmata auflehnen. Die darauffolgende Generation scheint wieder auf Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum zu setzen. Sie will von Flower-Power nichts wissen und das "Hippietum" verkommt zur Karikatur. Es entsteht eine Wohlstandsgesellschaft, die die gesellschaftlichen Fragen wieder in den Hintergrund rückt. Gleichzeitig – oder durch genau diesen Wohlstand befeuert – entwickelt sich die Technik weiter, wird ausgefeilter und verbreitet sich in der Gesellschaft, bis ein jeder nur noch durch Mobile Devices in die Welt schaut.

In just dieser Zeit kommt es naturgemäß wieder zu einem Bruch: Die Jugend in ihrer gegenwärtigen Iteration beginnt zu hinterfragen und scheint nicht mehr bereit, den Preis zu zahlen, den eben jener Fortschritt in Zukunft – ihrer Zukunft – kosten wird. Die durch Umweltverschmutzung beschleunigte Klimakrise ist dabei der erste große Case, an dem sich die heranwachsenden Rebellen ausprobieren können.

Dezentrale Demonstration

Und das tun sie eben so, wie sie es kennen: über das Internet. Wenn in den 1960ern und 1970ern ein Mädchen in Schweden in den Schulstreik getreten wäre, um ein Zeichen für das Klimabewusstsein zu setzen, hätte dies wahrscheinlich nicht einmal die lokale Presse hervorgelockt, geschweige denn eine ganze Generation Gleichgesinnter inspiriert. Heute gehört Greta Thunberg zu den einflussreichsten und bekanntesten Gesichtern der vergangenen Jahre und mobilisiert weltweit Menschen, sich zu engagieren und die Welt zu mehr Nachhaltigkeit zu drängen.

Durch Hashtags auf Instagram und Twitter verbunden, können lokale Protestgruppen, Schüler und Erwachsene Teil einer weltweiten Bewegung werden und ihre Stimmen derart potenzieren, dass niemand mehr weghören kann.

Die Corona-Pandemie „zwingt“ die Gesellschaft, die digitale Transformation zu beschleunigen. So tragisch diese Zeit für viele Menschen und Unternehmen ist, wird sie unseren Umgang mit sozialen Medien und virtuellen Workflows nachhaltig verändern. So gehen auch die Aktivisten rund um Fridays-for-Future weiterhin streiken – nur eben im Netz, anstatt auf der Straße.

Das Spannende an dieser Entwicklung ist, dass es sich auch hier um einen Prozess des Erwachsenwerdens handelt. Wenn die nachwachsende Generation am Thema Klima eine Idee davon bekommt, wie viel das virtuelle Kollektiv bewegen kann, scheint es nur eine Frage der Zeit, bis auch andere soziale Themen attackiert werden. Und wer weiß, vielleicht sind es am Ende die Digital Natives, die die analoge Welt retten.

Autorin: Beatrix Ta

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der aktuellen Ausgabe von treibstoff. Wir freuen uns über Ihr Feedback zu unserem Magazin unter treibstoff@newsaktuell.de. Laden Sie sich gleich die aktuelle Ausgabe herunter!

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