Ist der Hype um Snapchat wirklich gerechtfertigt oder bleibt die App nur ein flüchtiges Internet-Phänomen? Warum sich Unternehmen mit Snapchat beschäftigen sollten. Von Jochen Hencke

Snapchat Jochen Hencke

Jochen Hencke ist Content-Konzeptioner bei der Münchner Content-Marketing-Agentur d.Tales. Davor verantwortete er die Social-Media-Aktivitäten der Salzburger Brauerei Stiegl. Im Social Web ist er als @schneeengel unterwegs, bei Snapchat als „Rauriser“.

Wer über Kommunikation redet, kommt derzeit an einer App nicht vorbei: Snapchat. Die Mischung aus Messenger und Social Network entwickelte sich vom Sexting-Netzwerk zum „neuen heißen Scheiß“. Ist es nur die nächste Sau, die durchs (virtuelle) Dorf getrieben wird oder hat Snapchat eine reelle Chance, sich gegen den Platzhirsch Facebook durchzusetzen?

Ob Snapchat die nächsten Jahre überlebt oder vom nächsten Netzwerk oder von der nächsten App überholt wird, sei dahingestellt. Das Faszinierende an der App mit dem Geist im Logo ist die Art der Kommunikation und wie sie diese verändert. Kommuniziert wird oft einfach nur mit einem Foto des eigenen Gesichtsausdrucks. Das geht über Snapchat sehr schnell – schneller als über WhatsApp oder andere Messenger.

Bei Snapchat dreht sich sehr viel um die Vergänglichkeit. Schicken User eine private Nachricht an einen Kontakt, kann dieser die Nachricht einmal anschauen. Danach besteht die Möglichkeit, die Nachricht noch einmal zu wiederholen, aber spätestens dann verschwindet sie im Nirwana.

Veröffentlichen Nutzer ein Foto oder ein Video in einer öffentlichen Geschichte, bleiben diese 24 Stunden für alle Follower sichtbar. Danach verschwinden sie genauso wie persönliche Nachrichten.

Gastbeitrag Jochen Hencke Snapchat

Immer mehr Unternehmen experimentieren mit Snapchat. Ist das Netzwerk reif für die Unternehmenskommunikation?

 

Das Verschwinden der Nachrichten schreckt viele Unternehmen davon ab, auf Snapchat aktiv zu werden. „Warum sollten wir Energie in die Produktion von Inhalten stecken, die nach 24 Stunden weg sind?“, fragen die Verantwortlichen oft. Genau hier liegt der Knackpunkt. In Zeiten der Informationsflut tut es gut, dass etwas auch wieder verschwindet. Und sind wir mal ehrlich: Ein TV- oder Radiospot ist nach der Ausstrahlung auch verschwunden. Ein Tweet ist nach ein paar Minuten/Sekunden, ein Facebook-Post nach maximal ein paar Stunden nicht mehr auf der Timeline der User präsent.

Eine Snapchat-Geschichte bleibt 24 Stunden sichtbar und der User entscheidet sich bewusst, diese zu konsumieren. Das heißt, er nimmt sich Zeit dafür. So viel Aufmerksamkeit schenken die Nutzer den Geschichten auf anderen Netzwerken nicht.

Bei Snapchat ist es wichtig, kurze Geschichten zu erzählen – Storytelling zu betreiben. Hier gibt es schon einige gute Beispiele, wie zum Beispiel Taco Bell (Snapname: tacobell) in den USA oder auch Sixt in Deutschland (Snapname: sixtde). Selbst der ADAC (Snapname: adac_snap) machte gerade die ersten, unterhaltsamen Schritte auf Snapchat und gewährte Einblicke in die verschiedenen Aufgabengebiete des Unternehmens.

Doch auch Werbung ist in der App möglich. Unternehmen können etwa spezielle Filter veröffentlichen, besonders hervorgehobene „Live-Stories“ oder künftig sogar Spots zwischen den Geschichten der Nutzer schalten. Da wir hier allerdings von Preisen über mehrere hunderttausend Dollar sprechen, wird das eher großen Unternehmen vorbehalten sein.

Warum fangen nicht mehr Unternehmen klein an und nutzen jetzt die Chance, mit dem Tool etwas zu spielen? Im Moment ist der perfekte Zeitpunkt dafür. Noch schauen einem nur wenige auf die Finger, noch werden den Usern Fehler leicht verziehen – schließlich experimentieren alle noch damit herum.

 

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