Startups haben kein großes Budget für PR. Der junge Messaging-Dienstleister Mesaic setzt daher konsequent auf Messbarkeit. Und auf Geduld. Marketingleiterin Constanze Schumann-Plekat über ihre wichtigsten Learnings.

TREIBSTOFF: Vor welchem Problem steht Ihre Zielgruppe und wie lösen Sie es?

Constanze Schumann-Plekat, Head of Marketing bei Mesaic Technology GmbH. Foto: Raimar von Wienskowski

SCHUMANN-PLEKAT: Kundenerwartungen an Dienstleistungen haben sich über die letzten Jahre grundlegend verändert. Alles soll am selben Tag geliefert, transparent und digital kommuniziert werden und idealerweise nahtlos in meinen Alltag rein passen. Gleichzeitig steigen technologische Anforderungen enorm. Besonders großen Unternehmen fällt es häufig schwer, Schritt zu halten und ihre Technologie ist schnell veraltet.

Genau da setzt Mesaic an. Als White-Label Softwarelösung ermöglichen wir es Unternehmen, ihre Kundeninteraktion im Messenger abzubilden. Dazu liefern wir die entsprechenden Funktionen, um die dazugehörigen Prozesse im Hintergrund effizient und die Koordination von involvierten Parteien übersichtlich zu gestalten. Heißt im Klartext: So wie wir derzeit per WhatsApp oder Facebook Messenger mit Freunden schreiben, soll auch die Interaktion und Transaktion mit Unternehmen stattfinden.

TREIBSTOF: Was hat Sie angetrieben, Ihr Unternehmen zu gründen?

SCHUMANN-PLEKAT: Sebastian Kellner und Niko Uphoff sind durch sehr schlechte Service-Erfahrungen – etwa stundenlang in der Hotline hängen oder drei Stunden auf den Handwerker warten – auf die Idee gekommen, Service mit Hilfe von Technologie zu verbessern. Niko brachte als ehemaliger Technical Director bei SinnerSchrader die entsprechende Tech-Expertise mit sich und Sebastian als BWLer und Visionär den Gegenpart. Für die beiden hat es sich genau richtig angefühlt “einfach mal zu machen”, anstatt darauf zu hoffen, dass andere dafür sorgen. Ich war 2015 die erste Angestellte, habe also das gesamte Wachstum mit begleitet. Für mich ist die Ambition, Teamarbeit und Schnelligkeit besonders spannend.

TREIBSTOFF: Wie haben Sie es geschafft, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden?

SCHUMANN-PLEKAT: Wir sind im Co-Working Space „betahaus Hamburg“ gestartet und haben hier immer schon viel Unterstützung erfahren – auch in der Aufmerksamkeit für uns. Alles andere ist harte Arbeit. Konstant bei der Sache bleiben und zielgruppengenaue Ansprachen finden. Besonders als Startup können wir uns nicht leisten viel Streuverlust in der Kommunikation zu haben. Heißt konkret: Wir müssen und wollen dort kommunizieren, wo sich unsere Zielgruppe aufhält. Dazu gehört natürlich die Auswahl der entsprechenden Kanäle und die Bespielung ebendieser. Vor allem ist es wichtig, Ausdauer und Geduld zu beweisen, auch wenn Dinge initial nicht so funktionieren, wie man es sich ausgemalt hat.

TREIBSTOFF: Wann ist eine PR-Maßnahme für Sie erfolgreich?

SCHUMANN-PLEKAT: Wenn sie die entsprechende Resonanz bekommt. Qualitativ holen wir uns viel Feedback aus unserem geschäftlichen Umfeld. Quantitativ merken wir natürlich, wie viel Kontaktaufnahmen bestimmte Maßnahmen als Folge haben. Als Startup mit viel Ressourcen-Restriktionen achten wir stark darauf, dass unsere Maßnahmen auch die entsprechende Resonanz erreichen. Wenn nicht, müssen wir optimieren und verbessern. Wir müssen unsere Aktivitäten auf die Maßnahmen fokussieren, die auf unsere Ziele abgestimmt sind.

TREIBSTOFF: Was sind die größten Fallstricke für eine funktionierende PR?

SCHUMANN-PLEKAT: Das entsprechende Netzwerk, also Kontakte zu den richtigen Medien, Unternehmen und Beeinflussern zu haben, ist aus unserer Erfahrung essentiell. Ohne ist es häufig schwieriger und langwieriger. Außerdem muss man einfach geduldig sein. Ohne wirkliche News lohnt es sich beispielsweise nicht, Pressemitteilungen zu veröffentlichen. Lieber nochmal einen Schritt zurück machen und überlegen, ob das gerade wirklich interessant für Journalist und Leser ist. Ansonsten lieber auf den richtigen Zeitpunkt warten.

TREIBSTOFF: Gab es Fehler aus denen Sie lernen konnten?

SCHUMANN-PLEKAT: Ja, den richtigen Zeitpunkt zu finden für Maßnahmen. Der tollste Blogpost wird nicht gelesen, wenn er keine relevanten Informationen für den entsprechenden Zeitpunkt enthält. Und ansonsten viel Ausprobieren und immer die Messbarkeit im Auge behalten. Dabei geht es zum Beispiel um Fragen wie, wie oft werden unsere Blog Posts gelesen, welcher funktioniert auch in der Distribution auf sozialen Medien gut? Über welchen Kanal erreichen wir am meisten Leute?

TREIBSTOFF: Wie schaffen Sie es, dass Ihre Inhalte bei Ihren Zielgruppen Interesse wecken?

SCHUMANN-PLEKAT: Wir konzentrieren uns im Moment stark darauf, die gewonnene Expertise der letzten drei Jahre im Bereich Kundeninteraktion im Messenger sinnvoll zu platzieren. Dank Apple, Google, Facebook und WhatsApp und die Öffnung der jeweiligen Messenger für Unternehmen hat das Thema an Aufmerksamkeit gewonnen. Da fällt der Einstieg deutlich leichter und es herrscht bereits Bewusstsein für die Thematik. Wir beobachten aber auch viel das Geschehen und die Berichterstattung in unserem Umfeld und greifen aktuelle Trends auf.

TREIBSTOFF: Was können große Unternehmen von Startups lernen?

SCHUMANN-PLEKAT: Auf vielen Ebenen können große Unternehmen sich was von Startups und deren Arbeitsweise abgucken. Häufig ist ja das Startup-Umfeld durch schnelle, direkte Kommunikation, Dynamik und kurze Entscheidungswege geprägt. Typischerweise stehen große Unternehmen da auf der genau anderen Seite. Wo im Startup Strukturen regelmäßig auf ihre Relevanz hinterfragt werden, weisen große Unternehmen häufig zu starre Strukturen auf. Die Hierarchien verhindern hier oft, dass die richtigen Leute miteinander reden und Ideen überhaupt Gehör finden.

Im Bezug auf Kommunikation ist unser Credo, schnell zu sein und messbar zu testen. Wir gucken uns dabei regelmäßig neue Kanäle an, um nicht zu starr zu werden. Da sind wir großen Unternehmen vielleicht einen Schritt voraus, weil wir “einfach mal machen”.

Die Lockerheit in der Kommunikation ist vielen großen Unternehmen auch nicht gegeben. Besonders bei Pressemitteilungen empfinde ich die Kommunikation oft steif und wenig nah an der Zielgruppe dran. Da geben wir uns Mühe – auch, wenn uns das nicht jedes Mal gelingt – mit unserer Zielgruppe auf Augenhöhe kommunizieren und nehmen dafür entsprechende Anpassungen vor. Das bedeutet vor allem auch, die richtigen Fachtermini zu finden und zu benutzen. Eine zu simple oder zu komplizierte Ansprache sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit der Zielgruppe schnell weg ist.

TREIBSTOFF: Was lernen Startups im Idealfall von Unternehmen?

SCHUMANN-PLEKAT: Wir versuchen, von unterschiedlichen Unternehmen immer genau das abzugucken, was erfolgreich lief und für uns relevant ist. Ob es dabei um die Gestaltung der Website oder um die inhaltliche Gestaltung von spezifischen Kommunikationsmaßnahmen geht, ist eigentlich egal. Wir beobachten, was zum in sozialen Netzwerken funktioniert, welche Marken dort besonders erfolgreich sind und evaluieren, ob wir davon einige Sachen für uns adaptieren können.

TREIBSTOFF: Wenn Sie nochmal von vorne starten könnten – was würden Sie anders machen?

SCHUMANN-PLEKAT: Schneller noch größer denken und das auch so kommunizieren. In Deutschland herrscht oft die Ansicht, erstmal “Klein-Klein” zu machen. Dabei gibt es so viele richtig gute, deutsche Startups, die sich durchaus zeigen können. Es gehört viel dazu, sein eigenes Unternehmen zu führen und im Startup-Bereich häufig auch gegen Gegenwind weiter an seine Idee zu glauben. Häufig lohnt sich das! Deutsche Gründer dürfen viel mutiger sein und ruhig etwas selbstbewusster auftreten.

 

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Treibstoff 11

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Themen der Ausgabe 11/17:

  • „Angst im Job: Antrieb oder Blockade?“: Was wir über berufliche Ängste wissen müssen und wie wir mit ihnen umgehen können.
  • „Was sind die größten Ängste der PR-Profis?“: Ergebnisse des PR-Trendmonitors von news aktuell und Faktenkontor
  • „Blockchain? Eine Frage des Vertrauens“: Wie kann die neue Technologie die Kommunikationsbranche verändern? Ein Einordnungsversuch von Klaus-Peter Frahm, Leiter Business Development bei news aktuell.
  • „Alles auf Anfang: Reboot PR“: So lautet das Motto des zweiten PR-Hackathons von news aktuell. Wir fragen sechs #PRHack-Protagonisten nach ihrem wichtigsten beruflichen Neuanfang.
  • „Interviews richtig führen“: SAT.1-Moderator Matthias Killing über die wichtigsten Dos and Don’ts.
  • „Von Startups lernen: Schneller größer denken“: Der junge Messenger-Dienstleister Mesaic über die Fallstricke der Startup-Kommunikation.

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