Kommunikation bei der DLRG

Gut nass! Kommunikation bei der DLRG

Kommunikation - 05. Dez 19

Immer weniger Menschen in Deutschland können schwimmen. Insbesondere der Nachwuchs lernt den richtigen Umgang mit Wasser nicht mehr ausreichend. Umso wichtiger wird die Arbeit der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Hauptziel der DLRG:  Menschen vor dem Ertrinkungstod zu bewahren. Wie macht das ein gemeinnützig organisierter Verband? Wir sprachen mit Achim Wiese, DLRG-Pressesprecher und Leiter Verbandskommunikation und Fundraising, über Lobbyarbeit, das Potenzial von Social Media bei Aufklärung und Recruiting und die wichtigsten Baderegeln.

Achim Wiese DLRG
Achim Wiese, DLRG-Pressesprecher und Leiter Verbandskommunikation und Fundraising. Foto: DLRG

news aktuell: Wie lassen sich die Haupttätigkeitsbereiche der DLRG zusammenfassen?

Wiese: Der Markenkern der DLRG ist, Menschen in Wassernot zu helfen und sie vor dem Ertrinkungstod zu bewahren. Dazu hat sich die DLRG drei Kernaufgaben gesetzt: Aufklärung, Ausbildung und den Einsatz.

news aktuell: Welche Hauptziele hat Ihre Kommunikationsarbeit?

Wiese: Menschen zu informieren, dass es viel Spaß und Freude bereitet, sich im Wasser zu bewegen und schwimmen zu können. Aber es wird auch auf die Gefahren hingewiesen – wo ist es besonders gefährlich zu baden, oder wo sollte man es lieber lassen? Baderegeln sind nicht nur ein Hinweis auf dem Papier, sie sollten auch gelebt werden und können dann auch Leben retten.

news aktuell: Wie sieht ein konkreter Arbeitstag bei Ihnen in der Pressestelle des DLRG aus?

Wiese: Mein Tag beginnt mit Kaffee trinken und Zeitung lesen: Was gibt es in Bezug auf DLRG, Schwimmen, Ertrinken, Bäderpolitik, Ehrenamt etc. in den Medien? Dann folgen Besprechungen über Inhalte in den sozialen Medien, etwa welche Spots wir mit welchem Text veröffentlichen wollen. Wir überlegen, was in der Verbandszeitschrift „Lebensretter“ erscheinen soll: Was ist das Topthema, welche regionale Themen Covern wir? Auch planen wir gemeinsam, welche Pressemeldungen wann zu welchen Themen veröffentlicht werden. Außerdem beantworten wir oft allgemeine Medienanfragen zu Gefahren an und im Wasser, zu Schwimmbadschließungen, zur Schwimmfähigkeit der Menschen (insbesondere der Kinder) oder auch zu Zahlen der Toten durch Ertrinken. Kampagnenplanungen stehen ebenso auf der Tagesordnung wie Inhalte der politischen Lobbyarbeit.

news aktuell: Vor welchen Herausforderungen steht die Kommunikation bei einem ehrenamtlich organisierten Verein wie der DLRG?

Wiese: Oftmals liegt eine große Herausforderung in der Abstimmung, denn die ehrenamtlichen Vertreter des Verbandes sind nicht immer zu jeder Zeit erreichbar, da sie selbst einen Beruf ausüben. Abstimmungsabsprachen können sich auch das eine oder andere Mal hinziehen.

news aktuell: Wie organisieren Sie die Abstimmungsprozesse als Bundesverband mit den regionalen Mitgliedern?

Wiese: Durch unsere internen Kommunikationskanäle funktioniert das grundsätzlich recht gut. Wir nutzen hier auch die sozialen Medien sehr intensiv.

news aktuell: Apropos soziale Medien: Welche Art von Content posten Sie?

Wiese: In den Kanälen, die eher für die interne Kommunikation genutzt werden, stehen zum Beispiel Informationen zu unterschiedlichen Prüfungsordnungen im Vordergrund. Die Social-Media-Kanäle für die externe Kommunikation – allen voran Facebook und Instagram – nutzen wir für Informationen zur Schwimmausbildung, also wo kann man das Schwimmen erlernen, was braucht man dazu, wer sollte die Schwimmausbildung durchführen und wo? Wir informieren, wo es besonders schön oder eben auch gefährlich im Wasser sein kann. Natürlich nutzen wir die sozialen Medien auch zur Nachwuchswerbung, zeigen den Menschen, dass es Spaß bereitet, bei der DLRG mitzumachen.

Wir fragen immer, rettet das, was wir jetzt planen, einem Menschen möglicherweise das Leben?Klicken, um zu twittern

news aktuell: Wie wichtig ist Social Media inzwischen für Recruiting?

Wiese: Für die Suche nach Personal haben die sozialen Medien an Bedeutung erheblich zugenommen. Gerade für den Einsatzbereich suchen wir natürlich Menschen gerade in der Zielgruppe dieser Medien. Aber auch in den anderen Bereichen helfen uns die sozialen Medien, damit erreichen wir die Menschen direkt und können sofort mit ihnen ins Gespräch kommen.

news aktuell: Wie messen Sie Ihren Erfolg auf Social Media?

Wiese: Wir nutzen die unterschiedlichsten Instrumente, die von den jeweiligen Kanälen angeboten werden und darüber hinaus nutzen wir auch zum Beispiel forsa (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH).

news aktuell: Wie groß ist Ihr Social-Media-Team?

Wiese: Die DLRG hat einen Arbeitskreis Soziale Medien, der aus rund zehn bis zwölf ehrenamtlichen Mitgliedern besteht. Hinzu kommt ein hauptamtlicher Mitarbeiter.

news aktuell: Immer mehr Menschen können nicht mehr schwimmen, so zumindest lauten diverse Studien. Inwiefern hat Ihre Arbeit in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen? Oder stimmt das gar nicht? Was würden Sie sich hier von der Politik, aber auch dem einzelnen Individuum wünschen?

Wiese: Das ist eines unserer Hauptthemen. Dazu haben wir verschiedene Untersuchungen durchführen lassen. Rund 60 Prozent der Zehnjährigen, die die Grundschule verlassen, können nicht sicher schwimmen – eine dramatische Entwicklung. Hier ist starke politische Lobbyarbeit notwendig. Auch haben wir hierbei sehr deutlich gelernt, wie zäh und langwierig das manchmal sein kann. In Bezug auf die mittlerweile schlechte Schwimmfähigkeit haben wir es auf Bundesebene zum zweiten Mal als Sachverständige in den Sportausschuss des Deutschen Bundestages geschafft. Die Bundespolitik hat verstanden, wie wichtig das Schwimmen für die in Deutschland lebenden Menschen ist. Unsere größte Hoffnung liegt jetzt im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Ihm werden wir in einer öffentlichen Anhörung am 9. Dezember verdeutlichen, wie wichtig der Bädererhalt in Deutschland ist. Diese große Hürde muss unsere Petition noch nehmen und wir müssen abwarten, inwieweit sie es in den Bundestag schafft. Drücken Sie die Daumen.

news aktuell: Bei Ihnen dreht sich viel um Lebensrettung. Gibt es einen konkreten Einsatz, die Ihnen dauerhaft in Erinnerung bleiben wird?

Wiese: Bei uns dreht sich nicht nur viel um Lebensrettung, bei uns dreht sich alles um die Lebensrettung. Wir fragen immer, rettet das, was wir jetzt planen, einem Menschen möglicherweise das Leben? Wenn wir diese Frage mit einem "Ja" beantworten können, wird der kreativen Energie keine Grenze gesetzt. Einsätze bleiben immer in Erinnerung. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen und das wird all unseren Rettungsschwimmern so ergehen. Da gibt es keine, die man hervorhebt. Es zählt in dem entscheidenden Moment nur eines, nämlich das Leben dieses einen Menschen zu retten.

news aktuell: Was sollte jeder beim sicheren Umgang mit Wasser beachten?

Wiese: Ganz wichtig: Man sollte niemals alleine schwimmen gehen. Und falls doch sollten immer andere Menschen in der Nähe sein, die – falls etwas passiert – helfen können. Das ist eine der Baderegeln, die die DLRG entwickelt hat. Und diese gelten nicht nur für die kleinen Badegäste. Sie gelten auch für uns Große und wenn wir uns nur ein wenig nach ihnen richten würden, wäre alles noch schöner. Wasser ist ein Erlebnisraum, in dem es Spaß macht sich zu bewegen. Als sicherer Schwimmer gelte ich aber erst dann, wenn ich das Schwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer) erreicht habe. Na dann: Gut Nass!

Achim Wiese ist seit 1966 Mitglied in der DLRG Hamburg (Wandsbek), seit dem zehnten Lebensjahr aktiv in der DLRG tätig - auf allen Gliederungsebenen - zuletzt von 1998 bis Mitte 2015 im Präsidium des Bundesverbandes. Im richtigen Leben ist der gebürtige Hamburger und HSV-Fan Journalist in den Medien Print, Hörfunk und Fernsehen wie auch Lehrbeauftragter der Hochschule Hannover.
 

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