Was sind die größten Fehler, die junge Talente aus den Kommunikationsabteilungen vertreiben? Diese Frage stellten wir den Fach- und Führungskräften im PR-Trendmonitor 2016. Gemeinsam mit unserem Partner Faktenkontor haben wir aus den Antworten die Frust-Sprüche der Young Professionals abgeleitet und – etwas überspitzt – in einer Infografik zusammengestellt.

„Deine Ideen sind doof!“, „Nicht gescholten ist Lob genug“ oder „Dein Büro ist jetzt deine Familie“: Solche oder ähnliche Sprüche sind es, die bei PR-Einsteigern früher oder später zu einer Kündigung führen. So zumindest die Aussage der bereits etablierten Kommunikatoren, die bei unserer aktuellen Umfrage teilgenommen haben. Etwa die Hälfte der befragten Pressestellen meint demnach, dass der Nachwuchs am schnellsten das Handtuch wirft, wenn Ideen blockiert werden (54 Prozent). Darauf folgen mangelnde Würdigung der Arbeit (48 Prozent) und eine schlechte Work-Life-Balance (39 Prozent).

Infografik PR-Frustsprueche PR-Trendmonitor

Junge Talente in der Kommunikationsbranche: Wie man sie am besten vergrault.

 

Vergleicht man die Antworten der Pressestellen mit denen der PR-Agenturen, ergeben sich allerdings stellenweise erhebliche Unterschiede. So glauben weit mehr als die Hälfte der Agentur-Mitarbeiter, dass die Youngster aufgrund eines zu niedrigen Einstiegsgehalts das Weite suchen (67 Prozent). Bei den Kommunikatoren aus Pressestellen hält nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten das Gehalt für einen Kündigungsgrund (37 Prozent). Auseinander gehen die Antworten auch bei dem Aspekt „Betriebsklima“: So meinen immerhin knapp die Hälfte der Agenturen (46 Prozent), dass junge Kommunikatoren wegen einer schlechten Arbeitsatmosphäre das Unternehmen verlassen, bei den Pressestellen meint das nur ein Drittel (31 Prozent).

„Ohne Ansagen vom Chef geht hier gar nichts“: Diesen Spruch hören jungen Mitarbeiter in Pressestellen um einiges häufiger als in PR-Agenturen. So meinen immerhin ein Drittel der befragten Kommunikatoren aus Unternehmen, dass der Nachwuchs durch strenge Hierarchien aufgerieben wird (32 Prozent), von den befragten Agenturen glaubt das nur etwa jeder Zehnte (13 Prozent). Und auch was Innovation betrifft, scheinen PR-Agenturen um einiges weiter zu sein als Pressestellen. So glauben nur 22 Prozent der Agenturen, dass veraltete Kommunikationsstrategien PR-Einsteiger in die Kündigung treiben, bei den Pressestellen vermuten das immerhin 38 Prozent.

Talente in der PR

Trendmonitor 2016: news aktuell und Faktenkontor haben nach den größten Fehlern der Arbeitgeber im Umgang mit jungen PR-Talenten gefragt.

 

Aber was meinen die jungen Talente eigentlich selbst zu diesem Thema? Wir haben bei unseren Azubis nachgefragt. An vielen Stellen stimmen sie den Ergebnissen der Umfrage zu. Aber es gibt auch ein paar Punkte, die sie hinterfragen: „Ich glaube, dass Ideen um ein wesentlich höheres Maß blockiert werden als angegeben. Und auch bestehende Strukturen und Hierarchien nehmen einen sehr großen Stellenwert in vielen Unternehmen ein. Das frustriert viele junge Nachwuchskräfte, da sie in einem ganz anderen Lernumfeld aufgewachsen sind. Der typische Nine-to-Five-Job mit fest verankerten Hierarchien ist für viele junge Menschen ein absolutes No-Go”, sagt Konrad Gruner, der Medienmanagement studiert und parallel eine Ausbildung zum Medienkaufmann bei news aktuell macht.

Konrad Gruner studiert Medienmanagement bei news aktuell.

Konrad Gruner studiert Media Management.

Und Celine Sadra, Medienkauffrau-Azubi bei news aktuell, ergänzt: “Ich kann jeden verstehen, bei dem blockierte Ideen zu Frustration führen. Leider verhindern eingespielte Abläufe oder festgelegte Arbeitsweisen oftmals die Entstehung oder Verwirklichung neuer Ideen. Ich als Einsteigerin finde, dass gerade in der Kommunikationsbranche immer Offenheit für kreative Einfälle bestehen sollte, denn auch aus unfertigen Ideen können innovative Projekte entstehen. Deswegen bin ich froh, dass wir bei news aktuell dazu angehalten werden, Ideen auch mitzuteilen, was für mich zu einer gelungenen Kommunikation dazugehört.”

Celine Sadra, Auszubildende zur Medienkauffrau.

Celine Sadra, Media Management – Studentin.

Die zehn größten Frust-Sprüche junger PR-Talente im Detail (Pressestellen):

  1. „Deine Ideen sind doof!“ (Ideen blockieren: 54 Prozent)
  2. „Nicht gescholten ist Lob genug“ (fehlende Anerkennung: 48 Prozent)
  3. „Dein Büro ist jetzt deine Familie“ (schlechte Work-Life-Balance: 39 Prozent)
  4. „Das haben wir schon immer so gemacht“ (veraltete Kommunikationsstrategien: 38 Prozent)
  5. „Das Ziel? Keine Ahnung“ (keine klaren Zielvorgaben: 37 Prozent)
  6. „Mehr Geld? Später!“ (knappes Gehalt: 36 Prozent)
  7. „Das muss zur Kontrolle noch zum Chef“ (Kontrollwahn: 35 Prozent)
  8. „Ohne Ansagen vom Chef geht hier gar nichts“ (strenge Hierarchien: 32 Prozent)
  9. „Erst mal das Kleine lernen, bevor das Große kommt“ (wenig Verantwortung: 32 Prozent)
  10. „Betriebsklima? Das regeln wir mit dem Thermostat“ (schlechtes Betriebsklima: 31 Prozent)

Quelle: Trendmonitor 2016

Datenbasis: 377 Fach- und Führungskräfte aus Pressestellen plus 277 Fach- und Führungskräfte aus PR-Agenturen.

Methode: Online-Befragung, Maximal fünf Nennungen möglich. Befragungszeitraum: 1. Quartal 2016

Initiatoren der Umfrage:

www.newsaktuell.de

www.faktenkontor.de

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