Green Marketing als Chance treibstoff

Grün, grün, grün ist alles, was ich hab`

Marketing - 20. Mai 20

Auf der einen Seite sind wir nachhaltig, politisch korrekt, öko oder auch woke. So der einhellige Tenor der öffentlichen Diskussion, unserer Social-Media-Feeds und des gesunden Menschenverstands. Auf der anderen Seite wollen wir Produkte produzieren, um diese in der freien Marktwirtschaft zu verkaufen. Ein Widerspruch, der einer moralischen Gratwanderung gleicht: Ist es überhaupt möglich, unternehmerisch fair zu sein, wenn die Ziele Absatzsteigerung und Gewinnmaximierung lauten? Natürlich ist es das. Vielmehr: Grünes Marketing kann – richtig eingesetzt – eine Chance für nachhaltige Markenbildung sein.

Eine nachhaltige Produktion, faire Löhne und eine achtsame Unternehmensführung werden für Konsumenten zu immer wichtigeren Kaufargumenten und für Marken zu zentralen Themen ihrer Story. Hersteller proklamieren stolz ihre klimaneutrale Produktion direkt auf der Produktpackung, da dieses Asset bei Kunden wirkt. Knäckebrot-Bäcker Wasa ist eines vieler Beispiele. Und das lohnt sich.

Auch gesellschaftlich herausfordernde Situationen wie die Corona-Pandemie bieten Unternehmen Gelegenheit, sich als verantwortungsbewusster Anbieter zu beweisen. Digitale Tools wie die Video-Conferencing-Anwendung Zoom oder die VoIP-App StudioLink schalten Pro-Features in ihren Freemium-Varianten frei und Textilhersteller wie Oderso oder NTG satteln auf die Produktion von Atemschutzmasken um. Das zwischenmenschliche Zusammenrücken in Zeiten der Krise zahlt auch aufs Image dieser Anbieter ein.

Laut der Studie „Spotlight: Nachhaltiger Konsum“ der GroupM-Forschungsunit M-Science empfindet es knapp die Hälfte aller Deutschen als positiv, wenn Markenwerbung auf Nachhaltigkeit setzt. Ein Drittel achtet beim Kauf auf Abfallvermeidung und ein Viertel ist die Unterstützung regionaler Händler bei der Produktwahl wichtig.

GRÜN WERBEN, GRÜN HANDELN

Der „erwachte“ Käufer hat dabei einen direkten Impact auf die Hersteller. Das Bestreben sich einer grünen Gesellschaft als Kaufoption zu empfehlen, motiviert Unternehmen genau dies zu tun: grün zu werden. Denn Authentizität ist beim Green Marketing entscheidend: Kritische Käufer entlarven leere Worthülsen und strafen diese im Social Web ab.

Unternehmen aus klassischerweise weniger umweltfreundlichen Branchen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Die Automobilindustrie ist eine solche Branche. In der Produktion wird Erdöl verbraucht, das fertige Auto pumpt CO2 in die Atmosphäre. Doch genau hier liegt die Chance: Hersteller, die diesen Kreis durchbrechen, multiplizieren ihre Werbewirkung. Tesla steht für das Auto der Zukunft und kommt mit der Produktion seiner Elektroautos kaum hinterher. Die BeoPlast Besgen GmbH gewinnt als klimaneutraler Hersteller von Bauteilen für die Automobilindustrie Preise.

Die Welt ändert sich und nur zögerlich verändern sich die Hersteller mit. Das achtsame Kaufverhalten einer mehr und mehr umweltbewussten Zielgruppe macht es ihnen jedoch leichter. So wird die Frage in Zukunft vielleicht nicht mehr lauten, ob Marketing und Nachhaltigkeit zusammengehen, sondern: Kann man es sich überhaupt leisten, nicht grün zu sein?

Autor: Michael Klaffke

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der aktuellen Ausgabe von treibstoff. Wir freuen uns über Ihr Feedback zu unserem Magazin unter treibstoff@newsaktuell.de. Laden Sie sich gleich die aktuelle Ausgabe herunter!

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Kommentare (2)

  • Von Judith, 23.07.20 09:36 Uhr

    Hallo,

    der in dem Fließtext aufgeführte Link führt nicht zu der besagten Studie, sondern nur zu der Internetseite, welche etliche Agenturen der m-Gruppe aufführt. Dort ist die Studie auch nicht zu finden.

    Ich erachte es als essentiell, bei der Rezension einer Studie auch das Original vorzulegen...

  • Von Beatrix Ta, 23.07.20 04:45 Uhr

    Liebe Judith,
    vielen Dank für den Hinweis. Es tut uns leid, dass Sie keinen direkten Link mehr zur Studie vorfinden konnten. Wir hatten in dem Blogpost ursprünglich auf den Artikel, den die m-Gruppe zu ihrer Studie veröffentlicht hatte, verlinkt. Leider scheint dieser Beitrag nicht mehr online zu sein, denn die URL wir auf die Startseite umgeleitet. Wir werden bei der m-Gruppe mal nachforschen, wie wir ggf. anderweitig die Studie auftreiben können - und wenn wir fündig werden, melde ich mich natürlich wieder bei Ihnen.

    Herzliche Grüße vom news aktuell Blog Team,
    Beatrix Ta

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