Gründergeist, Mut und Innovationen gehen selten von etablierten Konzernen aus. Fast immer sind es Startups, die bahnbrechende Neuerungen auf den Markt bringen. Aber was macht die Startup-Kultur so erfolgreich? Eine, die sich mit der Gründerszene auskennt, ist Jennifer Schwanenberg. Sie ist Head of Communications bei FLIO und hat im letzten Jahr den next media accelerator mitaufgebaut. In TREIBSTOFF erzählt sie, was wir von Startups lernen können. Und verrät uns, welche Gründer sie in letzter Zeit begeistert haben.

Jennifer Schwanenberg ist Head of Communications bei FLIO, der ersten globalen Airport App, und Mentorin des next media accelerator. Sie hilft mediennahen Startups, skalierbare Geschäftsmodelle für die Medien- und Werbebranche aufzubauen. Als Tourguide im Silicon Valley hat sie Chefredakteuren und Digitalmanagern deutscher Verlage bereits gezeigt, wo die Reise hingehen kann.

Jennifer Schwanenberg ist Head of Communications bei FLIO, der ersten globalen Airport App, und Mentorin des next media accelerator. Sie hilft mediennahen Startups, skalierbare Geschäftsmodelle für die Medien- und Werbebranche aufzubauen. Als Tourguide im Silicon Valley hat sie Chefredakteuren und Digitalmanagern deutscher Verlage bereits gezeigt, wo die Reise hingehen kann.

TREIBSTOFF: Was macht Startups so spannend für Dich?

SCHWANENBERG: Tech-Startups ignorieren bestehende Marktmechanismen und denken einfach alles neu. Was ein Startup ausmacht sind allerdings die Menschen dahinter. Und das ist in der Regel ein Typ Mensch, mit dem ich mich gut verstehe. Sie leben ihre Vision, preschen nach vorne und verplempern keine Zeit mit aufwändigen Strategien.

TREIBSTOFF: Wie würdest Du die Startup-Kultur beschreiben?

SCHWANENBERG: Startup-Gründer müssen –im positiven Sinn – naiv, arrogant und wichtigtuerisch sein. Naiv, sonst würden sie sich nicht trauen, etwas völlig Neues zu machen. Arrogant, weil die meisten Leute ihnen erklären werden, warum ihre Idee nicht funktioniert. Und sie müssen immer wichtig rüber kommen, sonst nimmt sie keiner ernst. Der typische Gründer lebt außerdem für sein Produkt und sein Team. Anders als in großen Unternehmen hat jeder Mitarbeiter unmittelbaren Anteil am Unternehmenserfolg. Deshalb wissen alle, wofür sie arbeiten. Das macht einen großen Unterschied in der täglichen Arbeit aus. Man kommt schneller voran, weil alle an einem Strang ziehen.

TREIBSTOFF: Welche Startups haben Dich in letzter Zeit begeistert?

SCHWANENBERG: Natürlich die Teams, die ich im ersten Batch des next media accelerators begleitet habe: Spotgun verbindet klassische Fernsehwerbung mit dem 2nd Screen – also mit dem Handy. Spectrm bringt mir Nachrichten direkt in Whatsapp und Adtriba hilft kleineren Unternehmen, ihre Online-Marketing-Ausgaben zu optimieren. Alle drei Teams verfolgen große Visionen und es macht Spaß, täglich mit ihnen zu arbeiten. Aber am meisten begeistert mich natürlich FLIO. Wir waren von Anfang an global, weil wir Reisenden an allen Flughäfen der Welt helfen wollen, sich besser zurecht zu finden: Wie heißt das WLAN? Wo sind Geldautomaten? Wann geht mein Flieger? Wir lösen ein Problem, das ich selbst gut kenne und es macht Spaß, ein weltweites Publikum anzusprechen.

TREIBSTOFF: Was können große Unternehmen von Startups lernen? Und andersherum?

SCHWANENBERG: Große Unternehmen können lernen, mit ihrer Produktentwicklung vor die Tür zu gehen und wieder stärker auf den Kunden zu hören. Startups leben davon, mit potentiellen Kunden über Bedürfnisse zu sprechen und neue Wege zu finden, mit denen die Kunden zufriedener sind als auf den eingetretenen Pfaden. Startups wiederum können viel über die Märkte und Kunden lernen, wenn sie mit großen Unternehmen im Gespräch sind. Allerdings sollten sie sich nie auf Zusagen und Versprechungen verlassen. Entscheidungszyklen in großen Unternehmen sind meistens länger als die aktuelle Finanzierung eines Startups vorhält.

Young generation startup-kultur

Was zeichnet die Startup-Kultur aus? Für Jenni Schwanenberg vor allem schnelle Entwicklungszyklen, zeitliche und örtliche Unabhängigkeit der Mitarbeiter und die höhere Offenheit über interne Prozesse .

 

TREIBSTOFF: Wie unterscheiden sich Machtstrukturen in Startups und großen Unternehmen?

SCHWANENBERG: In Startups hält (im Idealfall und bis zu einer gewissen Größe) jeder Mitarbeiter Anteile am Unternehmen. Angestellte können sich in der Regel einen Jahresbonus erarbeiten, was dazu führt, dass sie vor allem kurzfristige Ziele im Blick haben. Für Mitarbeiter eines Startups geht es aber darum, das Unternehmen wachsen zu lassen. Also sind ihre Entscheidungen langfristig – um das Unwort zu nutzen – nachhaltig angelegt. In größeren Unternehmen werden Entscheidungen außerdem gerne nach oben delegiert, was den Prozess zeitlich in die Länge zieht. Vor allem die Startups im Digitalgeschäft versuchen – auch wenn sie wachsen – jedem Mitarbeiter große Entscheidungsfreiheit zu überlassen.

TREIBSTOFF: Wie hat sich die Startup-Kultur in den letzten 15 Jahren verändert?

SCHWANENBERG: Zu Zeiten des Dot-Com-Booms hat Geld keine Rolle gespielt. Es gab sehr viel davon und im Vergleich zu heute nur wenig Startups. Nach dem Crash gab es erst mal kein Geld. Das hat sich mittlerweile wieder erholt. Trotzdem sind Investoren vorsichtiger. Außerdem fehlt es in Europa im Vergleich zum Silicon Valley noch an Erfahrung. Während die Venture Capitals dort gerade ihren zehnten oder elften Fonds auflegen sind europäische gerade bei ihrem dritten oder vierten. Die Politik versucht einen guten Nährboden für Startup-Investments zu schaffen, aber was wirklich fehlt ist ein höheres Fondsvolumen und eben Erfahrung.

TREIBSTOFF: Wie schaut das typische Startup im Jahr 2030 aus?

SCHWANENBERG: Ich glaube nicht, dass man solche Prognosen machen kann. Ich hoffe natürlich, dass viele Dinge aus der Startup-Kultur – schnelle Entwicklungszyklen, zeitliche und örtliche Unabhängigkeit der Mitarbeiter und die höhere Offenheit über interne Prozesse – bis dahin generell in der Arbeitswelt Standard sein werden.

 

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