Alpenleben Graechen und St. Niklaus Tourismus PR-Bild Award 2018

Ui, da braut sich was zusammen: Das denkt man sofort bei diesem Bild mit dem Titel „Alpenleben“. Entstanden ist es im Walliser Mattertal. Im Schweizer Kanton Wallis befinden sich die höchsten Berge der Alpen, das Wetter schlägt innerhalb kürzester Zeit um. Entsprechend extrem ist der Alltag eines Alpsenns – gleichsam archaisch wie mystisch. Das vermittelt auch das Foto, das es auf die diesjährige Shortlist des PR-Bild Award schaffte (Kategorie Lifestyle). Cecile Matter, Projektleiterin vom Geotourismus Mattertal erzählt, wie das Foto entstanden ist. Und überrascht uns mit dem Wetter.

news aktuell: Wo ist das Bild entstanden? Was genau ist darauf zu sehen? 

Cecile Matter Geotourismus Mattertal Schweiz PR-Bild Award

Cecile Matter ist Projektleiterin bei Geotourismus Mattertal. Hinter dem Projekt steht die Touristische Unternehmung Grächen AG.

Matter: Das Bild ist auf der Alpe Jungen im Walliser Mattertal entstanden. Im Zentrum sieht man eine Frau, welche einen Milchkessel auswäscht. Dabei sieht man genau den Moment, als sie das Wasser daraus ausschüttet. Das Bild zeigt die Frau in ihrer natürlichen Arbeitsumgebung auf der Alp. Sie steht vor zwei Häusern: Links auf dem Bild sieht man ein typisches Walliser Chalet, welches ganz zu sehen ist. Vorne im Bild erkennt man das für die Region typische traditionelle Schieferdach. Rechts im Bild steht ein Kreuz.

Im Hintergrund ist ein Wetterumschwung zu sehen. Die Düsterheit, welche von den aufziehenden Wolken herkommt, kann den Betrachter zur Annahme verleiten, das sich hier schlechtes Wetter zusammenbraut. Das Gegenteil ist bei dem Phänomen jedoch der Fall. Nach mehreren Tagen schlechtem Wetter, lösen sich die Wolken auf und ziehen sehr schnell den Hang hinauf. Eine halbe Stunde später scheint die Sonne am blauen, fast wolkenlosen Himmel.

news aktuell: Wie muss man sich die Naturgewalten in den Walliser Bergen vorstellen?  

Matter: Im Wallis befinden sich die höchsten Berge der Alpen. Weite Teile des Gebietes sind alpin und vieles sogar hochalpin geprägt. Dazu ist das Wallis ein inneralpines, trockenes Tal, in welchem bedingt durch die hohen Berge nicht viele Niederschläge fallen. Durch die hohen Berge und das spezielle Klima sind sich die Menschen im Wallis der Natur sehr bewusst. Einerseits kann man an schönen Herbsttagen mit exzellenter Weitsicht in der Höhe bis weit nach Frankreich und Italien blicken. Hingegen gibt es sehr oft plötzliche, schnell ablaufende Wetterumschwünge. Das Wetter und insbesondere die Wolken verhalten sich dann sehr dynamisch und liefern ein grossartiges Wetterspektakel ab wie auf unserem Bild. Schnee- oder regenreiche Witterungsperioden können aber auch zu Naturgefahren wie Lawinen, Murgängen und Steinschlag führen.

Die Menschen leben mit der Natur und sind es gewöhnt, sich an die Natur anzupassen und auch einmal bei widrigen Verhältnissen auf eine Fahrt ins nächste Dorf zu verzichten.

Mystischer Bodennebel Alpe Jungen Wallis

Mystischer Bodennebel auf der Alpe Jungen. Foto: Stefan Walter

news aktuell: Wie sieht der Alltag eines Alpsenns im Wallis aus? Was könnte ein „Digital Native“ sich von diesem Lebensstil abschauen? 

Matter: Das romantisierte Bild, welches Sie wahrscheinlich vom Alltag eines Alpsenns haben, können sie gerade vergessen. Der Alltag als Alpsenn bedeutet sehr viel körperliche Arbeit und hat nur sehr wenig mit Alpenromantik zu tun. Sondern sie melken Kühe, tragen schwere Kessel, verarbeiten die Milch zu Käse und bauen Zaunpfähle auf und ab. Sie arbeiten bis zu 14 Stunden pro Tag, müssen belastbar sein und haben während des Alpsommers keine Zeit für soziale Kontakte. Viele Alpsennen scheitern in ihrem ersten Sommer.

Die harte Arbeit aber wird mit zahlreichen mystischen Momenten wie auf unserem Bild entlöhnt. Dazu kann die harte körperliche Arbeit sie auf eine Art und Weise innerlich befriedigen, welche nicht vergleichbar ist mit einem Tag vor dem PC. Umgeben von der Natur können sie sich auch auf sich selbst zurückbesinnen und im Einklang mit der Natur wieder zu sich selbst finden.

Die Bergwelt erwacht Wallis

Die Bergwelt erwacht. Foto: Stefan Walter

news aktuell: Was waren die besonderen Herausforderungen für den Fotografen bei der Produktion des Bildes? 

Matter: Der Fotograf Stefan Walter war morgens um 8 bei der Alpe Jungen und redete kurz mit den beiden Alpsennen bei der Hütte. Beim Weiterlaufen drehte er sich intuitiv um und hat den Moment eingefangen, als einerseits die Alpsennin den Wasserkessel ausschüttete und andererseits sich die Wolken im Hintergrund dynamisch bewegten.

Die grösste Herausforderung eines Fotografen ist es, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort auf den Auslöser zu drücken. Als Fotograf ist es wichtig, dass man sich überlegt, was alles noch passieren könnte und dementsprechend immer aufmerksam und wach bleibt.   

news aktuell: Das Bild ist recht düster für die Kategorie Lifestyle, schaffte es aber (gerade deshalb?) auf die Shortlist. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe?

Matter: Das Bild zeigt eine mystische Stimmung, da es einerseits im Gegenlicht aufgenommen wurde und andererseits eine spannende Licht- und Wetterstimmung  zeigt. Diese mystische Stimmung weckt auch bei Leuten in den Städten die Sehnsucht, zur Natur und zum Archaischen zurückzukehren.  

news aktuell: Das Bild zeigt keine „klassische“ Winter- beziehungsweise Sommer-Situation in der Schweiz. Welche Rolle spielen die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus in der Schweiz? 

Matter: Ich stimme der Aussage nicht zu, dass dieses Bild keine klassische Sommer-Situation ist. Es zeigt den Arbeitsalltag von einer Person, welche in den Bergen arbeitet. Es ist erkennbar, dass diese kein gestelltes Bild ist. Die meisten sind es jedoch gewöhnt, solche Szenarien als Wanderer, sprich als Tourist zu sehen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in den Schweizer Alpen deutlich spürbar. Gletscher ziehen sich zurück, der Permafrost lässt nach und all dies führt zu Sturzprozessen wie Steinschlag und Bergstürzen wie letztes Jahr in Bondo. Der spürbarste Wandel für den Tourismus ist aber der zunehmende Schneemangel in tieferen Regionen. Sicherlich gibt es immer noch schneereiche Winter wie den letzten. Aber die Tourismusdestinationen müssen für den Winter nicht nur das Skierlebnis für den Gast planen, sondern sich  auch ein Programm für schneearme Winter überlegen. 

Im Mattertal hat sich das Regionalentwicklungsprojekt Geotourismus Mattertal zum Ziel gesetzt der Bevölkerung und den Touristen vermehrt auch Wissen über den Klimawandel und die geomorphologischen Phänomene im Mattertal zu vermitteln. Beispielsweise werden Forschende aus der Schweiz und dem Ausland zu Veranstaltungen eingeladen, in welchen sie ihre Forschungserkenntnisse der breiten Öffentlichkeit vorstellen.

 

Schlagworte