Heute ist Guinness World Records Day. Wie auch Marken und Unternehmen die Faszination des Rekordbrechens für sich nutzen können und welche Rolle der deutsche Markt in diesem Umfeld spielt, erklärt Samantha Fay. Sie ist als Senior Vice President für die globale Marken-Strategie von Guinness World Records verantwortlich und berichtet aus dem Londoner Headquarter.

TREIBSTOFF: Frau Fay, Guinness World Records ist eine starke Marke, die seit Jahren populär ist. Was ist das Besondere an ihr?

Samantha Fay, SVP Global Brand Strategy, Guinness World Records. Foto: Paul Michael Hughes

SAMANTHA FAY: Der Erfolg hat zwei Gründe: Es ist zum einen die Anziehungskraft des Rekordbrechens, die zeitlos ist, und zum anderen die Art, wie wir unsere Marke dem digitalen Zeitalter angepasst haben.

TREIBSTOFF: Können Sie diese Anpassung genauer definieren?

SAMANTHA FAY: Ursprünglich stand das Guinness World Records Buch im Fokus. Auch heute ist es mit mehr als 2,7 Millionen verkauften Exemplaren im Jahr ein absoluter Kassenschlager. Aber natürlich geht der digitale Wandel auch an uns nicht spurlos vorbei. Wir sind inzwischen auf diversen Plattformen vertreten, allein unsere internationale Webseite wird jährlich von mehr als 12 Millionen Usern besucht. Auch auf YouTube, Twitter und Facebook sind wir sehr aktiv.

TREIBSTOFF: Wie viele Anmeldungen für Rekordversuche erhalten Sie denn im Jahr?

SAMANTHA FAY: Pro Jahr sind es etwa 47.000 aus 178 Ländern. Insgesamt stehen den Rekordanwärtern dafür ca. 50.000 Rekordkategorien zur Verfügung. Um die Rekorde abzunehmen, sind 96 Rekordrichter in 15 Ländern im Einsatz. Aber nicht jeder Rekordversuch bedarf eines offiziellen Rekordrichters vor Ort, wir arbeiten auch viel mit Beweismaterial.

TREIBSTOFF: Und wer meldet diese Rekorde an?

SAMANTHA FAY: Hauptsächlich Privatpersonen, aber auch immer mehr renommierte Marken und Unternehmen haben das Potenzial der Superlative erkannt, um auf Produkte und Marken aufmerksam zu machen. Wir haben beispielsweise schon mit Jaguar oder auch LG zusammengearbeitet. Aktuell kommen ungefähr 800 der jährlichen Anmeldungen von Unternehmen.

TREIBSTOFF: Warum ist das Aufstellen eines Weltrekords so beliebt? Was macht den Reiz aus?

SAMANTHA FAY: Es liegt in der Natur des Menschen, sehr gut in etwas sein zu wollen oder interessiert an Menschen zu sein, die dies sind. Unsere menschliche Neugier und der natürliche Wunsch sich zu messen, beweist unser ständiges Interesse an Superlativen – am höchsten, am weitesten, am schnellsten. Und diese Faszination hat im Laufe der Zeit nicht abgenommen.

TREIBSTOFF: Welche Rolle spielt der deutsche Markt für Guinness World Records im Vergleich zu anderen Ländern Europas?

SAMANTHA FAY: Wir haben aufgrund des jährlich erscheinenden Guinness World Records Buchs ein großes Erbe in Deutschland und erhalten von dort viele Anmeldungen. Besonders die Automobilindustrie hat schnell erkannt, wie sie die Faszination der Rekorde für sich nutzen kann. Auch andere Branchen wagen sich langsam an das Thema Rekorde ran. Beispielsweise konnte LG Electronics mithilfe eines Weltrekordversuches beweisen, wie geräuschs- und vibrationsarm ihr neues Waschmaschinenmodell ist. Sie bauten ein 3,3 Meter hohes Kartenhaus auf der Maschine, während diese lief. Das Kartenhaus hielt und der Rekord erzielte eine hohe Medienpräsenz.

 

TREIBSTOFF: Also ist Rekordbrechen bei deutschen Unternehmen schon ein gelerntes Tool?

SAMANTHA FAY: Es ist durchaus im Kommen, aber natürlich auch ausbaufähig. Entwicklungspotenzial gibt es vor allem im Bereich der Technikunternehmen. Zwar haben wir schon mit einigen zusammengearbeitet, doch ich bin mir sicher, dass noch viele mehr davon profitieren können, ihre Innovationen dem Publikum mit einem Weltrekordversuch vorzustellen.

TREIBSTOFF: Gib es denn bestimmte Zielgruppen, die für Weltrekorde besonders affin sind?

SAMANTHA FAY: Das Brechen von Rekorden spricht wirklich jeden an. Allerdings haben wir festgestellt, dass unser jährlich erscheinendes Buch häufiger von Jungen gekauft wird und besonders 8- bis 12-Jährige anspricht. Unsere digitalen Kanäle weisen außerdem mehr männliche als weibliche Follower auf, welche außerdem etwas älter sind als die Leser des Buchs.

TREIBSTOFF: Können Sie sagen, wie lange eine Marke die PR-Wirkung eines Rekords für sich nutzen kann?

SAMANTHA FAY: Je außergewöhnlicher der Rekord, umso länger erzählt man sich bekanntlich noch davon.Vom spektakulären Looping des Sportwagens von Jaguar sprechen beispielsweise sogar bei uns im Büro noch viele. Der Autohersteller hatte zusammen mit Terry Grant kurz vor Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt den Weltrekord Größter Looping in einem Auto aufgestellt. Jaguar wollte seinen F-Pace auf spektakuläre Art präsentieren, was eindeutig gelungen ist. Terry musste wie ein Astronaut trainieren, um den G-Kräften dieses Rekordversuchs standzuhalten, die mit 6.5 G höher lagen, als es für erfahrene Raumfahrtpiloten üblich ist. Dieser beeindruckende Guinness World Records Rekordversuch wurde in nur 24 Stunden ganze 20 Millionen Mal angesehen.

Grundsätzlich gilt: Marken mit Erfahrung im Contentmarketing, die genau wissen wie und welche Geschichte sie erzählen müssen um ihr Publikum zu begeistern, können umfangreichen Content um ihren Guinness World Records Titel kreieren und einem Weltrekord somit aus PR-Sicht eine lange Lebensdauer verschaffen. Aber auch Marken, die hier noch nicht so viele Erfahrungen sammeln konnten, haben tolle Möglichkeiten. Wir haben ein eigenes Commercial Team das auf entsprechende Rekorde spezialisiert ist und Marken und Agentur gerne in beratender Funktion zur Seite steht.

TREIBSTOFF: Zu guter Letzt: Was ist ihr Lieblingsrekord?

SAMANTHA FAY: Es gibt so viele, aber wahrscheinlich tatsächlich der Größter Looping in einem Auto von Jaguar!

Terry Grant – Largest Loop The Loop In A Car. Guinness World Records 2015.

 

TREIBSTOFF: Und welcher war der tragischste Misserfolg?

SAMANTHA FAY: Kein Misserfolg ist tragisch. Jeder erfolglose Rekordversuch ist eine wichtige Lernerfahrung, der sogar häufig die Anwärter motiviert, ihr Vorhaben noch einmal zu probieren. Es schafft also eher neue Ansätze und Ideen und kann den eignen Ehrgeiz ganz neu herausfordern.

Mehr über unseren Service erfahren Sie unter www.guinnessworldrecords.com

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