Disruptive Marketing: "Autsch, mein Pain tut weh"

Marketing

Disruption ist, martialisch gesagt, die Zerschlagung des Etablierten. Wir verabschieden uns von festen Prozessen, von verschlankten Workflows und effizienten Abläufen Zugunsten des Unbekannten und Unerprobten. Klar, bei kreativen Tätigkeiten wie der Produktkonzeption, oder der Suche nach PR-Gags kann das funktionieren. Aber wie sieht es beim Marketing aus? Schließlich ist der biblische Verlass auf Zahlen, Daten und Analysen der Kitt des Online- und Performance-Marketings. Hier Outside the Box zu denken ist... gar nicht so schwer!

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche öffnet ständig neue Potenziale, Kunden und Interessenten anzusprechen – je innovativer, desto besser. Wir sind AR, VR, KIs und Sprachassistenten längst aus dem privaten Medienkonsum gewohnt. Daher scheint es nur folgerichtig, dass auch die Werbung nachzieht und sich dieser Elemente bedient, um Kaufanreize zu schaffen. Anstatt also Budgets wie gewohnt ausschließlich in Anzeigen zu pumpen, kann es sich lohnen, in die Entwicklung eines Echo Skills zu investieren, in eine AR-App, die per QR-Code am POS gelauncht wird, oder einen vollständig virtuellen Shop zu bauen, den User per Cardboard und Co. betreten können, um sich exklusive Rabatte zu sichern.

Der Möglichkeiten gibt es viele und jeder Werbetreibende muss erörtern, welche besonders gut zum eigenen Pain passen. Funktionieren beispielsweise die Abverkäufe am POS gut, im Online Shop hingegen nicht, kann es sich lohnen zu recherchieren, welche alternativen Zahlungs- und Abwicklungsmodelle es gibt, die eher branchenunüblich sind. So hat Axel Springer beispielsweise in Kooperation mit Disrooptive den Warenkorb im Online Shop als unnötigen Zwischenschritt, der vom Kauf abhält, kurzerhand abgeschafft, durch eine schlankere Lösung ersetzt und damit den Umsatz verdoppelt. 

Aus der Masse herausstechen

Auch die Wahl der Kanäle, der Ansprache und der Botschaften kann helfen aus dem ewig gleichen Trott auszubrechen, der keine neuen Zielgruppen auf die Webseite lockt. Hierzu müssen nicht einmal Sprints und Prototypen entwickelt werden. Die BVG, oder das Klinikum Dortmund sind zwei Unternehmen, die nicht so gut auf Social Media funktionieren dürften, wie sie es tun. Und genau diese Chance haben sie genutzt. Inzwischen ist die BVG für ihre frechen Kampagnen berühmt und das Klinikum Dortmund macht Schlagzeilen wegen ihres humorvoll authentischen Tik Tok-Accounts, mit welchem sie vor allem unter Jugendlichen für sich werben.

Stiehl mit Stil

Dabei muss das Rad nicht ständig neu erfunden werden. Es geht nämlich weniger um das WAS, sondern viel mehr um das WIE. So sind lustige Social Media Accounts, AR-Apps und schlanke Vertriebsstrukturen allseits bestens bekannt. Die Kunst liegt darin, die eigenen Pains zu erkennen und sich vorhandener Lösungen aus anderen Bereichen zu bedienen. Damit wird zwei Fliegen mit ein und derselben Klappe der Garaus gemacht: Nicht nur wird das eigentliche Problem gelöst, sondern das Unternehmensimage nebenher aufpoliert. Es gilt also zu adaptieren, um zu innovieren. Mit etwas Mut die Disruption voranzutreiben, können die ersten Schritte recht leicht genommen werden. Und beim richtigen Sprint ist auch die Gefahr hinzufallen einkalkuliert.

So können disruptive Maßnahmen zunächst unter der Käseglocke ganz isoliert getestet werden, um zu prüfen, wie sie sich anfühlen, wie sie passen und ob der nervtötende Pain gelindert wird. Landingpages für konkrete Kampagnen sind eine hervorragende Spielwiese für neue Zahlungssysteme. Ein kleiner Tik-Tok Account in den Händen kreativer Social Media Manager kann bei den traditionellen Kunden wenig Schaden anrichten. Also: einfach mal machen! Und wenn's doch mal schief geht, hat man immerhin eine schöne Fuckup-Story zu erzählen und ist voll motiviert es bei der nächsten Disruption besser zu machen...

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