Need for Speed? Das Internet unter Zeitdruck: Ein Kommentar über den Kampf der Internetgiganten Google und Facebook um die Vorherrschaft im Web und was das für Medienmacher bedeutet.

Von Klaus-Peter Frahm, Leiter Business Development bei news aktuell

Klaus-Peter Frahm

Klaus-Peter Frahm, Leiter Business Development bei news aktuell

„Die Nutzenversprechen von Facebook und neuerdings auch Google klingen verlockend: News sollen künftig blitzgeschwind auf unseren Telefonschirmen erscheinen. Kein Ruckeln mehr, kein Warten, keine Zeitverschwendung. Ein beklatschenswerter Anspruch in der Tat. Aber geht es den Platzhirschen im globalen Werbemarkt wirklich um die bestmögliche User Experience für den Nachrichtenkonsum? Ja, auch, bestimmt. Aber gewiss nicht nur. Das Ringen um Millisekunden ist in Wahrheit nämlich viel mehr ein Kampf der Giganten um das Internet an sich.

In der einen Ecke Facebook. Angetreten, um möglichst viele Menschen (eigentlich alle auf der Welt) so oft und so lange wie möglich (eigentlich immer) an seine Plattform zu binden. Und damit ganz nebenbei das offene Web obsolet zu machen. Die Begründung: nur auf einer sämtliche Technologieschichten integrierenden Plattform können Medieninhalte garantiert flink und flüssig ausgeliefert werden.

Internet unter Zeitdruck

In der anderen Ecke Google, dessen Schicksal unmittelbar mit der Vielfalt und Offenheit des Web verknüpft ist, das heißt also auch mit einer bunten Medienlandschaft, bestehend aus möglichst vielen eigenständigen Publikationen im Netz. Denn ohne diese Vielfalt gehörte die sündhaft profitable Vermarktung der Suchmaschine bald der Vergangenheit an. Offenbar steigt Google deshalb jetzt in die von Facebook eröffnete Speedbattle ein, und startet seine eigene Instant Article-Initiative. Ziel dabei ist die Sicherstellung der eigenen Geschäftsgrundlage. Aber ganz nebenbei geht es auch um die Erhaltung des offenen Web, in dem Millionen von unabhängigen Medienangeboten täglich für Inspiration, Innovationen und am Ende für eine immer besser werdende User Experience bei der Nutzung von Nachrichten sorgen.

Natürlich wird Google damit nicht zwangsläufig zum Heiland der Medienbranche, klar. Aber für Verlage, die nicht nur redaktionell unabhängig sein wollen, sondern ihre Eigenständigkeit auch bei der Beziehungspflege mit der eigenen Nutzerschaft bewahren wollen, ist Google in diesem Setup doch wohl eher Partner als Gegner.

So oder so wird das Internet sich am Ende vollständig kalifornischen Geschäftslogiken unterwerfen. Nur, die Ladezeiten von Nachrichten werden dabei gewiss keine wesentliche Rolle spielen. Eher wird entscheidend sein, ob es einem der Rivalen gelingt, nachhaltig die Oberhand zu gewinnen. Wollen wir hoffen, dass das nicht passiert und wir künftig dank eines offenen Web immer eine echte Wahl haben, und zwar als Konsumenten, als Kommunikatoren oder auch als Medienmacher.”

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