Veranstaltungsmoderation ist etwas ganz Besonderes: Ein großes Publikum, feierliche Stimmung. Die Moderation macht aus dem Event eine Story: Sie gibt dem Geschehen eine Dramaturgie, sorgt für Spannung, Unterhaltung und Emotionen und nicht zuletzt dafür, dass die Teilnehmer sich wohlfühlen. Jule Gölsdorf beherrscht das Moderieren perfekt. In TREIBSTOFF verrät die bekannte TV-Moderatorin und Buchautorin ihre ganz persönlichen Tipps.

Jule Gölsdorf ist Journalistin und Buchautorin. Aktuell moderiert sie im Fernsehen für n-tv , den Hessischen Rundfunk und DFB-TV. Von 2003 bis 2012 moderierte sie die mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten ZDF-Kindernachrichten „logo!“. Dieses Jahr sind ihr Kriminalroman „Mörderisches Monaco“ und das Sachbuch „Harn aber herzlich“ erschienen.

Jule Gölsdorf ist Journalistin und Buchautorin. Aktuell moderiert sie im Fernsehen für n-tv , den Hessischen Rundfunk und DFB-TV. Von 2003 bis 2012 moderierte sie die mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten ZDF-Kindernachrichten „logo!“. Dieses Jahr sind ihr Kriminalroman „Mörderisches Monaco“ und das Sachbuch „Harn aber herzlich“ erschienen.

TREIBSTOFF: Was macht das Moderieren von Großveranstaltungen so besonders?

GÖLSDORF: Das Besondere ist immer der direkte Kontakt zu den Zuschauern. Im Gegensatz zum Fernsehen, wo man als Moderator ja nur in eine Kamera schaut und die Zuschauer nur abstrakt erahnen kann, blickt man den Leuten bei Großveranstaltungen direkt in die Augen. Und das ist auch schon die Herausforderung: Man muss es schaffen, dass die Leute einem gerne zuhören, sich nicht von anderen Dingen ablenken lassen und sie auch das Gefühl bekommen, dass man sie mit einbezieht. Und dann kommt das Feedback natürlich auch direkt: Wenn die Menschen anfangen auf die Uhr zu schauen, gähnen oder womöglich im worst case den Raum verlassen, weiß man – da ist etwas schief gelaufen! Da muss man dann improvisieren!

TREIBSTOFF: Wie bereite ich mich am besten auf die Veranstaltung vor?

GÖLSDORF: Das kommt natürlich auf die Veranstaltung an. Ich versuche immer, einen persönlichen Zugang zu finden. Das zeigt den Veranstaltern und den Zuschauern, dass ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Es ist wichtig, sich in die Thematik ordentlich einzulesen – insbesondere bei Podiumsdiskussionen und Interviews. Und auch ein persönliches Gespräch mit den Interviewpartnern und Gästen im Vorfeld hilft, um Ziele und Erwartungen abzustecken und zu schauen, ob alle auf der gleichen Linie liegen. Vor Ort ist es immer gut, die Bühne angeschaut und den Ton getestet zu haben – einfach um zu wissen, dass die Technik läuft und um schon einmal ein Gefühl für den Raum zu bekommen.

TREIBSTOFF: Moderationskarten: Was muss drauf?

GÖLSDORF: Ganz wichtig ist es, alle Namen der beteiligten Personen parat zu haben. Deshalb schreibe ich mir sie immer in die Kopfzeile, so dass ich die Namen auf jeder Moderationskarte sehen kann. Denn nichts ist peinlicher, als den Namen nicht zu wissen und die Person nicht direkt ansprechen zu können. Ansonsten mache ich mir nur Stichpunkte, denn zu viel Text stört. Im Grunde sollen die Karten ja nur für einen kurzen Blick herhalten, falls man mal einen Hänger hat. Wenn man sich durch etliche Zeilen Text suchen muss, schaut man zulange auf die Karten. Zudem wirkt es unvorbereitet, wenn man die Informationen „vorliest“. Es nimmt einem auch die Spontanität, mal Aktuelles in die Moderation einfließen zu lassen. Bei Stichpunkten kann man immer spontan etwas einfügen, weiß aber mit einem kurzen Blick auf die Karte trotzdem noch, wo man mit der Moderation hin will.

Moderatorin Jule Gölsdorf mit Oliver Bierhoff auf DFB-TV. Moderation

Moderatorin Jule Gölsdorf mit Oliver Bierhoff auf DFB-TV.

 

TREIBSTOFF: Wie bekomme ich ein sicheres, entspanntes und vor allem authentisches Auftreten hin?

GÖLSDORF: Man sollte natürlich deutlich sprechen und auch einen gewissen Druck in der Stimme haben. Das zeugt von Sicherheit und Souveränität. Zudem darf man auch den Mut haben, ab und an eine Pause zu lassen. Denn striktes Durchreden und zu schnelles Sprechen zeigen Nervosität. Was die Körpersprache angeht, sollte man nicht zu viel „herumhampeln“. Natürlich gehört lebendige Gestik dazu, diese sollte aber gezielt eingesetzt werden. Ab und an während des Sprechens mal ruhig hin und her zu laufen kann auch helfen, um Nervosität abzubauen. Generell legt sich die Nervosität auch, wenn man die ersten Moderationen „durchgestanden“ hat. Ansonsten hilft es, vor der Moderation noch mal richtig tief durchzuatmen. Es gibt natürlich auch Übungen, auf die man sich konzentrieren kann. Zum Beispiel: Einatmen, die Luft für sieben Sekunden anhalten, ausatmen, wieder die Luft sieben Sekunden anhalten. Damit konzentriert man sich auf die Atmung und das Lampenfieber geht zurück.

TREIBSTOFF: Stichwort „Garderobe“: Was anziehen?

GÖLSDORF: Generell sollte die Kleidung dem eigenen Typ entsprechen – sprich – man sollte sich wohlfühlen. Denn wer sich „verkleidet“, wird nicht locker moderieren können. Alles natürlich dem Anlass entsprechend: das Outfit muss zum Kunden passen. Wichtig: Als Frau nie zu kurze Röcke tragen. Das wirkt unseriös. Zudem steht man auf Bühnen erhöht und wir wollen ja nicht, dass uns jemand unter den Rock schaut! Es muss aber nicht das klassische Kostüm sein. Auch ein moderner Jumpsuit kann sehr schick sein und auch Business-Kleider eignen sich sehr gut, um darin eine Veranstaltung zu moderieren.

TREIBSTOFF: Und was raten Sie, wenn das Mikro plötzlich ausfällt?

Den Vorfall locker kommentieren, die Technik bitten, sich um das Problem zu kümmern und dann einfach ohne Mikro weitermachen, bis die Technik wieder läuft. Ist die Veranstaltung so groß, dass die Menschen in den hinteren Reihen keine Chance haben, das Gesagte auf der Bühne zu hören, die Veranstaltung für fünf Minuten unterbrechen und weitermachen, wenn das Mikro wieder geht.

TREIBSTOFF: Was war Ihr schönster Moment als Moderatorin?

GÖLSDORF: Ich hatte schon viele schöne Momente. Sicherlich gehört die Moderation des 24-Stunden-Rennens von Le Mans dazu: Live von der Rennstrecke zu berichten, ganz nah dran zu sein, hinter die Kulissen schauen zu dürfen – das sind natürlich die Highlights als Journalistin. Und als ich zufällig in Washington war, als der Hurrikan über die Westküste zog und ich als Korrespondentin eingesprungen bin, um die n-tv-Kollegen vor Ort zu entlasten, war das natürlich spannend und eine ganz neue Herausforderung. Außerdem habe ich mal eine Veranstaltung moderiert, bei der Helmut Schmidt dabei war. Eine beeindruckende Begegnung.

TREIBSTOFF: Was war Ihre größte Panne?

GÖLSDORF: Bei den Kindernachrichten „logo!“: Die Sendung war live und ich habe kurz vor Beginn mit der Aufnahmeleiterin herumgescherzt und so haben wir beide verpasst, dass wir schon live drauf waren. Ich habe dann nach ein paar Sekunden im KIKA-Livebild gesehen, dass mein Gesicht zu sehen ist… „Ups“ – hab ich gedacht – „Das bin ja ich!“. War lustig!

TREIBSTOFF: Haben Sie selbst noch Lampenfieber?

GÖLSDORF: Richtiges Lampenfieber habe ich im Fernsehen nicht mehr. Da bin ich allenfalls bei Breaking News noch angespannt, aber eine gewisse Anspannung gehört ja auch dazu. Wenn man zu easy an die Sache ran geht, ist man auch nicht mehr wach und aufmerksam. Bei der Moderation von Veranstaltungen habe ich noch etwas mehr Respekt, weil man eben nicht weiß: Wer sind die Zuschauer, wie sind die Interviewpartner, habe ich das Event richtig vorbereitet und was mache ich, wenn ich Zeit überbrücken muss? Aber das macht die Moderation von Veranstaltungen ja auch aus – eine gewisse Spannung gehört dazu!

TREIBSTOFF Wie entspannen Sie sich vor Auftritten?

GÖLSDORF: Zum Entspannen vorher sorge ich dafür, dass ich genug geschlafen habe, alle meine Karten in der richtigen Reihenfolge dabei habe (die Karten gebe ich auch nie aus der Hand – sonst kommt noch jemand auf die Idee, das wäre Müll und wirft sie weg – Horror!). Und ich trinke meist noch einen Tee, da kommt man gut runter.

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