Networking GWPR Cornelia Kunze

Im Zeitalter der Plattformen, der auf den Moment ausgerichteten immer verfügbaren Transaktionen auf LinkedIn und Co. könnte man meinen, dass Netzwerke in der realen Welt an Bedeutung verlieren. Das Gegenteil ist der Fall. Netzwerken gewinnt an Prestige, Sex-Appeal und Nutzwert, scheinbar besonders für Frauen. Was ist dran an der nicht so neuen Geheimwaffe?

Ein Plädoyer von Cornelia Kunze

Cornelia Kunze Networking GWPR

Cornelia Kunze ist 1. Vorsitzende des deutschen Chapter von Global Women in PR. Die Kommunikationsexpertin war fast zwanzig Jahre im globalen Management bei Edelman tätig, bevor sie sich Anfang des Jahres mit der Marken- und Kommunikationsberatung i-sekai selbständig machte. Foto: privat

Netzwerke entscheiden über die Karriere im eigenen Unternehmen: Es war einmal ein Wirtschaftsführer, der allein Kraft seines IQ, EQ und ROI an die Spitze eines Großunternehmens gelangte, wo er selbstzufrieden und glücklich bis zum Rentenalter schaffte und den Wohlstand Aller mehrte. Wer war das? Mister Illusion. Denn in Wahrheit gelang seine Karriere durch die Unterstützung Vieler. Vorgesetzte, Kollegen, Mitarbeiter, Betriebsrat, Kunden, Politiker. Menschen unterstützen „ihresgleichen“, nutzen ihre Beziehungen als Sprungbrett und bevorzugen Zöglinge und Weggefährten bewusst und unbewusst, wenn es um die Besetzung von Positionen geht. Starke Netzwerke – formelle wie informelle – schaffen eine Plattform, um eigene Stärken sichtbar zu machen und gemeinsame Visionen umzusetzen.

Der nächste Karriereschritt kann und muss manchmal außerhalb des Unternehmens stattfinden: Vom Abi bis zur Rente bei einem Arbeitgeber? Das ist die Ausnahme. Ein Nachteil für diejenigen, die sich eindimensional auf ihr jeweiliges Tagesgeschäft konzentrieren. Sie haben kaum Gelegenheit, professionelle Netzwerke aufzubauen. Es fehlt an Wissen, was woanders möglich wäre, an Kontakten, die einen reibungslosen Wechsel möglich machen könnten und am Ende am Wunsch, sich loszueisen. Wer nach 15 Jahren sein erstes Date hatte, weiß, was ich meine. Deshalb: Zeit investieren und üben.

Neue Geschäftsbeziehungen bereichern das Business, nicht nur im Vertrieb: Neue Kunden stehen nicht an der Unternehmenspforte an. Für Vertriebs-Manager steht das Netzwerken daher im Pflichtenheft. Alle anderen haben eine Entschuldigung, nicht vor die Tür zu gehen oder meinen, eine Entschuldigung zu brauchen, außerhalb des Firmengebäudes „fremdzugehen“. Zu kurz gesprungen. Wer jedoch nach jeder Veranstaltung oder „Transaktion“ die „Conversion Rate“ messen will oder soll, enttäuscht sich und andere. Netzwerken ist Marathon, nicht Sprint.

Netzwerken macht schlauer, einfach so: Ratschläge von Menschen, die nicht Teil des „inner circle“ sind, zählen doppelt. Wir können uns Menschen öffnen, die kein Eigeninteresse verfolgen. Sie bringen eine andere Perspektive ein und erlauben den Blick über den eigenen Tellerrand. Wir alle brauchen Herausforderer, die uns gnadenlos die Meinung sagen, ohne dass sie Nachteile davon befürchten müssen.

It`s fun: Wer des Öfteren in London arbeitet, hat die Vorteile des Netzwerkens im Pub erlebt. Nicht so sehr in Bezug auf das englische Bier, darüber kann man streiten. Die informelle Atmosphäre, die Gesprächsanbahnung über Hierarchie- und Unternehmensgrenzen hinweg, schafft Gemeinsamkeiten.

Netzwerken macht schlau und erfolgreich. Wir Frauen leben in der Realität von männlich geprägten Kulturen – immer dann, wenn die Führungsspitze fast nur aus Männern besteht. Wenn aber typisch männliche Freizeitbeschäftigungen Frau nicht so liegen, was dann? Eigene Netzwerke bilden! Dafür sorgen, dass mehr Frauen nach oben kommen und gemeinsam Themen und Aktivitäten beeinflussen. Es ist auch Zeit, das Vorurteil zu widerlegen, dass Frauen andere Frauen nicht fördern wollen. So ein Unsinn. Oder?

 

Global Women in PR

Am 16. Januar gründeten Deutschlands Kommunikatorinnen in München GWPR Deutschland e.V., den deutschen Ableger der internationalen Organisation Global Women in PR. Gründungs- und Fördermitglieder: Kristina Fassler (Welt/N24), Clarissa Haller (Siemens), Inken Hollmann-Peters (Beiersdorf), Gabriele Kaminski (GK-Personalberatung), Babette Kemper (Ogilvy PR), Tina Kulow (Facebook), Cornelia Kunze (i-sekai), Susanne Marell (Edelman-ergo), Tina Mentner (Hering Schuppener), Barbara Schädler (E.ON), Sabia Schwarzer (Allianz), Monika Schaller (Deutsche Bank), Anke Schmidt (BASF), Edith Stier-Thompson (news aktuell).

Weitere Infos: vorstand@globalwpr.de

 

Oben im Bild: Cornelia Kunze (2.v.l.) sowie die weiteren Vorstände von GWPR Deutschland e.V. (v.l.n.r.) Sabia Schwarzer (Allianz), Monika Schaller (Deutsche Bank) und Barbara Schädler (E.ON) bei der Gründung des Vereins in München am 16. Januar.

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in unserer aktuellen TREIBSTOFF-Ausgabe. Hier gehts zum Download.

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Themen der Ausgabe 12/18:

  • Alt versus Jung: Wie verhält es sich im PR-Alltag mit Diversity? Ein nicht repräsentatives Stimmungsbild von Babyboomern und den Generationen X und Y.
  • PR-Hackathon 2018: Erfolgsfaktor Vielfalt. Wie sehen die weiblichen Hackathon-Teilnehmer ihre Rolle als Frau und was empfehlen sie dem Nachwuchs?
  • Qualitätssiegel für gute Inhalte: Wie funktioniert die neue Medieninitiative „Trust Project“?
  • A new star is born: Die wichtigsten Dos and Don’ts bei Promi-PR
  • Vernachlässigte Reputation: Warum wird der gute Unternehmensruf in den Kommunikationsabteilungen stiefmütterlich behandelt? Ein Erklärungsversuch.
  • Netzwerken macht erfolgreich: Was ist dran an der nicht mehr so neuen Geheimwaffe? Ein Plädoyer von Cornelia Kunze, Vorsitzende des Netzwerks „Global Women in PR Deutschland“ (GWPR)
  • Visuelle PR: Megatrend statt Modeerscheinung. news aktuell hat ein neues Whitepaper veröffentlicht.

 

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