Das Universum der Stars und Sternchen ist in Zeiten von Social Media größer als je zuvor. Doch ihre Verfallszeit kürzer denn je. Um nicht als Eintagsfliege zu enden, müssen Promis viel Disziplin und Geduld mitbringen. Und die richtige PR. Doch wie funktioniert eigentlich Promi-PR?

Wie bei jedem Produkt steht auch am Anfang einer guten PR-Strategie für Promis die Analyse der Ist-Situation. Denn jede Person des öffentlichen Lebens bringt seine eigenen Talente, Bedürfnisse und Erfahrungen mit, so PR-Expertin Brita Segger von Society Relations & Communications. „Wie bekannt ist die Person bereits? Was hat sie geleistet? Ist sie erfahren im Umgang mit Journalisten? Wie verhält sie sich unter medialer Beobachtung? Welches Image hat sie und welches wünscht sie sich?“

Wenn es dann um den Imageaufbau geht, stehen Authentizität und Glaubwürdigkeit an erster Stelle. Doch was genau macht jemanden zu einem Original? „Es sind gerade die kleinen Fehler und Abweichungen von der gegenwärtigen Norm oder eine holprige Biografie“, meint Segger und plädiert dafür, diese nicht zu kaschieren. Denn Fans und Publikum erkennen Aufgesetztheit. PR-Maßnahmen müssen daher immer auf das Naturell und die individuellen Bedürfnisse der Person abgestimmt sein. „Man sollte seine Künstler schon gut kennen“, rät auch Peter Schulze von Film-PR. „Was dem einen Spaß macht, ist dem anderen zuwider. Der eine lebt in einer Talkshow auf, für den anderen ist sie eine Qual. Der eine ist stark im Radio- oder TV Interview, des anderen Stärken liegen bei Print.“

Wenn es um den Imageaufbau geht, stehen Authentizität und Glaubwürdigkeit an erster Stelle. Klick um zu Tweeten

Auch wenn es kurzfristig Publicity verspricht: keinesfalls das Privatleben der Promis zur Schau stellen. Im Fokus der PR-Maßnahmen sollte immer die berufliche Tätigkeit stehen, rät Schulze. Der Besuch von Branchenevents und ausgewählten Medienereignisse gehörten zwar dazu, aber eben nicht jede „Tunfischdoseneröffnung“. „Natürlich kann man auch ab und zu Einblick in sein Leben geben. Man verrät nicht zu viel, wenn man seine Lieblingsfarbe oder sein Lieblingsessen nennt.“ Von Homestories rät Schulze aber ab.

Da die Konkurrenz auf dem Markt der Promis groß ist, empfiehlt Brita Segger, ungewöhnliche Wege zu gehen. Immer mit dem Ziel einer serösen und langfristigen Medienpräsenz: „Neue Ideen entwickeln, ungewöhnliche Inszenierungen wagen, Unerwartetes und Verblüffendes bieten, nur so entsteht ein Wettbewerbsvorteil.“ PR-Aktionen sollten aber als solche nicht erkennbar sein, so Segger weiter. Denn nur wenn sie als zufällig oder spontan wahrgenommen werden, entfalten sie ihre volle Wirkung.

Auf welche Kanäle sollte Promi-PR bei der Kommunikation setzen? Wenn es darum geht, Fans und Publikum über Ausstrahlungstermine, Auftrittsorte oder neue Projekte zu informieren, empfiehlt Brita Segger eine Kombination aus eigener Website und Facebook. Twitter wiederum sei sinnvoll, wenn jemand aktuelle Ereignisse kommentieren und damit sein Profil als Experte schärfen will, so die Promi-PR-Expertin. Instagram eigne sich hingegen eher für visuelle Typen, die schöne Fotos für sich selbst sprechen lassen oder ganz junge Zielgruppen erreichen möchten. Absolutes No Go für Segger: inaktive Webseiten oder Social-Media-Präsenzen und fehlende oder veraltete Kontaktdaten.

Und was sind weitere Fallstricke im Social Web? Vor allem die Gratwanderung zwischen Privat und Öffentlich, so die einhellige Meinung der Experten. Auf Facebook, Instagram und Co. können Prominente spontan, ungefiltert und jederzeit ihre eigenen Botschaften verkünden und eine Nähe zu ihren Fans schaffen, die sie über die klassischen Medien nur bedingt erreichen. Doch Achtung, das Netz vergisst nie! Unbedachte Posts verbreiten sich in Sekundenschnelle, können das Image beschädigen und Auftraggeber oder Werbepartner vergraulen.

Stichwort Celebrity Marketing: Was sollte man als Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit Promis unbedingt bedenken? Auf die richtige Wahl des Promis achten, empfiehlt Brita Segger. Wirbt die bekannte Person bereits für andere Unternehmen, erschwert das für die Kunden eine eindeutige Zuordnung der Person zur Marke. „Im ungünstigsten Fall erinnern sich die Konsumenten später an den Star, aber nicht an das Umfeld, den Anlass und schon gar nicht an das Unternehmen, wofür er eigentlich engagiert wurde.“

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in unserer aktuellen TREIBSTOFF-Ausgabe. Hier gehts zum Download.

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Themen der Ausgabe 12/18:

  • Alt versus Jung: Wie verhält es sich im PR-Alltag mit Diversity? Ein nicht repräsentatives Stimmungsbild von Babyboomern und den Generationen X und Y.
  • PR-Hackathon 2018: Erfolgsfaktor Vielfalt. Wie sehen die weiblichen Hackathon-Teilnehmer ihre Rolle als Frau und was empfehlen sie dem Nachwuchs?
  • Qualitätssiegel für gute Inhalte: Wie funktioniert die neue Medieninitiative „Trust Project“?
  • A new star is born: Die wichtigsten Dos and Don’ts bei Promi-PR
  • Vernachlässigte Reputation: Warum wird der gute Unternehmensruf in den Kommunikationsabteilungen stiefmütterlich behandelt? Ein Erklärungsversuch.
  • Netzwerken macht erfolgreich: Was ist dran an der nicht mehr so neuen Geheimwaffe? Ein Plädoyer von Cornelia Kunze, Vorsitzende des Netzwerks „Global Women in PR Deutschland“ (GWPR)
  • Visuelle PR: Megatrend statt Modeerscheinung. news aktuell hat ein neues Whitepaper veröffentlicht.

 

 

 

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