In wenigen Tagen werden die Gewinner des dpa-infografik awards in Berlin ausgezeichnet.  Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen war das erste Mal Mitglied in der Fachjury. Ihre Erfolgsformel für Infografiken lautet: „Überschaubar, ansprechend, eingängig.“ In TREIBSTOFF spricht sie über Stärken, Schwächen und aktuelle Grafik-Trends.  


TREIBSTOFF: Was zeichnet die diesjährigen Siegergrafiken aus?

Andrea Wolf von der Forschungsgruppe Wahlen über den dpa-infografik Award 2017

ANDREA WOLF: Die Siegergrafiken sind durchweg sehr klar strukturiert mit detailreichen Informationen, die – bei manchen auch auf mehreren Ebenen – übersichtlich angeordnet sind. Thema und Design sind sehr gut aufeinander abgestimmt und ergeben ein in sich schlüssiges Gesamtkonzept.

TREIBSTOFF: Wie haben Sie die diesjährige Jurysitzung erlebt?

ANDREA WOLF: Ich habe zum ersten Mal an der Jurysitzung teilgenommen und war wirklich angetan von den vielen ideenreichen und kreativen Einsendungen, vor allem auch von den Online-Grafiken mit interaktiven Komponenten. Die Auswahl der besten Grafiken fand ich dann auch entsprechend schwierig, gerade wenn man berücksichtigt, dass den Einsendern ja oft ganz unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen. Wir haben uns das nicht leicht gemacht und ausgiebig über die Platzierungen eins bis drei diskutiert. Das sehr konstruktive Miteinander im Jury-Team fand ich besonders positiv und auch die effektive Organisation des Auswahlverfahrens hat mich beeindruckt.

TREIBSTOFF: Wo liegen die Stärken einer Infografik?

ANDREA WOLF: Das Potenzial einer Infografik besteht darin, das wirklich Wesentliche eines Sachverhalts auf einen Blick korrekt, überschaubar sowie ansprechend und eingängig vermitteln zu können.

TREIBSTOFF:  Wo ihre Schwächen?

ANDREA WOLF: Mögliche Schwachstellen bei Infografiken sind zum einen eine Überfrachtung mit Inhalten oder Grafikelementen, was auf den Betrachter eine eher abschreckende Wirkung hat. Andererseits dürfen entscheidende Inhalte, besonders solche, die zur Einordnung von Größenverhältnissen dienen, aber nicht fehlen.

TREIBSTOFF: Fake News: Wie können Infografiken dagegen steuern?

ANDREA WOLF: Gute Infografiken sind geradezu prädestiniert dafür, Fake News zu entkräften. Mit der verständlichen Darstellung quellenbelegter und fundierter Informationen verweisen sie auf die Sachebene und können so mit Falschmeldungen aufräumen.

TREIBSTOFF: Was sollte man bei der Konzeption und Produktion einer Infografik unbedingt beachten, was tunlichst vermeiden?

ANDREA WOLF: Da sind wir wieder bei den Stärken und Schwächen von Infografiken: am allerwichtigsten ist, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Die Grafik sollte auf einem klaren und durchgängigen visuellen Konzept basieren und dem Betrachter einen positiven ersten Eindruck vermitteln.

TREIBSTOFF: Quo vadis Infografik: Welche Trends erkennen Sie?

ANDREA WOLF: Ich denke, der Trend geht hin zu mehr Online-Grafiken. Mithilfe mehrerer Informationsebenen können damit auch komplexere Sachverhalte eingängig dargestellt werden. Der Nutzer kann selbst entscheiden, wie tief er in das Thema einsteigen will und entsprechend detaillierte Informationen abrufen. Zudem machen interaktive Elemente das Ganze natürlich zusätzlich spannend und interessant.

Die Preisträger des dpa-infografik awards werden am 9. November im Newsroom der dpa in Berlin geehrt.

1. Platz in der Kategorie „Nachrichtliche Infografiken“: Ole Häntzschels „Wirtschaftskarte: Militärausgaben“ (Print), erschienen im Magazin „Capital“

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