Mitreißende EM-Stimmung und Savoir-vivre – Frankreich, so wie wir es dieser Tage erleben. Doch wie ticken Medien und PR im Gastgeberland der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft? Was sollten deutsche Kommunikationsprofis über ihre Nachbarn wissen, um mit ihren Botschaften dort Gehör zu finden? TREIBSTOFF hat Emma Channell, Produktmanagerin für den französischen Markt bei PR Newswire, zur Medienlandschaft Frankreich befragt.

TREIBSTOFF: Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Medienlandschaft in Frankreich geben?

Medienlandschaft Frankreich: Emma Channel Produktmanagerin PR Newswire Frankreich

Emma Channell ist Produktmanagerin bei PR Newswire Frankreich und sprach mit TREIBSTOFF über die Besonderheiten der französischen Medienlandschaft.

CHANNELL: Französische Medien haben ihr Angebot in den letzten Jahren stark diversifiziert und digital ausgerichtet. Viele bieten im Web nicht nur ein Duplikat ihrer Printausgabe an, sondern erstellen eigene Inhalte für die Digitalversion. Außerdem präsentieren alle Leitmedien ihre Inhalte auf mindestens vier Kanälen: auf traditionelle Weise (also im Print, Radio oder TV), als Online-Ausgabe, mobil-optimiert oder als App und in mindestens einem sozialen Netzwerk. So bieten sich für Unternehmen heute erheblich mehr Möglichkeiten, ihre Sichtbarkeit und Medienwirksamkeit zu verbessern.

TREIBSTOFF: Wie sieht es mit der mobilen Kommunikation aus?

CHANNELL: Fast alle Franzosen haben ein Smartphone. Knapp 40 Prozent davon nutzen soziale Netzwerke auch mobil. Jedoch liegen sie damit sechs Prozent unter dem europäischen und sogar 17 Prozent unter dem weltweiten Schnitt.

TREIBSTOFF: Welche Social-Media-Kanäle werden in Frankreich hauptsächlich genutzt?

CHANNELL: Facebook ist mit 30 Millionen französischen Nutzern das wichtigste soziale Netzwerk in Frankreich. Damit sind 45 Prozent der Bevölkerung dort aktiv, gefolgt von YouTube und Twitter.

Medienlandschaft Frankreich: Social-Media-Nutzung in Frankreich

Social-Media-Nutzung in Frankreich im weltweiten Vergleich, Februar 2016, Quelle: AlexiTauzin.com

 

TREIBSTOFF: Wie gehen französische Medien mit Social Media um?

CHANNELL: Die französischen Medien zeigen mittlerweile eine beachtliche Reaktionsschnelle, wenn es um soziale Netzwerke geht. Ein gutes Beispiel hierfür ist Snapchat. Als dieser neue Player die Bühne betrat, warteten französische Tageszeitungen wie 20 Minutes, Le Figaro oder Le Parisien nicht auf die für Medienprofis gedachte Option Discover, sondern begannen direkt, mit Snapchat zu experimentieren.

TREIBSTOFF: Was genau machen die Zeitungen denn auf Snapchat?

CHANNELL: Mehrmals täglich werden in kurzen Videoschnipseln die wichtigsten Nachrichten des Tages eingespielt. Meist sind diese unterhaltsamer oder weniger ernsthaft aufbereitet, um die jüngere Zielgruppe auf Snapchat zu erreichen und mit den Usern in Dialog zu treten. Fast ein Drittel der 15- bis 24-jährigen Franzosen verwendet Snapchat. Eine tolle Möglichkeit also für Medien, sich einem jüngeren Publikum zu öffnen.

Medienlandschaft Frankreich: Snapchat Le Figaro

Zeitung der Zukunft? Französische Medien wie „Le Figaro“ experimentieren mit Snapchat, um ein jüngeres Publikum anzusprechen.

 

TREIBSTOFF: Gibt es weitere Beispiele, wie französische Medien die sozialen Netzwerke erobern?

CHANNEL: Zeitungen wie 20 Minutes oder Fernsehsender wie Europe 1 oder RTL setzen immer häufiger das Live-Video-Tool von Facebook ein, um ein breites Publikum zu erreichen. Aktuelles Beispiel war die Live-Übertragung eines Interviews mit dem französischen Präsidenten François Hollande bei Europe 1 am 17. Mai. Das Video wurde auf Facebook mehr als 1,4 Millionen Mal abgerufen und der Hashtag #E1Hollande war an diesem Tag das Trending Topic in Frankreich.

TREIBSTOFF: Was sollten deutsche PR-Profis über die Kommunikation mit französischen Journalisten wissen?

CHANNELL: Journalisten in Frankreich sind es gewohnt, an einer zentralen Stelle alle Informationen zu einem Thema zu finden – also Texte, Bilder, Videomaterial usw. So hat die französische Nachrichtenagentur Agence France Presse im vergangenen Jahr eine eine neue Plattform ins Leben gerufen, die sämtliche Text- und Multimedia-Inhalte an einer Stelle bündelt, um den Workflow für die Redaktionsteams zu vereinfachen.

PR-Profis sollten ihre Themen daher ebenfalls unbedingt mit Multimedia-Inhalten anreichern und an einem zentralen Ort bereitstellen. Wenn Journalisten Informationen einfach finden können, kann dies den Ausschlag dafür geben, ob ein Artikel geschrieben und veröffentlicht wird.

TREIBSTOFF: Gibt’s noch weitere Tipps, wenn man in Frankreich erfolgreich kommunizieren möchte?

CHANNELL: Obwohl ein Großteil der Bevölkerung über Grundkenntnisse der englischen Sprache verfügt, ist es entscheidend, dass die Inhalte auf Französisch verfügbar sind, damit französische Medien sie überhaupt beachten. Daher immer dran denken: „En français s’il vous plait!“.

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