Leadership: hinschauen und unterstuetzen - interview gudrun kreutner

Healthy Leadership: hinschauen und unterstützen

Kommunikation - 08. Dez 20

Wie funktioniert „Healthy Leadership“? Welcher Kommunikationsstil ist gesund, welcher nicht? Beim Wort & Bild Verlag wird viel Wert auf gesundes Führen gelegt. Im Interview erklärt Gudrun Kreutner, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin Unternehmenskommunikation, auf welche Kompetenzen es ankommt. 

Gudrun Kreutner - Wort & Bild Verlag
Gudrun Kreutner, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin Unternehmenskommunikation beim Wort & Bild Verlag

news aktuell: Wie würden Sie selbst „gesunde Führung“ beschreiben? 

Kreutner: Wir pflegen einen offenen und ehrlichen Austausch. Arbeiten ist befriedigend, kreativ, spannend, aber natürlich auch anstrengend und aufreibend. Deshalb braucht es einen guten Umgang miteinander. Ein faires Miteinander und eine transparente Kommunikation sorgen nicht nur in Krisenzeiten für gegenseitiges Verständnis, ein sorgenfreieres Arbeiten für den Einzelnen und tragen damit erheblich zum Erhalt der Arbeitsleistung bei. Darüber hinaus legen wir im Wort & Bild Verlag auch sehr viel Wert auf gesunde Arbeitsplätze. Wir fördern die Gesundheit der Mitarbeiter.

news aktuell: Welche persönlichen Eigenschaften sind Ihrer Meinung nach für einen „gesunden Führungsstil“ besonders wichtig?

Kreutner: Intensiver Austausch, direkte Kommunikation und ein offenes Ohr für die Anliegen rund herum. Gerade in Corona-Zeiten stelle ich fest, dass wir noch stärker als sonst auf einander schauen und uns in unseren jeweiligen Lebenslagen unterstützen müssen.

news aktuell: Welche Bausteine gehören zu einer gesunden Unternehmenskultur? 

Kreutner: Ob es hier ein Allgemeinrezept gibt? Ich finde, als Führungskraft muss man authentisch sein. Man muss selber Vorbild sein wollen, ein Ziel und eine Vision haben, diese kommunizieren, die Mitarbeiter davon überzeugen und begeistern, so dass man gemeinsam auf die Reise gehen kann. Für mich persönlich ist es wichtig, dass man sich aufeinander verlassen kann. Und es muss Regeln geben, wie wir miteinander umgehen. Wertschätzung und Respekt stelle ich voran. Das drückt man auch dadurch aus, dass Ideen der Mitarbeiter gehört und aufgenommen werden.

Gerade in Corona-Zeiten müssen wir noch stärker als sonst aufeinander schauen und uns in unseren jeweiligen Lebenslagen unterstützen.Klicken, um zu twittern

news aktuell: Welche Rolle spielen insbesondere Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und Empowerment? 

Kreutner: Das hängt sehr von der jeweiligen Unternehmenskultur ab. Eigenverantwortung klingt als Schlagwort gut, aber es muss definiert sein, was damit gemeint ist. Dem Mitarbeiter muss klar sein, was von ihm erwartet wird und man darf nicht Angst vor Fehlern haben. Was mir besonders gut gefällt: Viele Mitarbeiter sind echte Experten auf ihrem Gebiet. Sie treffen die richtigen Entscheidungen, weil sie sich auskennen. Das muss wertgeschätzt und gefördert werden. Wichtig finde ich auch die Möglichkeit, sich weiterzubilden. 

news aktuell: Was sind die größten Hürden für gesundes Führen?

Kreutner: Meiner Meinung nach sind durch Corona körperliche und psychische Gesundheit noch stärker ins Blickfeld geraten. Die Isolation, die Doppel-Belastung durch Home-Office und Home-Schooling, das Thema Angst nehmen Überhand und belasten die Gesellschaft auf mehreren Ebenen. Wir sind gefordert, aufmerksam zu sein und die Mitarbeiter zu begleiten.

Eine große Hürde ist die Unsicherheit. Die aktuellen Regeln können sich abhängig von den Infektionszahlen schnell ändern. Die Mitarbeiter, besonders die mit kleinen Kindern oder kranken Angehörigen, bleiben gefangen im Zustand, wieder sofort ihren Lebensrhythmus ändern zu müssen. Als Führungsverantwortliche kann ich ihnen nur zusichern, dass sie sich auf mich und den Verlag verlassen können, die Situation gemeinsam zu meistern und für sie da zu sein.

Das neue Arbeiten muss gelernt werden und braucht Zeit.Klicken, um zu twittern

news aktuell: Wie kann ein Unternehmen seine Führungskräfte für das Thema nachhaltig fit machen? 

Kreutner: Gesund führen ist gut für die Mitarbeiter und gut für die Chefs. Wer gesund führt, erntet auch selber die Früchte dieses Führungsstils. Gesund führen ist also eine Win-win-Situation für alle. Die beginnt meiner Meinung nach mit der Awareness, also dem Bewusstwerden für mentale und körperliche Gesundheit im Unternehmen. Wir haben den Begriff „gesund“ sogar in unseren Werten verankert. Als Gesundheitsverlag ist das vielleicht naheliegend.

Damit „gesunde Führung“ nachhaltig bleibt, müssen alle Führungskräfte mitmachen und vormachen. Unabhängig ob CEO oder Teamleiter, jeder sollte Urlaub machen, Ruhezeiten einhalten, die gesundheitsfördernden Angebote des Unternehmens wahrnehmen. Führungspersonen sollten sich nicht nur über Kennzahlen unterhalten, sondern auch darüber, wie die Stimmung oder der Zusammenhalt in den Teams ist und voneinander lernen. 

Damit gesunde Führung nachhaltig bleibt, müssen alle Führungskräfte mitmachen und vormachen.Klicken, um zu twittern

news aktuell: Wie erkennen Führungskräfte, wenn ihre Mitarbeiter gesundheitlich gefährdet sind? 

Kreutner: Schwierige Frage. Denn was tun, wenn die Mitarbeiter das nicht selber offen ansprechen? Gibt es Vertrauenspersonen im Unternehmen? Welche Rolle spielt der Betriebsarzt? Wenn Gefahr im Verzug ist, muss sofort gehandelt werden, zum Beispiel bei Alkoholmissbrauch, drohendem Burn-out oder ähnlichem.

news aktuell: Die Corona-Krise hat Führung bei vielen Unternehmen für längere Zeit in eine rein virtuelle Welt katapultiert. Welche konkreten Tipps haben Sie, das Fehlen von persönlichem Kontakt zu kompensieren? 

Kreutner: Das „neue Arbeiten“ muss gelernt werden und braucht Zeit. Wir haben bei uns eine ganze Reihe an Maßnahmen umgesetzt, um zu Beginn der Corona- Pandemie vor allem die Umstellung auf die neue Arbeitsweise besser zu erlernen. Wir haben neue Kommunikationsformate entwickelt, Pakete nach Hause geschickt und noch einiges mehr, um die Motivation zu stärken.

Ganz besonders gut sind bei uns die E-Mails der Geschäftsführung an die Mitarbeiter angekommen, wo regelmäßig offen und transparent über die neuen Corona-Entwicklungen berichtet wurde. Dadurch wussten die Mitarbeiter, dass alle Kollegen zeitgleich auf demselben Informationsstand sind. So hatte man das Gefühl, up to date zu sein, auch wenn der Laptop im Wohnzimmer steht und man nicht im Bürogebäude ist. Für mich waren zu Beginn der Corona-Krise vor allem die Videokonferenzen wichtig. Heute hat sich das eingependelt und wir switchen zwischen Videokonferenzen und Telefoncalls. Sollte ein physisches Treffen – unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen – notwendig sein, freuen wir uns über das Wiedersehen. Wichtig ist mir aber, dass jeder selbst entscheiden kann. Manche Menschen wollen aus Vorsicht lieber nicht mit U- oder S-Bahn ins Büro fahren. Das muss wertfrei respektiert werden. 

Als Vorgesetzte muss man sich die Zeit nehmen, sein Team regelmäßig zu sehen und zu sprechen. Videokonferenzen mit dem ganzen Team aber auch mit jedem einzelnen Mitarbeiter sind Standard. Denn die persönliche Wertschätzung bleibt der wichtigste Baustein der Motivation und nur im Einzelgespräch lassen sich Sorgen und Nöte besprechen und Vertrauen aufrechterhalten.

Gesunder Kommunikationsstil ist: die eigene Sprache hinterfragen. Reizworte vermeiden, die Sprache des Gegenübers aufgreifen, positiv statt negativ formulieren, Lob Raum geben.Klicken, um zu twittern

news aktuell: Was zeichnet einen gesunden Kommunikationsstil aus? 

Kreutner: Kommunikation wird leider oft unterschätzt. Mit Worten erzeugt man Emotionen, Stimmungen. Man setzt mit Worten auch einen Rahmen, der – falsch eingesetzt – auch verletzen kann. Wichtig ist, mit Bedacht vorzugehen. Die eigene Sprache zu hinterfragen. Reizworte vermeiden. Bei sensiblen Themen im besten Falle die Sprache des Gegenübers aufgreifen. Negative Formulierungen können oft auch anders ausgedrückt werden. Ein Beispiel: Warum sagen wir „tadellos“, wenn wir „hervorragend“ meinen? Wir bringen den Tadel ins Spiel, obwohl wir gar nicht darauf abzielen. Wer lobt, soll dem Raum geben. Auch vor anderen. Das Lob muss passend und ehrlich gemeint sein, zu ausschweifend kommt es nicht authentisch rüber.

news aktuell: Wie können Führungskräfte vermeiden, dass sich Teammitglieder ausgeschlossen fühlen? 

Kreutner: Es passiert uns, dass bei Abteilungsbesprechungen manche die halbe Redezeit für sich in Anspruch nehmen, manche mit ihren Themen nicht durchkommen. Sieht das die Führungskraft? Kann man beim nächsten Termin die Reihenfolge umdrehen? Gibt es Rädelsführer, die Stimmung machen? Was mir hilft, ist, dass ich mit den Teammitgliedern auch immer alleine spreche und die Stimmung abhole. Man kann nicht alles sehen, darum ist es gut, auch einen Tipp zu bekommen.

Interview:  Beatrix Ta

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der aktuellen Ausgabe von treibstoff. Wir freuen uns über Ihr Feedback zu unserem Magazin unter treibstoff@newsaktuell.de. Laden Sie sich gleich die aktuelle Ausgabe herunter!

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