Visuelle Kommunikation Makerist Katrin Jahns

Mode, Lifestyle und Living sind visuelle Branchen par excellence. Die Kommunikation mit Bildern und Videos gehört hier zum PR-Standardrepertoire. Auch bei der DIY-Plattform Makerist läuft fast alles über die Bildsprache. Sagt Katrin Jahns, die beim Berliner Start-up die Bereiche Public Relations und Content verantwortet. In TREIBSTOFF spricht sie über die Gratwanderung zwischen „Do-it-yourself“ und „Vom-Profi-machen-lassen“ und verrät, was sie beim Selber Machen gelernt hat.

TREIBSTOFF: Welche Rolle spielt visuelle Kommunikation bei Makerist?

Katrin Jahns von Makerist im TREIBSTOFF-Interview zu visueller PR.

Katrin Jahns verantwortet seit 2013 die Bereiche Public Relations und Content beim aufstrebenden Berliner Start-up Makerist. 2016 gehörte sie zu den „30u30“ Young Professionals des PR Report. Vor ihrer Arbeit in Presse und Content Marketing volontierte Jahns in der Online-Redaktion der COSMOPOLITAN, arbeitete als freie Journalistin unter anderem für BILD und absolvierte ein Studium der Kultur- und Literaturwissenschaften.

JAHNS: Eine gigantische. Im Do-it-yourself-Bereich läuft wie in der Mode fast alles über die Bildsprache. Wir bieten Video-Lehrgänge zum Erlernen von Handarbeiten und legen daher großen Wert auf eine hervorragende Qualität – schließlich muss jeder Arbeitsschritt perfekt zu erkennen sein, damit ein Projekt gelingt! Für unseren Anleitungsmarkt, in dem Hobby-Designer ihre Schnittmuster und Anleitungen in Form von eBooks anbieten, sind gute Produktfotos außerdem essentiell für die Kaufentscheidung.

TREIBSTOFF: Welche visuellen Mittel sind für euch die wichtigsten?

JAHNS: Grundsätzlich alle. Kein erfolgreiches Marketing läuft ohne professionelle Grafiken, kein Video-Kurs ohne eine gute Crew an Kamera und Schnitt, keine Bespielung von Social Channels ohne ansprechende Fotos. Unser Grafikteam meistert – klassisch fürs Startup – allerdings nicht alles im Alleingang: Die Arbeitswelt wandelt sich, eine Redakteurin oder ein Social Media Manager muss in der Lage sein, selbstständig ansprechende visuelle Inhalte produzieren zu können.

TREIBSTOFF: Wie entscheidet ihr, wann welches Mittel – also Foto, Video, Grafik oder reiner Text – angebracht ist?

JAHNS: In den Fällen, in denen das nicht auf der Hand liegt – beispielsweise bei Newsletter-Kampagnen, die zwangsläufig über klassische Grafiken funktionieren – berufen wir uns auf Erfahrungswerte. Ein Facebook-Live-Video sollte nicht Montagvormittag laufen, wenn alles auf Arbeit sitzt; “leichte Kost” wie eine schnelle Instagram-Story mit hübschen Impressionen aus unserem Büro kann man seinen Followern wiederum auch werktags zum Frühstück kredenzen.

TREIBSTOFF: Macht ihr eure PR-Bilder und Videos selber oder greift ihr auch auf professionelle Dienstleister oder Freelancer zurück?

JAHNS: Abgesehen von den Video-Kursen, die alle mit externen Profis aus Film und Fernsehen produziert worden sind, machen wir alles (Bewegt-)Bildmaterial selbst. Es ist unglaublich, was man mit hoher Motivation, Herzblut und Erfindergeist selbst auf die Beine stellen kann. Viele von uns, auch ich, sind da schon über sich selbst hinausgewachsen. Zum Beispiel bei einem improvisierten Covershooting für ein Printmagazin oder einer obligatorischen Licht-Kamera-Konstruktion für DIY-Zeitraffer-Videos aus der Vogelperspektive für Facebook.

Es ist unglaublich, was man mit hoher Motivation, Herzblut und Erfindergeist selbst auf die Beine stellen kann. Klick um zu Tweeten

TREIBSTOFF: Wenn ihr Dinge selbst machen könnt, welche sind das? Und welche sollte man doch Profis überlassen?

JAHNS: Produktfotos, Mitarbeiterfotos und Moods shootet und bearbeitet das Makerist-Team. Die Investition in Profis lohnt sich meiner Meinung nach bei Fotos, die es ein Firmenleben lang brauchen wird: Gründerportraits, Bürofotos und Imagebilder.

TREIBSTOFF: Wenn ihr Dinge selbst erledigen könnt – was sind die größten Learnings, die ihr weitergeben könnt?

JAHNS: Seid mutig! Traut euch etwas zu! Arbeitet mit Moodboards bei Pinterest mit Inspirationen und Vorlagen, experimentiert, lasst auch mal etwas nicht klappen und fangt wieder von vorne an. Beschäftigt euch vorab mit den Zielkanälen, auf denen euer Bild oder Video landen soll. Schreibt euch eine Checkliste: Was macht ein gutes YouTube-Video aus, was sind PR-Foto-Must-Haves? Achtet auch und vor allem auf die Details. Wenn ihr noch komplett am Anfang steht, lasst euch in Sachen Licht oder Ton von Profis aushelfen – das kann auch ein Bekannter sein, der euch beim ersten Mal freundlicherweise Hilfestellung leistet. Damit ist viel Zeit gespart.

TREIBSTOFF: Wie findet ihr Motive für eure PR-Bilder und Videos?

JAHNS: Gerade im DIY-Bereich gibt es jedes Jahr neue Trends in den Darstellungsformen – das lässt sich über Pinterest und Instagram sehr gut beobachten. Daran orientieren wir uns natürlich auch. Videos vom Herstellungsprozess eines Projekts aus der Vogelperspektive oder von einem gemütlichen Setting am Tisch mit Stricknadeln und Kaffee bleiben langfristig beliebt.

TREIBSTOFF: Sind Trends und Bildsprachen eigentlich branchenspezifisch oder beobachtest du auch übergreifende Entwicklungen?

JAHNS: Auf jeden Fall! Gerade Do It Yourself zieht sich ja durch viele Lifestyle-Bereiche: von Mode über Living bis hin zu Food. Ein gutes Beispiel ist der Scandi-Style: Vor ein paar Jahren löste der eher schlichte, kühle Skandinavien-Look für Möbel und Einrichtung den Shabby Chic ab. Auch Do-it-yourself-Projekte wurden kühler, es wird viel mit hellem Holz und Pastellfarben gearbeitet.

TREIBSTOFF: Welche Verbreitungswege und Plattformen bieten sich für visuelle PR-Maßnahmen an?

JAHNS: Am besten immer alle. Im Print lässt sich natürlich immer visuell besonders ansprechend mit großartigen Bildern und Texten spielen. Bei den Social Channels ist Instagram mit Abstand der Brand-lastigste Kanal. Hier interessieren sich Follower mehr als bei Facebook oder Pinterest für Geist und Persönlichkeit eines Unternehmens und sind empfänglicher für PR-Maßnahmen.

TREIBSTOFF: Es gibt so viele verschiedene soziale Netzwerke, kannst du kurz zu den wichtigsten eine kleine Einschätzung abgeben, welche Bedeutung sie für euch haben und was bei den jeweiligen Netzwerken speziell zu beachten ist?

JAHNS: Facebook ist für uns ein klassischer Marketing-Channel, dem wir mit ein paar Brand-Maßnahmen wie Blicken hinter die Kulissen via Facebook Live oder externen Inhalten, die unser Team inspirieren, mehr Leben einhauchen. Instagram ist ein Branding-Channel, der von hervorragender Bildsprache lebt und sich sehr nahbar zeigt. In Insta-Stories zeigen wir gern unser Gesicht. Hier findet der größte Austausch mit unseren Followern statt. Pinterest ist ein klassischer Marketing-Channel und großer Trafficbringer, der in Ästhetik und Form nach eigenen Regeln spielt, die es zu beachten gilt. YouTube ist ein anspruchsvoller Channel, der für uns als Video-Handarbeitsschule natürlich sehr relevant ist. Auch hier ist für Firmen beste Qualität gefragt, die Besuche bringt.

 

Dieses Interview erschien ursprünglich in unserem aktuellen Whitepaper „Visuelle PR. Der endgültige Leitfaden“.

Inhalte des Whitepapers:Whitepaper VIsuelle PR Bild-PR

  • Na da schau mal einer an: Einführung in die Fragestellung
  • Klick…raten! Empirie und Intuition
  • Bild-PR zwischen Instagram und Highend-Fotoshootings
  • Bildrechte für die Pressearbeit: Alles, was Sie wissen müssen
  • Trend in der Bild-PR
  • „Seid mutig!“ Interview mit Katrin Jahns, Head of Press & Blogger Relations bei Makerist
  • Live, schnell und dreckig: So geht Video heute
  • „Ein Profi zeichnet sich eben nicht durch sein Equipment aus, sondern durch sein Know-how“ Interview mit Sebastian Schneider, Head of Visuals PR & Sales bei PPR Media Relations
  • „Ist PR eine visuelle Disziplin?“ Von Petra Sammer, Autorin und Unternehmensberaterin

Hier gehts zum Download unseres neuen Whitepaper.

 

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