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Charaktere der Branche: Sohrab Taheri-Sohi vom BRK

Kommunikation - 29. Jul 21

Karriere, Learnings, Werte und Prinzipien: In unserer Blog-Reihe "Charaktere der Branche" sprechen wir mit spannenden Persönlichkeiten der Kommunikationswelt. Sohrab Taheri-Sohi leitet seit 2019 die Kommunikation des Bayerischen Roten Kreuzes und wurde im Rahmen der Initiative #30u30 im vergangenen Jahr als Top-Talent ausgezeichnet. Bereits mit 20 Jahren übernahm er die Verantwortung für die Kommunikation des Verbandes mit rund 26.000 Haupt- und 180.000 Ehrenamtlichen im Freistaat.

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Sohrab Taheri-Sohi, Leiter Kommunikation und Pressesprecher BRK. Foto: BRK

news aktuell: Du wurdest mit 20 Jahren zum Leiter Kommunikation und Pressesprecher des Bayerischen Roten Kreuzes befördert, nachdem Du zuvor bereits als stellvertretender Pressesprecher aktiv warst. Du hast damit schon sehr früh in Deiner Karriere eine Stelle mit großer Verantwortung übernommen – war diese Entscheidung für Dich ein „No Brainer“? Oder war der Weg weniger vorgezeichnet, als es rückblickend erscheint?

Taheri-Sohi: Schon immer war es mein Wunsch, Arzt zu werden. Ich engagierte mich als Schulsanitäter, später dann ehrenamtlich im Jugendrotkreuz und schließlich im Rettungsdienst in Nürnberg. Über diesen Weg bin ich überhaupt ins Rote Kreuz gekommen. Ich habe das „Helfer-Gen“ in mir, also die Faszination am Helfen, schnell entdeckt. Gleichzeitig stellte sich in meinem Ehrenamt in Nürnberg die Frage, wie das Rote Kreuz ansprechender für junge Menschen werden kann – denn der Nachwuchsmangel ist auch im Ehrenamt ein Thema. Ich brachte das Rote Kreuz in Nürnberg in das Zeitalter der sozialen Medien und lernte auf diese Weise auch ganz anders mit diesen Medien umzugehen. Meine persönliche Überzeugung von dieser Organisation gepaart mit dem Interesse für Medien und Kreativität zeichnete mir das Bild eines neuen Berufswunsches und Weges.  

news aktuell: Gibt es in der Retrospektive etwas, dass Du Deinem jüngeren Ich mitgeben würdest? Was waren die größten Learnings für Dich in den vergangenen Berufsjahren?

Taheri-Sohi: Ich finde es wichtig, dass man sich das Offensein für Neues nicht abspricht und auch nicht absprechen lässt. Denn sonst vertust Du Deine besten und wichtigsten Chancen im Leben. Eine gute Mischung aus Offenheit, Bewusstsein und Neugier hilft, solche Chancen zu erkennen. 

Und – ganz wichtig: Ich wäre nicht da, wo ich heute sein darf, wenn es keine Menschen gegeben hätte, die mich unterstützt, gefördert und an mich geglaubt hätten. Die Geschäftsführerin des Roten Kreuzes in Nürnberg, Brigitte Lischka, spielt dabei eine zentrale Rolle: Einem zu dem Zeitpunkt 16-Jährigen zuzutrauen, eigenständig eine Facebook-Seite zu betreiben und eine neue Webseite für das Rote Kreuz in Nürnberg aufzubauen, ist ein großer Vertrauensvorschuss.

Den nächsten großen Vertrauensvorschuss erlebte ich vom Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, Leonhard Stärk – meinem heutigen Chef. Er traute mir zu, mit 19 Jahren einen komplett neuen Bereich (Soziale Medien und Einsatzkommunikation) zu verantworten und exakt ein Jahr später die Kommunikation des Bayerischen Roten Kreuzes.

news aktuell: Welche Werte bzw. Prinzipien sind Dir bei Deiner Arbeit wichtig? Wie kannst Du sie beim BRK umsetzen?

Taheri-Sohi: Als ich am 1. Juli 2019 Kommunikationschef wurde, hatte ich zuvor maximal ein Fahrzeug geführt. Wochen bevor ich die neue Funktion angetreten bin, habe ich mich gefragt, ob ich mich nun anders verhalten, kleiden oder ausdrücken sollte. Ich habe mir zu diesem Zeitpunkt ein Prinzip gesetzt: All das nicht zu tun, ich selbst zu bleiben und mich nicht krampfhaft zu verstellen. Wieso denn auch?  

news aktuell: Du hast Ende letzten Jahres in einem Interview im PR Report im Rahmen der Nachwuchsinitiative #30u30, bei der Du als Kommunikationstalent ausgezeichnet wurdest, gesagt, dass die Bedeutung der Qualifikation eines Mitarbeiters häufig überschätzt wird. Was genau meinst Du damit? Welche Skills, Fähigkeiten oder Erfahrungen sind Deiner Meinung nach wichtig für den modernen Kommunikationsberuf?

Taheri-Sohi: Ich habe mich vor einiger Zeit selbst dabei ertappt, als ich Bewerbungen gesichtet und bei jeder der Bewerbungen sofort auf die Karriere-Stationen geschaut habe. Ich gebe zu: Ich habe den Stapel von vorne begonnen und den Lebenslauf erst angeschaut, als eine erste Auswahl festlag. Und es zeigte sich: Die erste Selektion hat sich gar nicht mehr mit der Zweiten gedeckt. Und nachdem die besagte Stelle jetzt seit über einem Jahr besetzt ist, weiß ich: Es war genau die richtige Entscheidung.

news aktuell: Wie habt ihr beim BRK und Du persönlich die letzten Monate in der Pandemie erlebt? Wart ihr als Hilf- und Rettungsorganisation in besonderem Maße gefordert?

Taheri-Sohi: Es gibt keine Institution, die von der Pandemie so unmittelbar betroffen ist und gefordert wird wie das Rote Kreuz. Mitarbeitende in der Pflege oder im Rettungsdienst sind einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt. Wir werden immer dann gerufen, wenn es keine staatlichen oder kommerziellen Strukturen für eine Leistung gibt – beispielsweise zur Durchführung von Corona-Testungen an den Autobahnen für Reiserückkehrer aus Risikogebieten im Sommer 2020. Zu Beginn der Pandemie brachten wir Menschen Lebensmittel nach Hause, die sich aufgrund ihres Alters oder ihrer Vorerkrankungen nicht mehr auf die Straße trauten.

Unsere Jugendrotkreuzler in Mitterteich, der ersten deutschen Stadt mit einer richtigen Ausgangssperre, malten Bilder und verteilten diese überall in der Innenstadt – um Mut und Zuversicht zu verbreiten in diesen schwierigen Zeiten. Ganz zu Beginn der Pandemie standen wir vor einer großen Herausforderung: Billigste Cent-Artikel wie OP-Masken, Handschuhe oder Schutzkittel waren am europäischen Markt nicht mehr zu bekommen, da die asiatischen Lieferketten zusammengebrochen waren. Wir waren kurz davor, Dienste am Menschen einstellen zu müssen, da der Schutz unserer eigenen Mitarbeitenden nicht sichergestellt schien. Ein Horrorszenario für eine Organisation, deren Mission es ist, Menschen zu helfen.

news aktuell: Welchen Stellenwert nimmt Kommunikation in der Rot-Kreuz-Gesellschaft ein? 

Taheri-Sohi: Einen höheren, als es noch vor der Pandemie war. Mit der Pandemie wurde deutlich, dass wir viel besser, schneller und transparenter kommunizieren müssen. Auf Kreisebene, aber auch auf Bezirks- und Landesebene. Die interne Kommunikation hat einen viel höheren Stellenwert bekommen. Wir haben inmitten der Pandemie Mitte 2020 eine Mitarbeiter-App für unsere Mitarbeitenden in der Landesgeschäftsstelle gelauncht. Hier haben sich nun auch weitere Kreisverbände angeschlossen, weil sie merken: In Zeiten von Home-Office darf der Draht zum Mitarbeitenden nicht verloren gehen. Der Flurfunk ist wichtiger denn je – also haben wir ihn digitalisiert.

news aktuell: Welche Rolle spielt für das BRK das Thema Digitalisierung? Hat Corona zu einer Veränderung geführt?

Taheri-Sohi: In einigen Hinsichten wurden auch wir kalt erwischt – die Digitalisierung ist dabei ein Beispiel. Da wir vor der Pandemie nie einen bayernweiten Krisenfall im Bayerischen Roten Kreuz hatten, gab es auch keine digitalisierten Strukturen zur Zusammenarbeit und zur Kommunikation zwischen den einzelnen Verbandsebenen. Wir haben 73 Kreis- und fünf Bezirksverbände flächendeckend im Freistaat Bayern verteilt. Alle haben aufgrund unterschiedlicher Begebenheiten unterschiedliche Ausgangssituationen. Unsere östlichen Kreisverbände beispielsweise hatten durch ihre Nähe zur tschechischen Grenze andere Herausforderungen als Kreisverbände in Ballungsräumen.

All diese Besonderheiten galt es zusammenzuführen, um ein vollständiges Lagebild auf Landesebene zu erhalten. Da ich mehrere Programmiersprachen beherrsche, habe ich Mitte des Jahres ein Web-Tool entwickelt, das jedem Kreisverband die Meldung standardisierter Daten ermöglichte. Mithilfe dieser Daten wussten wir tagesaktuell, wie viele Mitarbeitende erkrankt, wie viele davon mit dem Virus infiziert sind oder wie viele sich in Quarantäne befinden. Damit hat sich die Leistungsfähigkeit des Verbandes ablesen lassen.

news aktuell: Gibt es Bereiche, Themen oder kommunikative Herausforderungen, die Dich reizen und bei denen Du Dir vorstellen könntest, eines Tages mitzuwirken? 

Taheri-Sohi: Ich bin ein politisch sehr interessierter Mensch mit einer besonderen Leidenschaft für Krisenkommunikation. Es gibt daher auch Bereiche in der Politik, die mich besonders interessieren und reizen. Regelkommunikation und PR sind das eine, doch die Leistung und Qualität eines Kommunikators lässt sich in der Krise messen.

Interview: Martin Marsmann

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