Die neue Line Extension des SPIEGEL Portfolios nimmt sich nun einer der Hochburgen des Trivialen an und überprüft in SPIEGEL FERNSEHEN, ob arte- und 3Sat-Gucker auch Lust auf Streaming haben. Und auf Programmzeitschriften. TREIBSTOFF hat sich die Neuerscheinung in zimpel genauer angeschaut.

Spiegel Fernsehen

Programmhefte sind etwas aus der Zeit Gefallenes. Etwas, das bei den Eltern auf dem Tisch lag und heute im unteren Drittel des Zeitschriftenregals aufgebahrt wird. Generische Titel und Titelblätter führen durch lineare Unterhaltungswelten einer vergangenen Generation. Seit Streamingplattformen tatsächlich auch in Deutschland etwas taugen und in Form von Netflix, Amazon Prime und öffentlich rechtlichen Mediatheken das Einschalten on Demand massentauglich gemacht haben, hat es das Fernsehen schwer. So die Perspektive eines Internetkindes, das heute ein Interneterwachsener ist. Dennoch erfreuen sich Programmzeitschriften konstanter Beliebtheit und führen die Auflagencharts beständig an – die Zahl elterlicher (und großelterlicher) Couchtische ist eben nicht zu unterschätzen.

Das Altbewährte mit Zeitgemäßem zu verbinden ist die Aufgabe dieser Zeitschriftengattung, wenn sie neue Absatzmärkte erschließen will und niemand geringeres als Der Spiegel wagt einen Vorstoß. „SPIEGEL FERNSEHEN soll Sie durch das unübersichtliche und aufregende Terrain zwischen Netflix und ARD, zwischen Amazon Prime und Arte navigieren“, versprechen die Redaktionsleiter Markus Brauck und Christian Buß.

Spiegel Fernsehen 2

Reportagen, Interviews, Serienempfehlungen und Guilty Pleasures der Redaktion: SPIEGEL FERNSEHEN.

 

Was ist nun aber der Unterschied zwischen SPIEGEL FERNSEHEN und der generischen TV Aktuell (Name geraten) aus dem unteren Regaldrittel? Natürlich sind es die Empfehlungen. Denn SPIEGEL FERNSEHEN verortet geschmackssicher schlaue Sendungen auf Dritten, heiße Serientipps aus In- und Ausland und Sehenswertes in den bekannten Mediatheken. Neben der Mischung aus linearem und webbasiertem TV, die es wohl auch anderswo bereits geben mag, sind es der Ton und die abwechslungsreiche Zusammenstellung des Inhalts, die SPIEGEL FERNSEHEN lesenswert machen. Die Berichterstattung umfasst neben Reportagen, Interviews und Serienempfehlungen auch zeitloses und Guilty Pleasures der Redaktion. Und ach ja: Zwei Wochen Fernsehprogramm gibt es im zweiten Magazinteil auch, als sei dem Heft eingefallen, dass es ja eine Fernsehzeitschrift ist.

SPIEGEL FERNSEHEN kommt überraschend, da Programmzeitschriften heute kaum mehr als leicht konsumierbare Unterhaltung für den Couchtisch darstellen. Die Neuerscheinung ergibt jedoch Sinn, da die Umwälzungen des Fernsehmarktes spannend sind und das Auflagenniveau vielversprechend. Auf jeden Fall ist es begrüßenswert, das Medien auf die geänderten Guckgewohnheiten des breiten Publikums reagieren und Konzepte liefern, die auch jenseits von Omas Couchtisch funktionieren.

 

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