Hören, Sehen, Reden, Denken: So sieht der Arbeitsalltag von Thomas Linke-Weiser aus. Das Lesen von E-Mails nimmt dabei einen großen Teil der Zeit ein. Der Programmchef des Radiosenders BAYERN 3 appeliert daher an die Absender von Pressematerial: Weg vom Gießkannenprinzip und immer an die Zielgruppe der Medien denken. In unserer Reihe „Wer liest eigentlich Pressemitteilungen?“ fragen wir in unregelmäßigen Abständen, was Journalisten von PR-Material erwarten. 

TREIBSTOFF: Würden Sie uns in ein paar Sätzen Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

Radio-Journalismus Thomas Linke-Weiser

„Die Wahrscheinlichkeit, dass wir ein Thema aufgreifen, steigt keinesfalls mit der Zahl der versendeten Meldungen.“ Thomas Linke-Weiser ist Programmchef beim Radiosender BAYERN 3.Foto: Bayerischer Rundfunk / Markus Konvalin

LINKE-WEISER: Hören – was bei uns und anderen im Radio läuft. Sehen – was auf unseren Social-Media-Angeboten und der Website ist und was andere dort so treiben. Lesen – Mails, Mails, Mails und Zahlen – etwa zu Medienforschung, Etat, und so fort – aber auch gute Printprodukte. Reden – Redaktionskonferenz, Sendungsvor- und -nachbesprechung, Personalgespräche, mittelfristige Planung und alles, was unser Team beschäftigt. Denken: strategische Planung, Ideen entwickeln.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neue Themen?

LINKE-WEISER: Auf jedem verfügbaren Weg: Nachrichtenagenturen, andere Medien, Social Media, Feedback und Anregungen unseres Publikums. Und natürlich – vor allem! – viele kreative Köpfe in unserer Redaktion, die den ganzen Tag neue Themen und Ideen entwickeln.

TREIBSTOFF: Wie muss PR-Material aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

LINKE-WEISER: PR-Material muss relevant sein für unsere Marke und nicht mit der Gießkanne über alle ausgegossen. Die Eröffnung des Drogerie-Supermarkts in der Kleinstadt XY ist für uns als bayernweites Programm zum Beispiel einfach kein Thema. Wenn dagegen ein völlig neues Shop-Konzept ausprobiert wird, das von Azubis entwickelt wurde und das es sonst noch nirgendswo gibt, kommen wir vielleicht ins Gespräch. Im Gegensatz zu einem Fachmedium muss für uns ein Thema Gesprächswert bei einer großen Zahl von Menschen haben und für diese auch verständlich sein.

TREIBSTOFF: Welche Fehler machen Absender von PR-Material immer wieder?

LINKE-WEISER: Zu glauben, dass mit der Zahl an versendeten Meldungen die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Thema aufgegriffen wird. Und sich noch zu wenig über die Zielgruppe der angesprochenen Medien zu informieren. Ansonsten machen die PR-Menschen ihre Sache schon sehr gut.

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