Joey Huang Unsplash Mitarbeitervideos Unternehmenskommunikation

Das Smartphone macht es möglich: Jeder Mitarbeiter kann heute zum Filmemacher für sein Unternehmen werden. In Zeiten von Employer Branding und Influencer Marketing sollten Kommunikationsabteilungen ihr Content-Monopol auch mal an die Kollegen aus anderen Abteilungen abgeben und sie dabei unterstützen, sich kreativ für die Firma auszutoben. Doch halt: Natürlich nicht, ohne ein paar Dinge zu beachten. Was könnte die Story sein? Wie sieht es mit Licht und Ton aus? Wie geht Postproduktion? Anton Knoblach gibt ganz konkrete Tipps. Mit seinem Start-up holimother berät er Unternehmen zum Thema Videokommunikation, Mitarbeiterengagement und Content-Produktion.

Anton Knoblach holimother Unternehmensvideos Mitarbeiter

Anton Knoblach ist Mitgründer und Geschäftsführer von holimother in Berlin. Er hilft großen und kleinen Teams, Videocontent selbst zu produzieren. Foto: holimother

news aktuell: Wie finde ich Anlässe für meinen Clip?

Knoblach: Ein Video lohnt sich überall, wo es eine Geschichte zu erzählen gibt. Das müssen nicht unbedingt aufwändig konzipierte Stories sein – auch ein Messebesuch, das simple Erklären eines Vorgangs oder ein wöchentlicher Rückblick aus dem Vorstand machen Spaß, wenn das Video gut gemacht ist.

Unser Credo ist, dass Geschichten dort erzählt werden sollten, wo sie passieren. Das heißt: Wenn ein bestimmtes Thema in Videoform vermittelt werden soll, dann will ich die Person sehen, die jeden Tag damit zu tun hat. Nur dann ist ein Video auf menschlicher Ebene authentisch, so ausgelutscht das Wort heute auch ist. Jedes Unternehmen hat Expert*innen in allen möglichen Bereichen und es wäre eine Verschwendung, das nicht zu nutzen. Wenn die Leute vor der Kamera für ihr Thema brennen und das auch rüberbringen können, dann ist mir – überspitzt gesagt – ein wackeliges Selfie-Video lieber als eine weichgespülte Hochglanz-Produktion.

Das heißt nicht, dass wir morgen alle Videoproduzenten arbeitslos machen wollen. Ein Beispiel: Eine hochqualitative Marke braucht auch einen hochqualitativen und aufwändig produzierten Kinospot, der von kreativen Leuten ausgedacht und von Filmprofis umgesetzt wird.

Aber die vielen kleinen Geschichten außenrum sind es, die guten Gewissens selbst produziert werden können. Deswegen ist bei den meisten unserer Kunden das Ziel, Leute aus spezifischen Fachbereichen für die Videoproduktion zu schulen. Oft sind das sogar Leute, die bis dahin kaum einen Berührungspunkt mit dem Medium hatten – und gerade dann regelmäßig verblüfft sind, wie viele wirklich guten Videos nach kürzester Zeit entstehen.

news aktuell: Wie funktioniert Storytelling bei Videos?

Knoblach: Bei Videos ist es wichtig, schnell auf den Punkt zu kommen. Nicht nur auf Social Media entscheiden die Leute innerhalb von Augenblicken, ob sie dranbleiben oder weiterscrollen. Wer erst ein langes Intro oder nichtssagende Bilder zeigt, ist direkt raus. Neben den technischen und gestalterischen Aspekten ist es deswegen wichtig, Inhalte spannend und kurzweilig zu erzählen.

Dabei hilft es enorm, sich die Dramaturgie vorher zu überlegen. Einfach drauflos zu drehen ist nie grundsätzlich falsch, aber es geht besser. Eine schön konstruierte Geschichte schafft viel Sicherheit bei der Umsetzung und schützt vor bösen Überraschungen im Schnitt. Es gibt verschiedene einfache Modelle zum Aufbau einer Geschichte, mit denen sich zügig gute Ideen entwickeln lassen.

news aktuell: Was muss ich bei Licht und Ton beachten?

Knoblach: Beim Thema Licht scheiden sich die Geister. Wir selbst suchen immer nach pragmatischen Wegen. Das heißt: Anstatt in teures Lichtequipment zu investieren, reicht es oft, vorhandene Lichtquellen zu nutzen. Interviewpartner etwa setzen wir gerne einfach nahe an ein großes Fenster. Zu den meisten Tageszeiten sorgt dort die Natur für perfektes Licht, das ich weder bezahlen noch schleppen muss.

Generell bin ich ein großer Fan davon geworden, möglichst wenig dabei zu haben. Ein trainiertes Auge und ein Gefühl für die technischen Möglichkeiten (und Grenzen) ist viel mehr wert als ein Haufen technisches Zubehör. Es gibt tolle Sachen in jeder Preisklasse, aber nur wenig davon muss man unbedingt haben. Wenn die Sache gut anläuft, können Unternehmen immer noch in ein kleines Studio oder einen größeren Technik-Fuhrpark investieren.

Die wichtigste Ausnahme davon ist der Ton, der oft relevanter ist als gutes Licht. Zuschauer verzeihen heute auch mal wacklige oder dunkle Bilder, solange die Person im Video gut zu verstehen ist. Nichts nervt mehr, als wenn ich mich beim Zuhören anstrengen muss. In der Praxis gibt es dafür günstige Lösungen: Für geplante und gesetzte Interviews eignen sich Ansteckmikros mit Kabel oder über Funk, für spontane Statements etwa bei Events gibt es kleine Richtmikrofone (Anmerkung der Redaktion: Eine beispielhafte Einkaufsliste finden Sie am Ende des Artikels).

Der Ton ist essentiell: Zuschauer verzeihen heute auch mal wacklige oder dunkle Bilder, solange die Person im Video gut zu verstehen ist. Klick um zu Tweeten

news aktuell: Was ist besser – Hoch- oder Querformat?

Knoblach: Es ist noch gar nicht so lange her, als das vertikale Video als vermeintliches Erkennungszeichen von Video-Laien galt. Das horizontale Bild entspricht zwar eher unserer Sehgewohnheit, das Smartphone aber ist ein Bildschirm, der einfach vertikal benutzt wird. Es kommt also auf das Ziel an: YouTube ist horizontal, Instagram-Stories und IGTV sind vertikal und bei Facebook geht je nach Zielgruppe beides.

Die Entscheidung für das Format ist keine einfache Frage, sie muss aber unbedingt vorab geklärt werden. Gerade für die Bildgestaltung spielt es eine große Rolle, ob das Bild hoch oder quer ist – eine Situation kann im einen Format ausgewogen und im anderen völlig verloren aussehen. Die Information ob hoch oder quer muss also schon etwa bei der Wahl einer Interview-Location berücksichtigt werden.

Mitarbeitervideos in de Unternehmenskommunikation

Teures Equipment für Unternehmensvideos ist nicht zwingend nötig: „Ein trainiertes Auge und ein Gefühl für die technischen Möglichkeiten ist viel mehr wert als ein Haufen technisches Zubehör“, sagt Anton Knoblach. Das heißt aber auch: Bestimmte Anlässe sollten weiterhin von Profis mit Profiequipment produziert werden. Foto: Jakob Owens / unsplash

news aktuell: Stichwort Postproduktion: Im Idealfall bearbeite ich mein Video gleich auf dem Smartphone nach. Welches Programm kannst du empfehlen?

Knoblach: Auch beim Schnitt geht es um den besten pragmatischen Workflow. Es gibt ein paar extrem gute Apps für sowohl die professionelle Aufnahme als auch den Schnitt von Videos auf dem Smartphone. Ganz neu herausgekommen ist Adobe Premiere Rush CC, das beide Disziplinen in einer App vereint und die Möglichkeit mitbringt, Projekte auf dem Smartphone anzufangen und am Desktop weiterzuführen.

Das Tolle an Schnitt ist, dass man sich von den absoluten Basics bis zu hochkomplizierten Konstellationen frei entfalten kann. Ein Interview in verschiedene Teile zu trennen und dann deren Reihenfolge zu ändern, ist zum Beispiel in Rush sofort erledigt. Mit nur etwas mehr Aufwand kommt dann Musik in den Hintergrund, Titel können erstellt und das Material kann farblich angepasst werden.

Auf Social Media ist die Realität, dass der Ton öfter aus ist als an. Werden Informationen wie bei einem Interview ausschließlich auf der Audio-Ebene vermittelt, sind Untertitel unerlässlich. Je nach Plattform werden Untertitel besser auf der Plattform selbst oder aber schon im Schnittprogramm erstellt.

Für den Export der fertigen Videos schließlich gibt es bei allen gängigen Schnitt-Apps Voreinstellungen für die wichtigsten Plattformen. Quasi überall akzeptiert ist das H.264-Format in „full HD“ (1920×1080 Pixel).

Das klassische Pyramidenmodell ist überholt, also die große Masse still zu halten und nur einen ausgewählten Kreis kommunizieren zu lassen. Klick um zu Tweeten

news aktuell: Warum buchen dich Unternehmen? Welche Kommunikationsstrategien stecken dahinter ?

Knoblach: Lange war es der Standard, Kommunikationsleistungen an externe Agenturen abzugeben. Heute suchen Unternehmen nach neuen Lösungen – oft mit dem Ziel, die eigenen Leute dazu zu befähigen, selbst zu kommunizieren.

Aus strategischer Sicht ist es ein großer Schritt, Leute in Unternehmen zur öffentlichen Kommunikation zu befähigen. Unserer Meinung nach ist das klassische Pyramidenmodell überholt, die große Masse still zu halten und einen ausgewählten Kreis kommunizieren zu lassen.

Kommunikationsabteilungen sind wichtig, aber sie sollten nicht ein internes Kommunikationsmonopol haben. Für Marketing- und PR-Leute im Unternehmen gibt es nun die Chance, abteilungsübergreifende Themen selbst zu spielen und den selbstgemachten Content der Mitarbeiter*innen zu verwerten. Ein externer Dienstleister kann weiterhin eingebunden werden, ist aber für manche Dinge nicht mehr unumgänglich.

Einem Menschen zu sagen „ich finde es gut, wenn Du Deine Meinung sagst“ kann viel auslösen. Bei der Arbeit mit Menschen erleben wir ständig, wie viel Spaß die Leute vor und hinter den Smartphones haben und welche großartigen Momente dabei entstehen. Dabei spielt es keine Rolle, aus welchen Fachbereichen diese Leute kommen und auch nicht, ob sie aus einem kleinen Unternehmen oder einem großen Konzern kommen.

 

Einkaufsliste für Self-Made-Videos:

 

Weitere Tipps gibt es in unserem How-To-Video zum Thema „Bewegtbild-PR“ .

 

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