Sinnfluencer Aufstieg

Aufstieg der Sinnfluencer

Social Media - 18. Jun 20

Die Bubble, in der sich Sinnfluencer*innen bewegen, ist noch überschaubar. Die wohl relevanteste Facebook-Gruppe, die sich regelmäßig über Themen und Beiträge, Unternehmen und Marken rund um einen nachhaltigeren Lebensstil austauscht, zählt 200 deutschsprachige Blogger*innen und Instagrammer*innen. Nicht alle sind gleichermaßen aktiv, aber eines eint sie: der Wille, ihren Einfluss dafür zu nutzen, ethische Handlungs- und Konsumalternativen zu fördern. Ein Gastbeitrag von Julia-Maria Blesin, Sinnfluencerin und Gründerin des Blogs Nicetohave Mag.

Julia-Maria Blesin, Sinnfluencerin und Gründerin des Blogs Nicetohave Mag
Julia-Maria Blesin, Sinnfluencerin und Gründerin des
Blogs „Nicetohave Mag“

Mit unseren Inhalten möchten wir Bewusstsein schaffen für soziale Missstände und ökologische Desaster, die in der Produktion der Konsumgüter und im Handel oft "common practice" sind. Wir machen aufmerksam auf unsichere Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie, auf Mikroplastik in Kosmetik, auf unethische Tierhaltung, Monokultur in der Landwirtschaft, auf Lebensmittelspekulation konventioneller Banken und viele andere Missetaten von Wirtschaft und Politik, die die meisten von uns tagtäglich und unwissend unterstützen. Wir mäkeln und kritisieren aber nicht nur.

Ganz im Gegenteil: Wir werben leidenschaftlich mit sorgsam recherchierten Inhalten und ästhetischen Fotos und Bewegtbildern. "​Green, fair und fun" ist das Motto, unter dem ich auf ​Nicetohave Mag zu Nahreisen,​ Naturkosmetik, faire Mode, ​less waste und vielen anderen Themen eines ​ethical lifestyles informiere. Ich biete sinnvollen Produkten und Marken meine Plattform. Solchen, die mehr erfüllen, als den originären Zweck für Konsument*innen und die Profitmaximierung aufseiten der Produzenten. Sinnhafte Produkte und Services machen entlang der ganzen Wertschöpfungskette und für alle, die an ihr beteiligt sind, Sinn. Von der Rohstoffproduktion und deren Verarbeitung, über die Fertigung des Produktes, dessen Handel und die Nutzung bis zur Entsorgung. Die Parameter für die Sinnhaftigkeit eines jeden dieser Schritte sind die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Soziales und natürlich auch Ökonomie.

Viele unserer Partnerschaften mit Brands und Unternehmen sind langjährige Symbiosen, die über reine Produktkommunikation hinaus gehen.Klicken, um zu twittern

Ich selbst orientiere mich an dieser Bewertungsmatrix, wenn ich Kooperationen auswähle. Dabei werden selten alle Felder mit einem Häkchen versehen. Das geht in unserem Wirtschaftssystem mit globalen und bisweilen komplexen Liefer- und Prozessketten nicht immer. Aber echte Bemühung ist Key und die erkennen wir Sinnfluencer*innen. Genauso wie Greenwashing! Wenn das Marketingbudget für ein nachhaltige(re)s Produkt größer ist, als das eigentliche Projekt selbst, dann ist da etwas falsch. Ist der Anteil am Gesamtumsatz verschwindend gering, sollten Kommunikator*innen ganz genau überlegen, wie selbstbewusst man sich positioniert. Ein “grünes” Produkt zu launchen ist ein Start. Doch wie sehen die nächsten Schritte aus? Bleibt es bei einer Ergänzung des Portfolios oder gibt es einen wirklichen Change im unternehmerischen Handeln?

Liebe Marketeers und PR-ler*innen, unterschätzt uns und unsere Followerschaft nicht. Wir Sinnfluencer*innen stellen Fragen und erwarten Antworten bevor wir euch Zugang zu unserer Öffentlichkeit gewähren. Die ist bei vielen von uns im Übrigen (noch!) nicht ganz so reichweitenstark, wie ihr es gewohnt seid. Wir sind meist Microinfluencer*innen und punkten mit einer passgenauen Zielgruppe und einem hohen Engagement. Wir plappern Werbeclaims nicht nur nach. Wir kreieren hochwertigen Content, der eure Botschaften aufgreift und echte Erfahrungswerte widerspiegelt. Wir halten nicht heute ein Produkt in die Kamera und morgen das der Konkurrenz. Viele unserer Partnerschaften mit Brands und Unternehmen sind langjährige Symbiosen, die über reine Produktkommunikation hinaus gehen. Wer diese Leistung erkennt und fair bezahlt, Transparenz und vielleicht auch mal ein kritisches Wort nicht scheut, kann mit uns und unseren Follower*innen wachsen!

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der aktuellen Ausgabe von treibstoff. Wir freuen uns über Ihr Feedback zu unserem Magazin unter treibstoff@newsaktuell.de. Laden Sie sich gleich die aktuelle Ausgabe herunter!

Autor: Martin Marsmann

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