Pressematerial PT-Magazin

Mittelstandskommunikation ist sein tägliches Geschäft. Seit 2005 ist Helfried Schmidt Chefredakteur des von ihm und Petra Tröger gegründeten PT-Magazins. Die Zeitschrift versorgt den Mittelstand mit Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Sein Appel an die Kommunikationsprofis: Griffig formulieren, nicht zu reißerisch schreiben und die Journalisten möglichst individuell ansprechen. In unserer TREIBSTOFF-Reihe „Wer liest eigentlich Pressemitteilungen?“ beschreibt Helfried Schmidt, was er von gutem Pressematerial erwartet und was PR-Schaffende unbedingt vermeiden sollten.

TREIBSTOFF: Würden Sie uns in ein paar Sätzen Ihren Arbeitsalltag beschreiben?

Pressematerial Helfried Schmidt

Dr. Helfried Schmidt ist Gründer und Chefredakteur des PT-Magazins. Bekannt geworden ist Schmidt außerdem durch den renommierten Wettbewerb „Großer Preis des Mittelstands„, den er vor mehr als 20 Jahren initiiert hat. In 2008 erhielt er das Bundesverdienstkreuz für sein langjähriges Engagement für den Mittelstand. 

SCHMIDT: Etwa ein Viertel meines Arbeitsalltags besteht aus Lesen, also aus reiner Informationsverarbeitung. Mit diagonalem Lesestil lässt sich da eine ganze Menge Lesestoff bewältigen. Ein weiteres Viertel ist Informationsgenerierung, also Erstellen, Redigieren und Kuratieren von Texten, Headlines, Bildern, Bildunterschriften, Infokästen, Strukturierungen und so fort. Ein weiteres Viertel gehört der Kommunikation im direkten Gespräch oder per Telefon, E-Mail und Social Media. Und schließlich brauchen Planungs-, Überwachungs- und Strategieaufgaben etwa ein Viertel der verfügbaren Zeit.

TREIBSTOFF: Wie recherchieren Sie neue Themen?

SCHMIDT: Das Wichtigste ist immer zuerst, sich einen Überblick zu verschaffen: Was ist der Kern dieses Themas? Cui bono? Ist es eventuell „alter Wein in neuen Schläuchen“? Wird das Thema gerade gehypt? Warum? Wer beteiligt sich daran? Weshalb? Nach diesem Überblick kann man sich auf die interessanten Facetten des Themas konzentrieren. Das mögen Lücken der bisherigen Bearbeitung sein, oder auch unerwartete historische oder aktuelle Zusammenhänge. Manchmal ist der Blick eines Außenstehenden interessanter als die tiefgreifende Detailkenntnis von jemandem, der den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Und dann fängt die Informationssammlung und –verarbeitung von vorn an, diesmal auf diese Facetten gerichtet. Zu dieser Recherche gehören natürlich auch vielfältige Gespräche und Diskussionen, die einem helfen, eine Orientierung zu gewinnen. Günstigstenfalls entsteht dann ein Text, der originär und interessant ist.

TREIBSTOFF: Wie muss Pressematerial aussehen, mit dem Sie etwas anfangen können?

SCHMIDT: Das hängt davon ab, welchen Zweck dieses Pressematerial hat. Geht es um einfache Nachrichten, dann sollte das Material praktisch „druckreif“ sein, damit die Redaktion es mit einem Minimum an Aufwand verarbeiten kann. Also mit Bildern und Grafiken, die nötigen Quellen- und Urheberangaben schon dabei. Geht es  darum, die Redaktion für ein neues Thema, eine Themenfacette, einen ungewöhnlichen Zusammenhang oder ähnliches zu begeistern, dann kommt es vor allem auf griffig formulierte Aussagen an, die natürlich nicht im Text versteckt sein, aber auch nicht zu plakativ daher kommen dürfen. Gelingt das dem Absender nicht, braucht er sich nicht zu wundern, wenn seine Presseaussendung in der Fülle der täglich eingehenden Informationen untergeht.

Bei einfachen News sollte Pressematerial praktisch „druckreif“ sein. Mit Bildern und Grafiken und den nötigen Quellen- und Urheberangaben. Klick um zu Tweeten

TREIBSTOFF: Welche Fehler machen Absender von Pressematerial immer wieder?

SCHMIDT: Die Klassiker tauchen immer wieder auf: Bilder ohne Bildunterschrift. Ohne Copyright-Angabe. Texte, die einfach zu lang sind. 20.000 Zeichen sind ein Fachbeitrag, aber kein Pressematerial. Zu intensives Nachtelefonieren, bei dem man sich bedrängt fühlt. Oder aber völlig fehlende Individualisierung, wo man schon mit der Anrede merkt, dass das Pressematerial identisch an dutzende oder hunderte Adressen gegangen ist.

TREIBSTOFF: Wie möchten Sie angesprochen werden, wie nicht?

SCHMIDT: Möglichst individuell. Das heißt, das adressierte Medium sollte genannt sein. Der Name des Adressaten sollte genannt sein. Und möglichst auch richtig geschrieben und mit der korrekten Anrede versehen. Der Negativ-Klassiker in meinem Falle ist die Anrede als „Sehr geehrte Frau Dr. Helfried“.

Schlagworte