Sie heißen Bento, Ze.tt oder Byou. Sie versprechen Nachrichtenfutter für junge Menschen. Und sie sind die Kinder der großen Leitmedien SPIEGEL, ZEIT und BILD. Doch was bieten die neuen, digitalen Jugendmedien der Zielgruppe tatsächlich?

Von Leon Hoberg (20), Auszubildender bei news aktuell

Leon Hoberg, 20, testet die Jugendmedien von SPIEGEL, ZEIT und BILD.

Leon Hoberg, 20, macht gerade eine Ausbildung zum Medienkaufmann Digital & Print bei news aktuell. Die jungen Medien von SPIEGEL, ZEIT und BILD konnten ihn nicht überzeugen.

Ob ich auf der Onlineseite eines Printproduktes lande, oder auf den Onlineseiten von TV und Radio, ist egal. Auch Facebook und Twitter halten mich durchaus auf dem Laufenden, und die Pushfunktion aller möglichen News-Apps erlaubt es mir, mich nachrichtentechnisch über den Tag verteilt im 1-Satz-Stil zu ernähren. SPIEGEL, ZEIT, FAZ, WELT oder BILD. Fernsehen oder Radio, öffentlich-rechtlich und privat. Blogs oder Social Media. Überall bekomme ich News in kurzer und langer Erzählform, Bilder, Videos und Audios.

Alle genannten Leitmedien haben seit vielen Jahren ihre Angebote digitalisiert. Warum also jetzt der digitale Kinderteller für Nutzer, die die Erwachsenenportion nicht schaffen?

Die Herausgeber recherchieren und kalkulieren: Die Aufmerksamkeitsspanne der jungen Erwachsenen, am PC oder Smartphone hängend, mit Twitter und Facebook sozialisiert, sinkt. Kurz geht, lang weniger. Der sogenannte snackable content ist Hauptaugenmerkmal dieser neuen Medien. Ebenso wie das Clickbait Prinzip, das alle genannten Ableger benutzen. Große Bilder, reißerische Überschriften. Genau diese Dinge locken die Nutzer. Die Leute wollen alles schnell in Kurzform auf ihrem Smartphone scannen, diese Snacks reichen den Usern als Erstkontakt mit den News. Wer mehr will, bekommt es überall im Netz und muss eigentlich nicht auf die Online-Ableger der etablierten Medien gehen.

Online reading news

„Wenn ich einen Burger will, gehe ich zu McDonald´s. Wenn ich ein Eis will, zum Eismann. Wenn ich News will, gehe ich ins Netz!“

 

Aber bei mir funktioniert das so nicht. Bento und Ze.tt bieten mir keinen Mehrwert in Sachen News, sondern Texte und Bilder von älteren Menschen, die glauben zu wissen, was mich interessiert. Um meinen Newshunger zu stillen, reichen mir die Mütter SPIEGEL und ZEIT. Byou ist ein bisschen wie die Zeitschrift Bravo, bunt und unbeschwert. Die Seite unterhält, ist in meinen Augen aber keine richtige Newsadresse. Buzzfeed macht Listen-Unterhaltung, das ist für mich mehr so der Nachtisch und nicht das Hauptmenü – eine gute Ergänzung, aber keinesfalls Grundversorgung meines Newsbedarfs.

Fazit: Wenn ich guten, informativen Journalismus suche, dann ist der da draußen im Netz. Dazu muss mich niemand auf eine bildlastige, bunt angemalte neue Seite locken. Sobald irgendwo etwas steht, was wirklich neu, gut recherchiert, bewegend, menschlich ist, kriege ich das dank Social Media immer mit. Ich brauche nicht unbedingt eine Quelle, die ich mir merke, um gut informiert zu sein.

Für mich ist der Grundfehler dieser Jugendmedien, dass man davon ausgeht, wir Jungen würden uns hinter eine Marke stellen. Unsere Newsmarke ist das Netz und genau darin wollen wir weiter fischen und nicht an einer Stelle ankern!

Schlagworte