Von Pressereisen und virtuellen Tauchtrips: Tourismus-PR heute

Sommerzeit ist Reisezeit. Immer mehr Menschen werden mobil und können sich Urlaub leisten. Gleichzeitig nimmt bei vielen das Umweltbewusstsein zu. Die Globalisierung ist Segen und Fluch für die Tourismusindustrie. Was sind die größten Herausforderungen in der Zukunft? Welche Wege gehen Tourismus-Player aktuell bei ihrer Kommunikation und Vermarktung? Und welche Chancen bietet die Digitalisierung in diesem Kontext?

Der All-Inclusive-Urlaub auf Mallorca oder die Studienreise zu den peruanischen Hochkulturen, Europa in zehn Tagen oder Paris in einer Woche, Fast oder Slow Travel – was die Trends im Tourismus betrifft, wird es wohl zukünftig noch mehr Ausdifferenzierung geben. Denn immer mehr Menschen mir ihren individuellen Bedürfnissen haben die Möglichkeit, zu verreisen.

Klima- und Naturschutz, Nachhaltigkeit und die Einhaltung von Menschenrechten sind entsprechend die großen Herausforderungen für die Branche. „Konkret geht es für uns Reiseveranstalter dabei etwa um die Arbeitsbedingungen bei Transport und Unterkunft. Beim Klimaschutz müssen wir wiederum eine Lösung für die Achillesverse der Flugbeförderung finden. Und wir müssen bei stark besuchten Destinationen einen Beitrag dazu leisten, die Interessen der Einheimischen stärker zu berücksichtigen, damit Reaktanzen auf das Zuviel an Tourismus ausbleiben“, erklärt Frano Ilić, Pressesprecher des Studienreiseanbieters Studiosus.

Overtourism und Undertourism sind daher die Schlagworte der Stunde. Während einige touristische Destinationen überrannt werden, gibt es bei anderen noch genügend Raum für eine weitere touristische Entwicklung. Dieses Verhältnis verschiebe sich aber ständig, in negativer wie positiver Hinsicht, meint Klaus Schanda, der bei der Bayerischen Zugspitzbahn das Marketing und den Vertrieb leitet.

Was bedeutet das für die Kommunikation? Vertrauen schaffen und glaubwürdig sein ist für die Tourismus-Player in Zeiten von Social Media und Online-Bewertungsportalen das A und O. Authentizität statt Aufgesetztheit ist angebracht, oder wie es Klaus Schanda formuliert: „Storytelling ist schön und gut, aber es sollte dann auch etwas dahinter stecken.“

Tourismus-PR heute: Undertourism und Overtouism Herausforderungen

Overtourism und Undertourism sind die Schlagworte der Stunde.Während einige touristische Destinationen überrannt werden, wünschen sich andere mehr Besucher. Foto: rawpixel/unsplash

Denn gibt es einmal schlechte Bewertungen, bleiben die Gäste aus. Ein angeschlagenes Ansehen wieder zu glätten ist gerade in der Tourismusbranche extrem schwierig. Daher setzen die meisten Kommunikatoren auch weiterhin auf klassische Pressearbeit und langfristige, persönliche Kontaktpflege mit Key-Journalisten. Die mitunter in Verruf geratene Pressereise ist längst noch nicht tot. „Aber in Zeiten redaktioneller Unterbesetzung ist es oft nicht einfach, die richtigen und relevanten Journalisten zu erreichen, die dann auch den erwarteten Output liefern können“, so Alexandra Hoffmann, Pressereferentin bei alltours Flugreisen.

Gute Tourismus-PR lebt von authentischem Storytelling. Aufgesetzte Geschichten schaden langfristig dem Image. Klick um zu Tweeten

Die direkte Kundenkommunikation passiert dagegen längst über Social Media. Heute gibt es kaum einen Touristik-Player mehr, der nicht auf Facebook, YouTube oder Instagram präsent ist. Blogposts, Bilder, Videos und Podcasts: Multimediales Storytelling gehört inzwischen zum Repertoire der meisten Reise-Kommunikationsprofis. Content nur für die Top 10 Destinationen zu produzieren, sei aber ein Fehler, so PR-Managerin Bettina Lemeßier vom Reiseportal Opodo.

Neben der herkömmlichen Ansprache von Zielgruppen probieren die Tourismus-Dienstleister aber auch neue Kommunikationswege aus, die sich durch die technologischen Entwicklungen eröffnen, etwa Web-Pressekonferenzen, Chatbots oder VR- beziehungsweise 360-Grad-Kommunikation. Virtuelle Hotelrundgänge, Stadtbesichtigungen, Kreuzfahrtschiff-Besuche, sogar virtuelle Tauchgänge können Reiseinteressierte heute bereits machen.

Der Reisekonzern TUI etwa bietet in ausgewählten Reisebüros virtuelle Touren auf den großen Kreuzfahrtschiffen seiner Tochter Tui Cruises an, auch Aida und Hapag Lloyd arbeiten mit VR-Angeboten. So kann der potenzielle Kunde vom Sonnendeck an den Pool laufen, dann einen Blick in die Balkonkabine werfen und abschließend noch die Aussicht vom Restaurant aufs Meer genießen – und zwar schon bevor er tatsächlich seine Füße auf das Schiff gesetzt hat.

VR – so sie gut gemacht ist – kann die Urlaubsentscheidung erleichtern. Ist die Entscheidung für eine Reise gefallen, können wiederum digitale Assistenten – ob sprach- oder textgesteuert – bei der konkreten Buchung unterstützen. Wie der Return-on-invest ist, steht allerdings noch auf einem anderen Stern.

 

Haben Sie auch bereits Erfahrung mit VR-Angeboten oder digitalen Assistenten bei Reiseveranstaltern gemacht? Oder sind Sie selbst in der Tourismus-Branche und setzen diese bereits ein? Welche Trends werden sich Ihrer Meinung nach halten, welche wieder verschwinden? Wir sind auf Ihre Meinung gespannt.

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