Der Medienwandel von Print zu Online zu App ist in vollem Gange. Umständlich gefaltete, unter den Arm geklemmte Zeitungen werden immer seltener und weichen blass leuchtenden Handyschirmen. Werfen Sie mit uns einen Blick auf acht innovative Medienformate.

Neue Medienformate - Apps

xMinutes

Noch in der Entwicklung befindet sich ein experimentelles News-App-Konzept von Datenjournalist Marco Maas. Die Idee des durch Google geförderten Versuchs heißt kontextbasierter Journalismus und verspricht, seinen Nutzern anhand detaillierter Profile stets passende Inhalte zu liefern. Die nötigen Informationen liefern die Sensoren des Handys selbst, das registriert, ob sein Besitzer gerade geht, steht, sitzt, Kopfhörer nutzt, in welches WLAN er eingeloggt ist und zu welcher Zeit das alles geschieht. Auf diese Art will xMinutes verstehen, wann der Nutzer Zeit für Medienkonsum hat und situativ die richtigen Texte anbieten. So werden im heimischen WLAN längere Nachrichten ausgeliefert als in der Bahn. Die Inhalte selbst sollen von Partnern in Form von Verlagen und Sendeanstalten stammen. Ob, wann und auf welchen Plattformen xMinutes erscheinen wird, steht nach aktueller Datenbasis nicht fest.

 

H(andelsblatt) 10

H10 ist eine Nachrichtenapp des Handelsblatts, die mehr sein will als eine Recyclingstation des Online-Mediums. Die Wirtschaftsredaktion produziert eigene, für Handynutzer optimierte Inhalte und serviert diese per Push. Interessant ist hierbei, dass die Themen sehr stark kuratiert werden. Es stehen exakt zehn Artikel zur Auswahl. Diese sollen aufeinander abgestimmt sein und in aller Kürze einen umfassenden Überblick der Nachrichtenlage liefern. Geschuldet ist dieser Ansatz der begrenzten Lesezeit gestresster Bahngäste und gibt dem im Grunde unendlichen Medium Internet eine künstliche Begrenzung, die sich fast etwas nach Zeitung anfühlt.

H10 im Appstore H10 bei Google Play

Handelsblatt H10 App

Für jeden Tag genau zehn Artikel: die News-App H10 vom Handelsblatt.

 

 

Yahoo News Digest

Die App des Internetriesen Yahoo geht einen ähnlichen Weg wie das Handelsblatt-Angebot H10, ist dabei aber einen ganzen Schritt weiter. Zwei Mal am Tag gibt es die acht wichtigsten News auf das Endgerät. Die Inhalte werden dabei aus verschiedenen Quellen zu thematischen Stories kombiniert und mit Informationen aus Diensten wie Wikipedia, Google Maps oder Twitter angereichert. Hier zeigt sich ein interessanter Unterschied zwischen Internetunternehmen und Verlag: Während das Handelsblatt, als klassisches Journalismusprodukt, mit eigenen Inhalten versucht, eine moderne App zu bauen, fällt es Yahoo leichter, ein handytaugliches Nutzererlebnis zu schaffen. Die News jedoch müssen aus Drittquellen bezogen werden.

Yahoo News Digest im Appstore Yahoo News Digest bei Google Play

 

Snapchat Discover

Mit dem Discover-Feature hat Snapchat eine durchaus eigenständige Lösung gefunden, Fremdinhalte innerhalb der eigenen App anzubieten. Optisch an die plakative Ästhetik der App angepasst, werden die Nachrichtenkanäle – darunter CNN, Vice, MTV und BuzzFeed – ganz natürlich zu multimedialen Konsumschnipseln. Sie bewegen sich, machen Musik, oder sprechen sogar mit dem Leser und lassen sich nach ähnlichen Wisch- und Tipp-Regeln der normalen Stories bedienen.  Das macht tatsächlich Spaß und geht ganz gut von der Fingerkuppe. Bisher beschränkt sich Discover allerdings nur auf Medienpartner aus den USA.

Snapchat im Appstore Snapchat bei Google Play

Snapchat-Discover_web

Snapchat Discover: Professionelle Multimedia-News für den Kanal, der derzeit am meisten gehyped wird.

 

 

Facebook Instant Articles

Warum Facebook verlassen, nur um Nachrichten zu lesen? Das ganzheitliche Sozialnetz von Mark Zuckerberg möchte seine Nutzer zu keinem Zeitpunkt missen und bietet Publishern mit Instant Articles die Möglichkeit, ihre Inhalte direkt in der Timeline der Facebook-App zu öffnen. Interessant sind hier vor allem die unterschiedlichen Lösungsansätze von Facebook und Snapchat: Während Snapchat Discover darauf setzt, Inhalte möglichst nahtlos in die User-Experience der App einzubinden, verspricht Facebook Instant Articles das Look and Feel der Nachrichtenquelle beizubehalten, oder zumindest eine neutral minimalistische Oberfläche zu schaffen.

Facebook im Appstore Facebook bei Google Play

 

Quartz

Die Conversational News App Quartz haben wir in Treibstoff bereits beleuchtet. Die Messenger-Ästhetik der iOS-Applikation macht aus News Nachrichten, wie wir sie von WhatsApp und Co. bereits gewohnt sind. Quartz emuliert eine vertraute Situation auf dem Handybildschirm und gibt ihr einen neuen Kontext. Ob sich das Konversationsprinzip durchsetzt oder verspieltes Gimmick bleibt, wird die Zeit zeigen. Die Eigen- und Besonderheiten der Konsumplattform mitzudenken ist jedoch ein spannender Ansatz, der aufzeigt, welche Bahnen der Content-Konsum in Zukunft einschlagen kann.

Quartz im Appstore

Quartz App

Conversational News: Quartz bringt Nachrichten im Look and Feel von What´s App und Co.

 

 

Blendle

Der niederländische Kioskdienst ist ein interessanter Fall. Das Geschäftsmodell, Printartikel renommierter Zeitungen und Zeitschriften in digitaler Form zum Einzelpreis anzubieten (Treibstoff berichtete), ist tatsächlich innovativ und scheint auf die modernen Konsumgewohnheiten zugeschnitten. Dennoch ist Blendle Medienberichten zufolge bisher noch nicht so eingeschlagen wie das anfängliche Medienecho vermuten ließ. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser neuartige Vertriebsweg für Journalismus durchsetzt, oder die Einzelabrechnung dem Durchschnittsnutzer doch zu viel abverlangt.

Blendle im Appstore Blendle bei Google Play

 

RBB24 & BR24

Auch die Öffentlich-Rechtlichen versuchen neue Wege auf neuen Märkten zu gehen. Der Bayerische Rundfunk und der Rundfunk Berlin-Brandenburg vereinen ihre regionale Berichterstattung seit kurzem unter eigenen Dachmarken, die nah am Nutzer in sehr zeitgemäßen, attraktiven Apps angeboten werden. Personalisierbare Inhalte und auf mobilen Konsum ausgerichtete Texte sollen die Öffentlich-Rechtlichen auf die Schirme der nichtlinearen Konsumenten bringen. Bemerkenswert an dieser Entwicklung ist das Zugeständnis an die Wichtigkeit der Mediengattungen, die nicht das Kerngeschäft der Rundfunkhäuser berühren. Wenn selbst die Öffentlich- Rechtlichen begriffen haben, dass es ohne gute Digitalinhalte nicht geht, muss es wohl so sein.

RBB24 im Appstore RBB24 bei Google Play

BR24 im Appstore BR24 bei Google Play

innovative Medienformate BR24 App

Personalisierbare News aus der Region im zeitgemäßen Look: die neue App BR24 vom Bayerischen Rundfunk.

 

 

Fazit:

Auch wenn sich die Medienformate stetig ändern, geht es doch am Ende für den PR-Schaffenden darum, die relevanten Ansprechpartner in den Redaktionen zu erreichen. Redakteure arbeiten parallel für Print-, Online- und App-Magazine; auch Rundfunkanstalten stellen sich zunehmend trimedial auf. Weiterhin gibt es Newsformate (siehe Yahoo News Digest, Quartz, Blendle), die nicht als redaktioneller Produzent, sondern als Plattform auftreten und daher in einem Umfeld für Journalistenkontakte keinen Sinn ergeben.

Die thematisch richtige Redaktion zu identifizieren ist also eine zentrale Aufgabe, wenn sich die Medienformate immer weiter auffächern und künftig womöglich auch über Smartwatches und Augmented Reality zum Leser gelangen.

Als Anbieter der PR-Software zimpel ist unser Lösungsansatz, die Content-Produzenten selbst im Auge zu behalten, denn Nachrichten werden formatunabhängig auch in Zukunft noch von Menschenhand verfasst. Und das ist doch mal eine gute Nachricht.

 

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