Charaktere der Branche: Christina Simon von Markenflora

Kommunikation - 23. Aug 21

In unserer Blog-Reihe "Charaktere der Branche" sprechen wir regelmäßig mit Persönlichkeiten aus der PR- und Kommunikationsbranche. Heute mit Christina Simon, die 2018 mit der Gründung einer eigenen Markenberatung, Markenflora, den Sprung in die Selbständigkeit wagte. 2014 wurde Christina Simon im Rahmen der Initiative #30u30 als eines der Nachwuchstalente in der deutschen Kommunikationsbranche ausgezeichnet. Wie kam es zum Schritt in die Selbständigkeit? Wie blickt sie auf die Branche und Young Professionals? Wir haben nachgefragt.

news aktuell: Du hast viele Jahre in der Strategieberatung und Kommunikation gearbeitet, unter anderem für Hering Schuppener Consulting und IBM. Mit „Markenflora“ hast Du Dich selbstständig gemacht und berätst Unternehmen im Bereich der Markenkommunikation – war der Schritt in die Selbstständigkeit lange geplant?

Christina Simon, Gründerin der Beratung "Markenflora". Foto: Christina Simon

Simon: Mit dem Gedanken, selbstständig zu arbeiten, spielte ich schon länger. Ich bin analytisch geprägt, lösungsorientiert und gestalte gern. Im Kontext der Markenkommunikation begeistert es mich, die Geschäftsstrategie zu erfassen, das Besondere herauszuarbeiten und die Persönlichkeit der involvierten Personen einfließen zu lassen. Richtig spannend wird es, wenn auch mein Gespür für das Visuelle zum Tragen kommt. Es war absehbar, dass ich mir irgendwann den Traumberuf erschaffen würde, der meine Stärken vereint.

Als ich Anfang 2018 der Liebe wegen ins waldreiche Mittelhessen zog, schien der Zeitpunkt passend. Nach rund zehn Jahren Berufserfahrung in verschiedenen Metropolregionen fühlte ich mich bereit, meine Expertise weiterzugeben. Bis zur Gründung nahm ich mir ein Quartal, um anzukommen, den Business-Plan mit der IHK auszuarbeiten, Kontakte zu knüpfen und erste Projekte vorzubereiten.

news aktuell: Gibt es rückblickend Erfahrungswerte oder Learnings der Existenzgründung, die Du in dieser Form nicht erwartet hättest? 

Simon: Weniger ist oft mehr, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Gerade in der Selbstständigkeit finde ich es entscheidend, die bestmögliche Qualität zu liefern, indem ich mein Angebot bewusst reduziere und nur eine ausgewählte Anzahl von Projekten parallel betreue. Es geht nicht darum, jeden potenziellen Auftrag zu gewinnen. Viel wichtiger ist es, die eigenen Stärken kontinuierlich zu fördern und gezielt Energie in die Projekte zu investieren, die von unserem spezifischen Talent profitieren.

Dies führt zur besten Form des Marketings: Weiterempfehlungen. Bemerkenswerte Marken fußen auf einer absoluten Klarheit über das, was sie auszeichnet. Die Grundlage ist, genau herauszuarbeiten, welchen Mehrwert man schenkt, worin die persönliche Einzigartigkeit besteht – und, ganz zentral: welche Zielgruppe dies zu schätzen weiß. Dies sollte man auf eine interessante, eindeutige und konsistente Weise vermitteln, um den eigenen Expertenstatus zu stärken.

Im Laufe der Zeit entsteht ein Netzwerk aus Gleichgesinnten, das einen schätzt und bereit ist, Preise zu zahlen, die den besagten Mehrwert widerspiegeln. Diese Menschen begegnen einem mit Respekt und dem Vertrauen, das nötig ist, um als Beraterin eine brillante Arbeit leisten zu können. Damit meine ich beispielsweise die engagierte Mitarbeit seitens der Kundinnen und Kunden sowie das Verständnis für ausreichend Zeit und die benötigten Ressourcen.

news aktuell: Mit welcher Strategie positionierst Du Dich und Markenflora im Geflecht von PR-Agenturen und anderen Dienstleistern? 

Simon: Mit Markenflora fokussiere ich mich auf die strategische Positionierung von Marken; frei nach dem Motto: „Lassen Sie Ihre Marke erblühen.“ Bei meinen Projekten geht es im Kern darum, absolute Klarheit über die eigenen Besonderheiten zu gewinnen und diese für eine bewusst umrissene Zielgruppe in Worte zu fassen. Prägnant auf den Punkt gebracht wird dies in den sogenannten Kernbotschaften. Je nach Anliegen der Kunden entwickle ich daraus auch strategische Texte, zum Beispiel Webseiten-Inhalte oder Präsentationen zur gezielten Kundenakquise.

Häufig befassen wir uns ebenso mit den Richtlinien zur Darstellung der Marke, sodass die gewünschten Inhalte künftig auch optisch stimmig vermittelt werden. Als zweites Standbein fotografiere ich lebendige Reportagen am Arbeitsplatz mit meiner Leica, um die authentische Atmosphäre und die Menschen zu zeigen, die das jeweilige Unternehmen prägen.

Ich richte meine Beratungsdienstleistungen bewusst an Menschen, die keine eigene Abteilung für strategische Kommunikation haben. Neben Mittelständlern und Arztpraxen sind dies Selbstständige sowie gesellschaftlich oder kulturell engagierte Organisationen. Alle eint ein gewisser Sinn für Ästhetik, der Wunsch, möglichst persönlich aufzutreten, und die Entschlossenheit, das eigene Potenzial zu nutzen. Auch meine Fotoreportagen zielen darauf ab, die persönlichen Geschichten und Besonderheiten zu vermitteln, welche insbesondere bei unternehmergeführten Betrieben eine große Rolle spielen. Interessanterweise haben mich auch schon Konzerne gebucht, um durch meine emotionale Bildsprache nahbarer zu wirken. Die Fotos werden im Rahmen des globalen Employer Brandings oder der internen Führungskräftekommunikation erfolgreich genutzt.

Die großen Beratungen und Agenturen sehe ich nicht als Konkurrenz. Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, Menschen den Zugang zur strategischen Kommunikation zu erleichtern und gleichzeitig hochwertige Ergebnisse zu erzielen, die deren Geschäft voranbringen.

news aktuell: Hat sich Dein Blick auf die Arbeit(sweise) in der PR- und Kommunikationsbranche seit der Gründung von Markenflora verändert?

Simon: Wenn ich die Arbeitsweise und die Kultur meiner vorherigen Arbeitgeber miteinander vergleiche, ist die Bandbreite bereits beachtlich. Was sich an meinem Blick auf die PR- und Kommunikationsbranche durch die Selbstständigkeit verändert hat: Die Unterschiede der verschiedenen Organisationen bewusst anzuerkennen und jede in ihrer Einzigartigkeit zu schätzen.

Für unsere Branche gibt es so viel zu tun, dass es gut ist, stark und divers aufgestellt zu sein: Die strategische Kommunikation ist wichtiger denn je. In einer Welt, die immer komplexer wird und unendliche Wahlmöglichkeiten bietet, müssen wir Wege finden, die Orientierung zu erleichtern. Die Kunst besteht darin, möglichst gezielt vorzugehen. Wir Kommunikatorinnen und Kommunikatoren haben die wundervolle Gabe, die richtigen Menschen zusammenzubringen. Respektvoll, auf Augenhöhe. Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn wir ehrlich vermitteln, was den Akteur bzw. die Akteurin auszeichnet – und wenn diese Botschaft von den Menschen verstanden wird, die genau danach suchen. 

Deshalb müssen wir uns – aller Taktung zum Trotz – gerade für die strategische Positionierung bewusst Zeit nehmen. Zeit, um zuzuhören und gezielt nachzufragen, um mit den Verantwortlichen zu diskutieren bis absolute Klarheit herrscht. Schließlich geht es darum, die Geschichten der Menschen zu erzählen, die unsere Gesellschaft voranbringen. Die Menschen, die sich einsetzen, die angesichts der zahlreichen Herausforderungen nicht verzweifeln und die Welt gestalten.

news aktuell: Du wurdest 2014 im Rahmen der #30u30 Initiative als eines der Nachwuchstalente in der deutschen Kommunikationsbranche ausgezeichnet. Wie bewertest Du die Sichtbarkeit von Young Professionals und welche Tipps hast Du für den PR-Nachwuchs?

Simon: Ich finde es klasse, dass wir beispielsweise mit Nico Kunkel einen kreativen Kopf in der Branche haben, der den Nachwuchs in besonderem Maße fördert und der es versteht, zukunftsweisende Netzwerke zu bilden. Spannend wird es für alle Beteiligten schließlich erst dann, wenn sich die Young Professionals untereinander sowie mit erfahrenen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren austauschen, um Neues entstehen zu lassen. So manches Unternehmen kann ruhig etwas nachlegen, indem es die eigenen jungen Köpfe öffentlichkeitswirksam einsetzt und den betriebsübergreifenden Austausch innerhalb der Branche fördert.

Zu den Tipps für den Nachwuchs: Unsere Profession ist außerordentlich vielfältig und sie lebt von der Anwendung. Engagiert euch schon im Rahmen der Uni bei Praxisprojekten, beispielsweise über die studentischen Beratungsinitiativen wie kommoguntia e.V. und durch unterschiedliche Praktika. Auch das Ehrenamt abseits unserer Branche bietet wertvolle Chancen. Jeder Verein – sei dieser kulturell oder sportlich geprägt –, jede kirchliche und politische Organisation benötigt engagierte Menschen, die sich so professionell wie möglich um die Kommunikation kümmern. Dort gibt es unglaublich viel für uns zu tun! Unterstützt die Bereiche, die euch am Herzen liegen, lernt bei der Umsetzung und teilt stolz, was ihr bewegt.

news aktuell: Hat sich die Sichtbarkeit Deiner Brand seit der Selbstständigkeit verändert? Oder anders gefragt: Haben Selbstständige in der Berichterstattung der Kommunikationsbranche überhaupt eine Chance gegen Kommunikatoren aus großen Unternehmen oder Agenturen? 

Simon: Aus Sicht der Kommunikationsbranche sollten wir uns neben den großen Playern auch näher mit den Selbstständigen beschäftigen. Wer als Experte besteht, eine eigene Klientel gezielt berät und durch kreative Lösungsansätze etwas bewegt, hat eine spezielle Sicht auf den Markt und treibt die Kommunikation als solche voran. Dies zu thematisieren, ist wichtig für den brancheninternen Diskurs. Insbesondere unseren Young Professionals müssen wir zeigen, dass auch eine Gründung eine Option sein kann – schließlich zählt der unternehmerische Weg in Deutschland nach wie vor nicht zur Selbstverständlichkeit.

In diesem Kontext ist es interessant zu wissen, dass ich den fachlichen Austausch innerhalb der Kommunikationsbranche schätze. Dort komme ich jedoch in der Regel nicht mit den Menschen in Kontakt, welche ich mit Markenflora unterstütze, weshalb ich meine Sichtbarkeit als Dienstleisterin nicht bewusst ausgebaut habe. Vielmehr verstehe ich es als Teil meiner Aufgabe, gezielt an den Orten präsent zu sein, wo meine typischen Geschäftspartnerinnen und -partner ein Gefühl für meine Expertise bekommen.

news aktuell: Was motiviert Dich in Deiner täglichen Arbeit?

Simon: Ich habe große Freude daran, Menschen kennenzulernen, deren Herausforderungen und Ideen zu verstehen – und ihnen ihr Potenzial aufzuzeigen. Wer Klarheit über die eigenen Stärken und Grenzen hat, kann darauf aufbauen und die Welt bewegen. Für mich ist es sehr erfüllend, die entscheidenden Aha-Momente gemeinsam zu erleben und im Laufe der Zeit mitzuverfolgen, wie sich dadurch neue Möglichkeiten für meine Kundinnen und Kunden eröffnen.

Im letzten Herbst entwickelten wir für einen meiner Kunden beispielsweise die Positionierung seiner Tätigkeiten als Coach, Redner und Philanthrop. Durch die gewonnene Klarheit und das stetige Wiederholen der Kernbotschaften hat sich sein Expertenstatus gefestigt und sein Netzwerk ist zielgerichtet gewachsen. Im kommenden Jahr wird sein erstes Buch erscheinen. Der Titel ist wortwörtlich die Essenz dessen, was wir gemeinsam erarbeitet haben – bei dieser Entwicklung geht mir das Herz auf.

Interview: Martin Marsmann

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