Letzter Hamburg-Flug von Air Berlin

Am 27. Oktober 2017 endete das Kapitel von „Air Berlin“. Der letzte Flug von Hamburg nach Düsseldorf mit der Flugnummer AB6757 wurde um 19.00 Uhr mit einer Fontäne der Flughafenfeuerwehr verabschiedet. Crews und Mitarbeiter bildeten für den letzten Flug ab Hamburg ein Spalier auf dem Vorfeld. „Last Call: Air Berlin“ heißt daher dieses einprägsame Bild, das der Fotograf Michael Penner für den Hamburger Flughafen erstellte und das es beim diesjährigen PR-Bild Award auf die Shortlist geschafft hat (Kategorie Social-Media-Foto).

news aktuell: Wo ist das Bild entstanden? Wer und was genau ist darauf zu sehen?

Penner: Das Foto ist am 27.10.2017 gegen 19.00 Uhr auf dem Flughafen Hamburg entstanden. MitarbeiterInnen von Air Berlin verabschiedeten den letzten Flug der Airline von Hamburg. Crewmitglieder und Passagiere wurden mit geschwenkten Air Berlin-Halstüchern begrüßt und verabschiedet.

news aktuell: Welche Geschichte erzählt das Bild?

Penner: Das Foto soll auch die Freude und den Stolz der MitarbeiterInnen über das bis dahin Geleistete mit zum Ausdruck bringen – bei aller Trauer über das Ende der Gesellschaft.

news aktuell: Was waren die besonderen Herausforderungen bei der Produktion des Bildes?

Der letzte Flug von Hamburg nach Düsseldorf am 27.10.2017 wurde mit einer Fontäne der Hamburger Flughafenfeuerwehr verabschiedet.

Penner: Es sollte möglichst kein gestelltes Motiv sein. Aber es war vorher nicht klar, ob und wie viele Mitarbeiter kommen würden. Da ich ja selbstredend keine Akustik direkt abbilden konnte, wollte ich diese Stimmung (lautstarke Gesänge, Rufe…) möglichst optisch einfangen. Dafür waren die Halstuch schwenkenden MitarbeiterInnen genau richtig. Die lange Belichtung für die Farbenwischer durfte aber gleichzeitig nicht alle Köpfe unscharf darstellen. Eine zweite schöne Szenerie an dem Abend war die Wasserfontäne der Betriebsfeuerwehr beim Abflug. Hier habe ich zwei weitere Bilder gemacht. Ein Bild, bei dem das gesamte Flugzeug unter der Wasserfontäne steht, sowie ein Bild, das stärker das Verschwinden der Airline symbolisiert, indem nur das Heckleitwerk auf dem Bild zu sehen ist und unter der Wasserfontäne verschwimmt.

news aktuell: Wo haben Sie das Bild veröffentlicht und welche Resonanz hat es gegeben? Wie hat die Öffentlichkeit reagiert? Und wie die Medien?

Penner: Das Foto wurde in mehreren Tageszeitungen gedruckt. Die „Bild-Konkurrenz“ in den letzten Tagen von Air Berlin war natürlich groß, zumal ein Tag später der allerletzte Flug von Air Berlin in Berlin landete. Agenturfotografen, Hobbyfotografen, Passagiere und Schaulustige haben alle Fotos geschossen und auf professionellen Plattformen oder auf Social Media veröffentlicht. Ein vergleichbares Motiv wie unseres aus Hamburg habe ich aber nicht gesehen. Die Luftfahrtfachpresse hat übrigens das Fontänenmotiv mit dem ganzen Flugzeug gewählt.

Das Heckleitwerk verschwimmt in der Wasserfontäne der Hamburger Flughafenfeuerwehr.

news aktuell: Welche Trends erkennen Sie derzeit in der Bildsprache der sozialen Medien?

Penner: Der Trend lautet eindeutig: kopiere das, was schon gefällt – das garantiert auch Erfolg! Viele große Unternehmen haben diesen Trend aber für die PR-Fotos (noch) nicht erkannt. Ich persönlich muss zu diesem Trend aber ehrlich sagen, dass er zum Teil auch zu weniger eigenständigen Ideen und weniger Kreativität führt. Bilder, die gut ankommen, werden gern nachgestellt/kopiert. Tausende von Usern jetten um die Welt, um erfolgreiche Fotos im Netz nachzufotografieren – und zwar als möglichst exakte Kopie. Zwar sind die Bildkopien oftmals genauso schön wie das Original, aber es ist eben nichts Neues mehr. Diesen Trend „kopiere das, was schon gefällt“ versuchen natürlich viele Fotografen zu durchbrechen. Aber wir kennen das aus Rundfunk und Fernsehen: Seichte Unterhaltung hat häufig den größten Erfolg/die größte Reichweite, und daran orientieren sich auch oft Verantwortliche.

news aktuell: Welche Fototrends (nicht nur in den sozialen Medien) bahnen sich Ihrer Meinung nach als nächstes an? Was läuft sich bald tot?

Penner: Ich glaube, dass sich die Entwicklung der „self-made Fotos“ noch lange fortsetzen wird: Handyfotos werden immer perfekter dank intelligenter Software und Unterstützung von Kameraherstellern (z.B. mit Leica Objektiv). Das Netz und die Zeitungsredaktionen werden mit noch mehr Fotos von „Amateuren“ oder Hobbyfotografen überschwemmt. Viele User verwechseln allerdings häufig die Leistungsfähigkeit ihrer technischen Geräte mit ihrem eigenen Können, aber es gibt auch Bilder, die technisch brillant sind. Die zum Teil spontan entstandenen Fotos werden es mehr und mehr in Publikationen schaffen – häufig nicht zuletzt wegen ihrer geringeren Kosten und schnellen Verfügbarkeit.

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