Heute ist Weltfrauentag. Das nehmen wir zum Anlass, ausgewählte Frauen aus PR, Kommunikation und Medien zu Wort kommen zu lassen. Wir haben nachgefragt, wie sie die Rolle der Frau im heutigen Berufsleben sehen, welche Hindernisse sie überwinden mussten und was sie dem weiblichen Nachwuchs empfehlen. 

Name: Anja Kroll

Anja Kroll von Axa zur Rolle der Frau im Job

Anja Kroll, Presseprecherin bei AXA, Foto: privat

Titel: Pressesprecherin Corporate / Innovation, AXA Konzern AG

Meine Inspiration: Zukunftsorientierte Menschen, die über den Tellerrand blicken und Freude daran haben, Lösungen zu entwickeln statt Dinge zu zerreden ohne voranzukommen.

Hindernisse, die ich als Frau überwinden musste: Grundsätzlich arbeiten im PR-Sektor sehr viele Frauen, die zudem hochqualifiziert sind. Der Job bringt viel Verantwortung mit sich und erfordert eine hohe Flexibilität und gute Erreichbarkeit. Das wird jedoch Frauen wie Männern gleichermaßen abverlangt. Gut so!

Was mich als Frau im Job wütend macht: Wenn bei Podiumsdiskussionen noch händeringend eine Frau fürs Podium gesucht wird, damit es nicht komisch wirkt, wenn nur Männer da sitzen. Redner sollten nach ihrer Qualifikation und nicht nach ihrem Geschlecht ausgewählt werden.

Was Unternehmen besser machen können, um Frauen wie Männer gleichermaßen zu fördern: Den Gender Pay Gap schließen.

Mein Tipp für Job-Starter: Do what you love.

 

Name: Dorothea Wenzel

Dorothea Wenzel ,Dekanin der Fakultät Design, Medien und Information an der HAW Hamburg zur Rolle der Frau im Job

Dorothea Wenzel, Dekanin der Fakultät Design, Medien und Information an der HAW Hamburg. Foto: Holger Braack

Titel: Dekanin der Fakultät Design, Medien und Information an der HAW Hamburg

Meine Inspiration: Menschen, die mit Kopf, Herz und Hand die Geschicke des Alltags und der Welt bedenken und lenken.

Hindernisse, die ich als Frau überwinden musste: Wenige, denn die meisten habe ich aus verschiedenen Entscheidungen heraus selbst gesetzt. Ich wäre dennoch froh gewesen, wenn es helfende Hände gäbe, die die Hindernisse klein gehalten hätten.

Warum mehr Frauen an die Spitze sollten: Weil sie mit dem lateralen Denken, der Fähigkeit auch komplexe Strukturen und Prozesse zu handeln, für die Herausforderungen der Welt, der Natur, der Gesellschaft und der Kulturen der Menschen mehr zu bieten haben.

Was mich als Frau im Job wütend macht: Vermeintlich klare Entscheidungen, die verzögert werden und dann mit den falschen Argumenten eine Rechtfertigung erhalten. Oder komplexe Probleme, die trotz besseren Wissens nicht angemessen gelöst werden, sondern meist nach Schema „F“.

Was Unternehmen besser machen können, um Frauen wie Männer gleichermaßen zu fördern: Gute Förderung aller Geschlechter ist dann möglich, wenn man in Arbeitsprozessen, die es zulassen, von standardisierten Modellen abweicht, neue Formen sucht und durch Kommunikation die Bedarfe angemessen analysiert und artikuliert.

Mein Tipp für Job-Starter: Eine gute Analyse des Umfeldes, der Prozesse und der Kommunikationsstrukturen. Einen neugierigen und erweiterten Blick und wenig vorgefertigte Meinungen.

 

Magdalena Rogl, Head of Digital Channels, Microsoft, zur Rolle der Frau im Job. Foto: Justin Faust

Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft. Foto: Justin Faust

NameMagdalena Rogl

Titel: Head of Digital Channels bei Microsoft

Meine Inspiration: Im letzten Jahr hat mich Janina Kugel, CHRO bei Siemens sehr inspiriert. Janina sieht Mitarbeiter nicht als Ressource, sondern als Menschen. Besonders ihr Blick auf Diversität und den Faktor Mensch in der Digitalisierung beeindruckt mich immer wieder.

Hindernisse, die ich als Frau überwinden musste: Zu viele, um sie hier aufzulisten (lacht). Besonders häufig wird man als Frau einfach unterschätzt oder klein gehalten. Aber das sehe ich mittlerweile auch als Chance. Und meine 1,80 Meter lassen sich auch nicht mehr klein halten.

Warum mehr Frauen an die Spitze sollten: Weil Unternehmen mit diversen Führungsteams nachweislich erfolgreicher und produktiver sind. Und vor allem, weil der Nachwuchs Role Models braucht.

Was mich als Frau im Job wütend macht: Richtig wütend werde ich eigentlich selten, aber wenn jemand ungerecht behandelt wird, kann ich mich schwer zurückhalten. Ein absolutes No-Go sind für mich Chauvi-Sprüche oder anzügliche Bemerkungen.

Was Unternehmen besser machen können, um Frauen wie Männer gleichermaßen zu fördern: Ich glaube, wenn es mehr Frauen an der Spitze von Unternehmen gibt, wird das von ganz alleine passieren. Bis es soweit ist, liegt aber noch ein Weg vor uns. Ich würde mir wünschen, dass das Geschlecht bei der (Be-)Förderung gar keine Rolle mehr spielt.

Mein Tipp für Job-Starter: Kill them with kindness – and smartness 😉

 

Name: Edith Stier-Thompson

Edith Stier-Thompson, Geschäftsführerin bei news aktuell, zur Rolle der Frau im Job.

Edith Stier-Thompson, Geschäftsführerin von news aktuell. Foto: Robert Schlesinger

Titel: Geschäftsführerin von news aktuell

Meine Inspiration: Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und tiefes Vertrauen in meine MitarbeiterInnen. Kreatives Arbeiten braucht definitiv Vertrauen und die Bereitschaft, die inneren Grenzen fester Vorstellungen zu überschreiten und eine Offenheit zuzulassen. Wir news aktueller verstehen uns als Wegbereiter für neue Ideen und Inspirationen und setzen uns für ihre Umsetzung ein.

Was mich als Frau im Job wütend macht: Männerlastiges Management: Viele Männer predigen, dass zu wenig Frauen in Führungspositionen sind. Warum bitte holen sie dann keine Frauen ins Management?

Was Unternehmen besser machen können, um Frauen wie Männer gleichermaßen zu fördern: Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ist wichtig. Es braucht Modelle zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Gleichberechtigung muss gefördert werden. Meine Erfahrung: Frauen und Männer ergänzen sich super an der Spitze!

 

Name: Isabelle Ewald

Isabelle Ewald, Digital Communications Consultant, Otto Group, zur Rolle der Frau im Job.

Isabelle Ewald, Digital Communications Consultant bei Otto Group.

Titel: Digital Communications Consultant bei Otto Group

Meine Inspiration: Keine bestimmte Person beziehungsweise eine ganze Lagerhalle voll. In der Regel inspirieren mich Menschen, die aus eigener Kraft tolle Dinge auf die Beine stellen, sich dabei aber selbst höchstmöglich zurücknehmen.

Warum mehr Frauen an die Spitze sollten: Weil Vielfalt immer auch ein Erfolgsfaktor ist!

Was mich als Frau im Job wütend macht: Der Mythos von der Lohngleichheit.

Was Unternehmen besser machen können, um Frauen wie Männer gleichermaßen zu fördern: Es sollte mehr individuelle Förderprogramme für Arbeitnehmer in den unteren und mittleren Hierarchieebenen geben. Ich habe das Gefühl, das meiste Fördergeld wird vor allem in angehende und bestehende Führungskräfte investiert. Warum?

Mein Tipp für Job-Starter: Vernetzung, Vernetzung, Vernetzung.

 

Name: Sabine Grüngreiff

Sabine Gruengreiff Gruner + Jahr über die Rolle der Frau im Job

Sabine Grüngreiff, Leiterin Markenkommunikation bei Gruner + Jahr. Foto: Rieka Anscheit

Titel: Leiterin Markenkommunikation bei Gruner + Jahr

Mein Tipp für Job-Starter: Finden Sie heraus, was Ihnen Spaß macht und wofür Sie brennen! Nutzen Sie die Zeit während des Studiums oder der Ausbildung, um möglichst viele Branchen und Bereiche kennenzulernen. Meine Erfahrung ist, dass man in den Dingen richtig gut ist, die man auch mit Leidenschaft tut. Gleichzeitig ist ein gutes Netzwerk wichtig! Um mit einem Quäntchen Glück, das immer dazu gehört, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtige Person zu kennen. Und nicht zuletzt, seien Sie offen für Neues und ergreifen Sie die Chancen, die sich Ihnen bieten! Gerade, wenn Sie dafür Ihre Komfortzone verlassen müssen, denn an neuen Aufgaben wächst man schließlich.

 

Name: Ulrike Hanky-Mehner

Ulrike Hanky-Mehner, Geschäftsführerin, Havas PR Germany, zur Rolle der Frau im Job.

Ulrike Hanky-Mehner, Geschäftsführerin von Havas PR Germany. Foto: Christine Klimer

Titel: Geschäftsführerin von Havas PR Germany

Meine Inspiration: Starke Persönlichkeiten, die an ihre Ideen glauben und dafür kämpfen.

Hindernisse, die ich als Frau überwinden musste: Keine. Ich bin mit Anfang 30 in die Agenturführung eingestiegen und konnte die Spielregeln mitbestimmen – das hilft (schmunzelt).

Warum mehr Frauen an die Spitze sollten: Weil es viele weibliche Talente gibt, die das Zeug dazu haben.

Was mich als Frau im Job wütend macht: Eine verkrampfte Gender-Diskussion mit aufgesetzter political correctness. Zu diesem Thema braucht es eine souveräne und konsequente Haltung, gerade von Führungskräften.

Was Unternehmen besser machen können, um Frauen wie Männer gleichermaßen zu fördern: Nach meiner persönlichen Erfahrung sind viele Frauen zurückhaltender, weil sie sich den nächsten Karriereschritt noch nicht zutrauen. Männer greifen erstmal zu und sehen dann, ob es klappt. Die Unternehmen sollten Mitarbeiterinnen noch besser über ihre konkreten Aufstiegsmöglichkeiten informieren, sie dazu motivieren und ihnen im Unterstützung beim Hineinwachsen in die neue Verantwortung anbieten.

Mein Tipp für Job-Starter: Agenturen sind aus meiner Sicht die beste Einstiegsoption, denn hier lernen die jungen Talente in kurzer Zeit die ganze Vielfalt an Kunden, Themen und Tools kennen. GPRA-Agenturen sind dafür eine erste Adresse, hier erwartet die Jobstarter eine qualifizierte Ausbildung nach festen Richtlinien und zu guten Konditionen.

 

 

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Themen der Ausgabe 12/18:

  • Alt versus Jung: Wie verhält es sich im PR-Alltag mit Diversity? Ein nicht repräsentatives Stimmungsbild von Babyboomern und den Generationen X und Y.
  • PR-Hackathon 2018: Erfolgsfaktor Vielfalt. Wie sehen die weiblichen Hackathon-Teilnehmer ihre Rolle als Frau und was empfehlen sie dem Nachwuchs?
  • Qualitätssiegel für gute Inhalte: Wie funktioniert die neue Medieninitiative „Trust Project“?
  • A new star is born: Die wichtigsten Dos and Don’ts bei Promi-PR
  • Vernachlässigte Reputation: Warum wird der gute Unternehmensruf in den Kommunikationsabteilungen stiefmütterlich behandelt? Ein Erklärungsversuch.
  • Netzwerken macht erfolgreich: Was ist dran an der nicht mehr so neuen Geheimwaffe? Ein Plädoyer von Cornelia Kunze, Vorsitzende des Netzwerks „Global Women in PR Deutschland“ (GWPR)
  • Visuelle PR: Megatrend statt Modeerscheinung. news aktuell hat ein neues Whitepaper veröffentlicht.

 

 

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